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Krimi

Zwei Kommissare in einem Bett

Im freizügigen „Tatort“ aus Freiburg geht es um einen Mord zur Fasnet, Liebe, Lust und zu viel Sex.

22.02.2020

Von MARTIN WEBER

Romy (Darja Mahotkin) in den Händen von Hästrägern. Foto: Benoît Linder/SWR /dpa

Freiburg. In den 90er Jahren ermittelte schon einmal ein „Tatort“-Kommissar während der schwäbisch-alemannischen Fasnet: Der Stuttgarter Kommissar Bienzle klärte in Ravensburg in gewohnt bedächtiger Art ein Verbrechen unter Hästrägern. Auch die beiden Kommissare Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) mischen sich im „Tatort“ aus Freiburg unters närrische Volk, doch diesmal – so viel darf verraten werden – ist kein Maskenmann der Mörder. Die Hexen, Teufel und anderen Hästräger, die um die Ermittler herumspringen, sind nur die unheimlichen Statisten in einer wuchtigen Tragödie, die sich um Einsamkeit, Sehnsucht, Rausch und Sex dreht.

Viele Nacktszenen

Es gibt für einen Sonntagskrimi ungewöhnlich viele Nacktszenen, bei denen sich die Hauptdarsteller mutig auch mal von ihrer unvorteilhaften Seite zeigen – sogar die beiden Kommissare wälzen sich betrunken miteinander im Bett und machen dabei keine optimale Figur. Der von Regisseur Jan Bonny meisterhaft inszenierte Film „Tatort: Ich hab im Traum geweinet“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) ist stellenweise fast schmerzhaft realistisch und ein großartiger Sonntagskrimi über die Abgründe der Liebe.

Im Mittelpunkt der Tragödie steht die kokette Krankenschwester Romy Schindler (Darja Mahotkin), die in einer Schönheitsklinik tätig ist, früher als Prostituierte gearbeitet hat und mit dem Arzt David Hans (Andrei Viorel Tacu) und ihrem kleinen Sohn unter einem Dach lebt. Einerseits wird Romy von ihrem Partner, Patienten oder ehemaligen Freiern skrupellos als Sexobjekt ausgebeutet. Andererseits ist die junge Frau aber kein reines Opfer, weil umgekehrt auch sie sich die Triebhaftigkeit von Männern gezielt zunutze macht.

Als einer dieser Männer ermordet in seinem Hotelzimmer nahe der Schönheitsklinik gefunden wird, gerät Romy unter Tatverdacht, weil sie mit ihm kurz vorher ein Schäferstündchen hatte. Doch auch Romys eifersüchtiger Lebensgefährte gerät ins Visier der Ermittler, die diesmal viel mit sich selber zu tun haben.

Nach einem feuchtfröhlichen Fasnets-Bummel durch diverse Kneipen sind sie in Friedemann Bergs Bett gelandet. Während Franziska Tobler die Liebesnacht mit ihrem Kollegen am nächsten Morgen ganz pragmatisch als One-Night-Stand abhaken will, ist der Kommissar beleidigt, dass keine richtige Beziehung daraus wird.

Der Mord geschieht, sehr ungewöhnlich für einen „Tatort“, nicht etwa am Anfang, sondern erst nach knapp 40 Minuten. Doch das macht in diesem Fall überhaupt nichts, weil der Film seinen Reiz nicht etwa aus der Frage bezieht, wer der Täter war. Es geht vielmehr um die schmerzlichen Seiten der Liebe, wie sie in dem von Robert Schumann vertonten Heine-Gedicht anklingen, auf das sich der Titel dieses „Tatorts“ bezieht.

Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) lassen sich treiben. Foto: Benoît Linder/SWR /dpa

Romy (Darja Mahotkin) ist zu Philipp Kiehl (Andreas Döhler) ins Hotelzimmer gekommen. Foto: Benoît Linder/SWR /dpa

Tatort Check Polizeiruf 110 Pistolenbewertung Foto: Grafik: SWP

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Erstellt:
22. Februar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Februar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2020, 06:00 Uhr

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