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Spuren der Hoffnung

Zwei Gomaringer über ihre Erfahrungen in Israel und Palästina

Dieser Tage gingen Bilder aus Israel um die Welt, nach der Aufhebung des Baustopps, als Siedler um Bagger tanzten und dabei von christlich-evangelikalen Kräften aus den USA aufgestachelt wurden. Vor einem Jahr noch war die Lage entspannter, auch, weil ein neuer Präsident ins Weiße Haus kam.

02.10.2010
  • Jürgen Jonas

Gomaringen. Israel, ein Ballungsgebiet von Konflikten und Problemen, ist nicht wesentlich größer als Hessen. Rasch zu durchqueren, aber schwer zu begreifen. Im vergangenen Jahr besuchte eine elfköpfige Gruppe aus dem Kreis Tübingen den Staat, brachte schöne Bilder mit, viel Informations- und Debattenstoff – und viele Fragen. Mit dabei waren auch Christa Lehr und Andreas Foitzik, die seit vielen Jahren in Gomaringen wohnen. Im Wechsel mit Beate Schröder und Siegfried Gack erzählten sie nun bei einer Volkshochschul-Veranstaltung im Gomaringer Schloss von ihrem Aufenthalt und zeigten den rund 50 Gästen eine Dia-Schau unter dem Titel „Spuren der Hoffnung“.

Gespräche mit israelkritischen Israelis

Gemeinsam waren sie schon in Odessa, Istanbul oder New York, immer mit dem Ziel, nicht nur Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern auch politische und soziale Umstände kennenzulernen. Die meisten Teilnehmer sind durch ihre Mitgliedschaft im ZAK verbunden, dem ehemaligen Zentralamerika-Komitee, das sich mittlerweile in Gruppe gegen Kapitalismus, Krieg und Kohlendioxid umbenannt hat. Sie sind immer noch aktiv, organisieren den Internationalismus-Kongress oder setzen sich für eine kostenlose Nutzung des TüBus ein.

„Israel war die spannendste Reise“, so Foitzik. Gut vorbereitet, mit umfangreichem, minutiös geplantem Programm, das sie mit orthodoxen Juden, israelkritischen Israelis, Palästinensern und Vertretern von Menschenrechtsorganisationen zusammenführte, in Tel Aviv, Jerusalem oder in den besetzten Gebieten. Morgens sprachen sie mit Siedlern orthodoxen Glaubens, abends mit Menschen der Gegenseite, deren Häuser abgeräumt wurden, so erlebten sie die enorme Gegensätzlichkeit. Der Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem wurde zum tiefsten Eindruck, mit dem Denkmal etwa für die anderthalb Millionen ermordeten jüdischen Kinder.

Sie wurden von Palästinensern mit der Forderung konfrontiert, israelische Waren zu boykottieren. Das kommt für die Gruppe natürlich nicht in Frage. Das Existenzrecht Israels dürfe natürlich unter keinen Umständen in Frage gestellt werden. Grundsätzlich sind sie mit Israel solidarisch, stellen sich aber nicht vorbehaltlos auf eine Seite. „Die Siedlungspolitik ist eins der Haupthindernisse für den Frieden.“ Sie waren zu Gast in der Siedlung Ofra, Juden, die hier ein Haus errichteten, sagen, ohne dabei auf den Holocaust zu verweisen, das Land sei eben die Heimstatt der Juden, seit Tausenden von Jahren, das begründe einfach ihr Recht, hier zu wohnen.

„Wer soll hier eigentlich Frieden schließen?“, fragten sie sich nach mancher Debatte. Hielten aber fest: Nur Begegnung, nur Solidarität, nur Verständnis füreinander kann unter diesen widrigen Bedingungen Hilfe schaffen. Ärzte helfen dabei, die in den besetzten Gebieten eine Klinik betreiben, kostenlos für die Patientinnen und Patienten.

Ex-Soldaten wollen das Schweigen brechen

Sie trafen Mitglieder von „Breaking the Silence“, die als ehemalige Soldaten Gräueltaten der israelischen Armee untersuchen lassen und im Gedächtnis halten wollen. Hielten sich bei halbnomadischen Bewohnern einer arabischen Wüstensiedlung auf, wo ein Projekt zur Solar- und Windkraftenergie betrieben wird. Sprachen mit Aktivisten von Menschenrechtsorganisationen, die die „kolonialen Verhältnisse“ unter der Besatzung als Apartheidspolitik anprangern. Besuchten Ostjerusalem, Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates, „ein Pulverfass“. Kamen mit Mitarbeitern der Hilfsorganisation „Medico international“ zusammen, die versuchen, in den Westbanks Hilfe zu leisten.

Am Ende waren sie zu Gast bei Ismail Khatib und seiner Familie, über die der Tübinger Marcus Vetter den Film „Herz von Jenin“ gedreht hat, der auch hier im Kino zu sehen war. Der kleine Sohn der Khatibs wurde von israelischen Soldaten im schrecklichen Eifer des Gefechts erschossen. Seine Organe wurden gespendet, auch an israelische Kinder.

„Gewalt bringt uns nicht weiter!“ sagen viele Menschen auf beiden Seiten. Aber Lösungen sind nicht in Sicht.

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02.10.2010, 12:00 Uhr

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