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Zwei Millionen gefälschte CDs und Schallplatten sichergestellt
Nur was für Ältere? Nein, noch immer werden viele Schallplatten und CDs verkauft. Einige davon stammen aus nicht legalen Quellen. Die Schäden sind immens. Foto: dpa
Musik

Zwei Millionen gefälschte CDs und Schallplatten sichergestellt

Der Verkauf kopierter CDs und Schallplatten verursacht Milliardenschäden. Die Polizei hat nun einen ganz großen Fang gemacht.

18.11.2016
  • DIRK HÜLSER UND THUMILAN SELVAKUMARAN

Es klingt wie eine Nachricht aus alten analogen Zeiten: Ermittlern ist ein Produktpirat ins Netz gegangen, der rund 2 Mio. CDs, DVDs und Schallplatten illegal hergestellt haben soll. Es geht also nicht um die boomende Musik aus dem Internet, sondern um Tonträger zum Anfassen – die sind eher auf dem absteigenden Ast. Mit 60 Prozent Anteil ist der Markt der physischen Tonträger aber noch immer um die Hälfte größer als die digitale Konkurrenz. Diese Zahl nennt der Hamburger Rechtsanwalt Clemens Rasch. Er ist auch Geschäftsführer von „Pro Media“; das Unternehmen überprüft den Markt im Auftrag des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI).

Schon seit Oktober 2015 ist die Staatsanwaltschaft in dem Fall tätig, später wurde das Landeskriminalamt mit der Ermittlergruppe „Mitschnitt“ eingebunden. Im Januar wurde ein Lager mit 800 000 illegalen Tonträgern und 3000 Kartons hochgenommen, danach folgten Durchsuchungen weiterer Lager in Schwäbisch Hall und Göppingen.

Vertrieben wurden die Scheiben übers Internet, über Mailorder und kleine Plattenläden. Gerade gestern hat der Anwalt eine der Platten wieder bei Anbietern in Spanien, Frankreich, Polen und den Niederlanden im Netz entdeckt. „Das ist fast ein bisschen so wie Geld drucken“, sagt er. Die Namen der betroffenen Künstler lesen sich wie ein Who's who der Musikbranche: Der BVMI nennt die Rolling Stones, Neil Young, Black Sabbath, Lady Gaga, die Beatles, Kiss, Joe Cocker, Rammstein, David Bowie, Pearl Jam, Depeche Mode, AC/DC, Bruce Springsteen und andere. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie, spricht von „hochprofessionellen Strukturen“.

Gepresst wurden die CDs, DVDs und Platten wohl nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen. Seit September sitzt der beschuldigte Esslinger in Untersuchungshaft. Wie viele Tonträger bereits verkauft wurden, wurde nicht bekannt.

„Die Qualität und die Aufmachung der Piraterie-Produkte sind gut“, sagt Rasch. „Die Macher lehnen sich stark an die legalen Originale an - für den Normalverbraucher sind die Piraterieprodukte nur sehr schwer zu erkennen.“ Rasch ist seit 20 Jahren auf dem Gebiet des Urheberrechts als Anwalt aktiv. „In meiner Karriere habe ich einen Fall dieser Größenordnung noch nicht erlebt.“

Es wurde äußerst umfassend vorgegangen, Mischpulte bei Konzerten wurden angezapft und CDs per Internet auch in andere EU-Staaten verkauft. „Wir gehen davon aus, dass im Hintergrund kriminelle Netzwerke am Werk sind“, sagt Anwalt Rasch. „Ob es noch Hintermänner gibt, ist Gegenstand der Ermittlungen“, teilt Horst Haug vom LKA mit. Er könne noch nicht sagen, wie hoch der Schaden für die Künstler ist.

Das Ausmaß überrascht auch andere Experten. „Es kommt selten vor, dass so große Fische geschnappt werden“, sagt der Düsseldorfer Anwalt und Medienrechtler Otto Grote. Er hat vor Gericht zahlreiche Verbraucher vertreten, die wegen des Weiterverkaufs solcher Tonträger abgemahnt wurden. „Die Bands sind jahrelang gegen arglose Bürger vorgegangen und haben dabei ihr Image riskiert“, sagt Grote. „Dabei ist es viel entscheidender, die Anbieter der Piraterieprodukte mit ihrer großen kriminellen Energie zur Rechenschaft zu ziehen – auch deshalb ist der jetzige Fall sehr wichtig.“

Verbraucher, die eine gefälschte CD oder Platte nur für sich selbst gekauft haben, müssen sich laut Grote keine Sorgen machen. Erst wenn man gefälschte Tonträger zum Beispiel auf Ebay weiterverkaufe, werde es kritisch. „Die Weiterverbreitung solcher Raubkopien stellt stets eine Rechtsverletzung dar“, sagt der Anwalt. Online-Auktionen kämen häufiger ans Licht als etwa Angebote auf Flohmärkten. „Verkäufe im Internet sind für Rechteinhaber über Suchmaschinen nun mal viel leichter aufzuspüren.“

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18.11.2016, 06:00 Uhr

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