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"Gefährlicher Frühling": Ein Stück Erinnerung

Zwei Freundinnen sorgten für die Aufführung

Eineinhalb Jahre suchten Eleonore Henn und Eva-Maria Fuchs nach einer Kopie des Films „Gefährlicher Frühling“, mit dem sie viele Kindheitserinnerungen verbinden. Am Samstag wurde die Hartnäckigkeit der Freundinnen belohnt und die Komödie, die 1943 in Tübingen gedreht wurde, im Kino Museum aufgeführt. Mit großem Erfolg.

26.09.2011
  • akz

Zwei Freundinnen sorgten für die Aufführung
Eva-Maria Fuchs und Eleonore Henn als Ehrengäste bei der Vorführung von „Gefährlicher Frühling“ im Kino Museum. Bild: Kurz

Der Samstagvormittag gehört ihnen und die zwei Freundinnen haben sich fein gemacht. Eleonore Henn trägt einen schwarzen Blazer, Eva-Maria Fuchs ein Kostüm in hellem Rosa und eine goldene Brosche. Es ist noch eine halbe Stunde, bis der Film „Gefährlicher Frühling“ beginnt, aber schon jetzt sind Henn und Fuchs im Foyer des Kinos Museum von Menschen umringt, schütteln Hände, umarmen Freunde.

„Bisher sind über 150 Karten verkauft worden“, sagt Eleonore Henn stolz, „und der Film hat noch nicht einmal angefangen.“ Sie würden sich über die Resonanz sehr freuen, versichert Eva-Maria Fuchs, sie hätte ja nicht einschätzen können, wie es laufen würde und mit rund 30 Zuschauern gerechnet. Eleonore Henn hakt sich bei ihrer Freundin unter, die sie seit der ersten Klasse kennt, und gemeinsam nehmen sie auf zwei mit rotem Samt bezogenen Kinosesseln Platz.

Klaus Hartmann, ein Altersgenosse von Henn und Fuchs, lobt in seiner Ansprache das Engagement von Eva-Maria Fuchs. Immer wieder hatte Fuchs Filmverleihe und Produktionsfirmen angeschrieben, bis sie nach über 18 Monaten und zahlreichen Absagen schließlich doch eine Kopie auftrieb.

Es gibt Zwischenapplaus und dann beginnt die Komödie „Gefährlicher Frühling“ – ein Film, der kein Meilenstein der Filmgeschichte ist, aber für die Menschen im Kinosaal ein Stück Erinnerung. 1943 wurde der Liebesfilm in Tübingen gedreht und zahlreiche Tübinger dienten als Komparsen. So stellte der Regisseur Hans Deppe eine Schulhofsszene nach, indem er Kindern kleine Holztafeln in die Hand gab, die von weitem wie Pausenbrote aussahen. Siegfried Breuer gab den zerstreuten Chemieprofessor, der zu einem Klassentreffen in seinen Heimatort reist und die Liebe findet. Winnie Markus gab das liebreizende Mädchen, Olga Tschechowa die selbstbewusste und reife Frau, die aber schließlich doch einen Mann braucht, um glücklich zu werden.

Regisseur Hans Deppe drehte auf der Platanenallee, ließ den blutjungen Fritz Wagner auf dem Neckar rudern und die alten Schulfreunde im Ratskeller feiern. Der Plot von „Gefährlicher Frühling“ entwickelt sich vorhersehbar, die Komödie tut keinem weh, sollte sie doch erheitern und vom Kriegsalltag ablenken.

Für Eva-Maria Fuchs, Eleonore Henn und die über hundert Zuschauern aber ist „Gefährlicher Frühling“ doch wertvoll, weil er Erinnerungsorte zeigt. Die 80-jährige Fuchs sieht ihn zum zweiten Mal in ihrem Leben, die ein Jahr jüngere Henn zum dritten Mal. Immer wieder stoßen sich die Freundinnen an und flüstern miteinander, wenn eine Szene kommt, die sie vor Jahrzehnten beim Drehen beobachtet haben.

Die Tübingerin Eleonore Henn, damals elf Jahre alt und Wildermuth-Schülerin, hat mit ihren Freundinnen die Dreharbeiten so gebannt verfolgt, „dass wir beinahe die Schule vergessen hätten“. Ganz genau erinnert sich Henn an eine Kuss-Szene hinterm Uhland-Denkmal mit Winnie Markus und Jung-Darsteller Fritz Wagner – die allerdings mit einer schallenden Ohrfeige für den allzu feurigen Verehrer endete.

„Wir haben natürlich für Fritz Wagner geschwärmt“, erzählt Henn nach der Vorstellung, „er war so gelenkig.“ Im Film darf man Wagners durchtrainierte Gestalt in Badehose bewundern. Tief bewegt verlassen die Freundinnen den Kinosaal. „Bei einigen Szenen sind mir die Tränen gekommen“, gesteht Eleonore Henn. Nur über Annemarie Walz ärgern sich die beiden. Walz nutze die Vorstellung, um ihr Buch „Echazwasser, Kartoffeln und Kunst“ zu verkaufen. Mit der Organisation der Filmvorführung aber habe sie nichts zu tun, so Henn und Fuchs. Walz sei eine Trittbrettfahrerin. Sei es drum, gemeinsam machen sich Henn und Fuchs auf, um bei Kaffee und Kuchen mit ihren Altersgenossen Kindheitserlebnisse auszutauschen.

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26.09.2011, 12:00 Uhr

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