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Mehr als ein böser Streich

Zwei Tübinger verlangten 1500 Euro Schutzgeld von Cafébesitzer

Zwei Männer betraten am Abend des 22. Juni 2010 die Cafébar Little Italy in der Mühlstraße und forderten Schutzgeld. Gestern verurteilte sie das Schöffengericht wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung.

08.10.2010
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Für einen 22-jährigen gelernten Bäcker reichte es noch zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss er 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der Mann hatte sich am Tag nach der Tat selbst der Polizei gestellt. Er will Tübingen verlassen, um an einer Fachhochschule Bäckerei-Technologie zu studieren.

Sein zwei Jahre älterer Kumpel hingegen muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Etliche Vorstrafen – meist wegen Körperverletzung – wirkten sich ungünstig für ihn aus. Der 24-Jährige hat keine Ausbildung. Er hat die Hauptschule abgebrochen, den Abschluss aber während einer früheren Haftzeit nachgeholt.

Laut Anklageschrift betraten die beiden Männer am Abend des 22. Juni dieses Jahres die Cafébar Little Italy. Sie sollen aggressiv aufgetreten und gleich auf den Lokalbetreiber zugegangen sein. Der gab sich nicht als Chef zu erkennen, worauf der 22-Jährige ihn mit einer Sprühdose bedroht haben soll: „Wo ist der Chef? Oder soll ich dir das Pfefferspray ins Gesicht sprühen?“

Der 24-Jährige sei zugleich mit einem Glas-Aschenbecher auf den Inhaber zugegangen und habe gehöhnt: „Willst du die Bullen rufen?“ Auch eine Bierflasche soll der 22-Jährige schlagbereit gehalten haben, während sein Kumpel 1500 Euro Schutzgeld forderte. Als die Angeklagten mitbekamen, dass eine Cafébesucherin bereits die Polizei gerufen hatte, sei ihnen das Risiko zu groß geworden. Sie verließen das Lokal ohne Geld.

Wodka, Raki und eine fatale Idee

Staatsanwältin Tatjana Grgic wertete das Geschehen als versuchte gemeinschaftliche schwere räuberische Erpressung und forderte drei Jahre und neun Monate Haft für den 24-jährigen Angeklagten. Der 22-jährige Bäcker sollte nach ihrer Auffassung zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter.

Die Angeklagten schilderten die Vorfälle eher als schief gegangenen schlechten Scherz. Beide sagten, sie hätten am Tat-Abend eine Flasche Raki und eine Flasche Wodka getrunken und seien ziemlich alkoholisiert gewesen. Gemeinsam mit zwei weiteren Kumpeln hätten sie sich im Alten Botanischen Garten getroffen und schließlich auch über Mafiageschäfte und Schutzgeld gesprochen.

Er habe nicht glauben können, „dass Leute sich einschüchtern lassen und zahlen“, sagte der 22-Jährige. Stark angetrunken, hätten er und der 24-Jährige sich gegenseitig aufgeputscht: „Du traust dich nicht.“ Beide sind seit Kindertagen miteinander befreundet. Pfefferspray habe er nicht bei sich gehabt, nur ein leer gesprühtes Deo, sagte der 22-jährige Bäcker. Er habe dem Lokalbetreiber nur drohen wollen und hätte auch kein Geld genommen, falls der Gastronom tatsächlich gezahlt hätte. Im Nachhinein kommentierte der Bäcker das Geschehen so: „Das war die reine Dummheit.“ Das Lokal verlassen hätten sie nicht aus Angst vor der Polizei, sondern weil sie erkannten, „dass es nun genug Aufstand“ war und „die Gäste sich bedroht gefühlt haben“, sagte er. „Wenn es geplant gewesen wäre“, ergänzte sein 24-jähriger Kumpel, hätte er wenigstens eine Maske aufgesetzt.

Er habe die Situation ernst genommen, sagte der 37-jährige Cafébetreiber gestern als Zeuge. Er sei schockiert gewesen. Besonders beunruhigte ihn, dass die Täter offenbar genau über seine Familie Bescheid wussten.

Sie wollten soziale Grenzen austesten

„Bloß eine Lachnummer, wie die Angeklagten das Ganze darzustellen versuchten, war es nicht“, sagte Richter Eberhard Hirn. Er deutete das Verhalten der Angeklagten als Versuch, „auszutesten, wie weit man gehen kann mit einem Verhalten, das weit außerhalb der Legalität ist“. Die Männer hätten auch nicht aus einer Notlage heraus gehandelt. Dem 24-Jährigen legte der Richter nahe, während der Haftzeit eine Ausbildung zu machen. Die Verteidiger Andreas Eggstein und Christoph Geprägs hatten sich für Bewährungsstrafen ausgesprochen.

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08.10.2010, 12:00 Uhr

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