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Für einen Dummejungenstreich viel zu gefährlich

Zwei Reutlinger Bombenbastler verurteilt

Sie haben Sprengkörper gebastelt, eine Telefonzelle zerstört, das Betzinger Hallenbad und einen Geldautomat beschädigt. Das Schöffengericht hat gestern einen 24-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Sein 25-jähriger Freund und Komplize kam mit Bewährung davon.

04.07.2012
  • uschi kurz

Reutlingen. Irgendwann Anfang Dezember 2011 hatten die beiden in Reutlingen geborenen Angeklagten sogenannte „Starenschreck-Munition“ illegal aus Frankreich eingeführt und daraus später mehrere, immer stärkere Sprengkörper gebastelt, die sie dann auch zündeten: Der erste zerstörte in der Nacht auf den 14. Dezember eine Telefonzelle in der Reutlinger Straße, der zweite richtete in der nächsten Nacht an der Fassade des Betzinger Hallenbads großen Schaden an.

Der folgenschwerste Anschlag erfolgte Anfang Januar im SB-Pavillon vor dem Lidl-Supermarkt in der Emil-Adolff-Straße. Ein erster Versuch, den Geldautomaten zu sprengen, scheiterte am 4. Januar. Ein weiterer Versuch in der nächsten Nacht „gelang“ und verursachte einen Schaden in Höhe von fast 40 000 Euro. Bei der starken Explosion, so Staatsanwalt Jan Vytlacil, hätten die Angeklagten die Gefährdung von Personen, beispielsweise Gästen der Disco „M-Park“, zumindest billigend in Kauf genommen.

Zur Last gelegt wurde den beiden Angeklagten ferner ein Einbruch am 23. Dezember in den Intersport Profimarkt in der Ferdinand-Lassalle-Straße, aus dem sie Sportartikel, darunter mehrere Snowboards, im Wert von über 5000 Euro entwendeten. Für den Jüngeren der beiden kam erschwerend hinzu, dass er in seinem Auto eine Schreckschusspistole nebst Patronen mit sich führte, für die er keinen Waffenschein hatte, und dass er zum Zeitpunkt der Taten einschlägig unter Bewährung stand.

Die beiden Angeklagten, die kurz nach der Sprengung des Bankautomaten verhaftet wurden und sich seither in Untersuchungshaft befanden, räumten sämtliche Vorwürfe ein und zeigten Reue. Sie hätten, versicherte der 25-Jährige, ein bislang unbescholtener Zeitsoldat, nie Menschenleben gefährden wollen, und auch der letzte Anschlag sei bewusst in einer Nacht geschehen, in der der M-Park geschlossen gewesen sei. Das Schöffengericht verzichtete auf eine langwierige Beweisaufnahme, dafür berieten sich die Prozessbeteiligten ausgiebig – und offenbar mit Erfolg. Staatsanwalt Vytlacils Plädoyer fiel kurz aus: Der von ihm geforderte Strafrahmen – zwei Jahre und vier Monate Haft für den bewährungsbrüchigen 24-Jährigen und eine Bewährungsstrafe am obersten Rahmen (zwei Jahre) für den nicht vorbestraften 25-Jährigen – wurde auch von den beiden Verteidigern für maßvoll erachtet.

Und letztlich auch vom Schöffengericht so verhängt. Diesem Fall gerecht zu werden, sagte Hausch in seiner Urteilsbegründung, sei nicht leicht, weil man die Beweggründe nicht nachvollziehen können. Die Angeklagten hätten nicht aus Geldnot gehandelt, auch bei dem Geldautomaten sei es ja gar nicht darum gegangen, an das Geld zu gelangen. Auch ein Dummejungenstreich sei es nicht gewesen: „Dafür war es viel zu gefährlich, auch für Sie selber.“

Zurück blieb Ratlosigkeit. Denn auch die beiden reuigen jungen Männer konnten sich nicht erklären, wieso sie es gemacht hatten.

Info: Amtsrichter: Eberhard Hausch, Schöffen: Katarina Mallok, Sabine Elisabeth Wendler, Staatsanwalt: Jan Vytlacil, Verteidiger: Thomas Rall Steffen Kazmaier.

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04.07.2012, 12:00 Uhr

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