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Wirtschaftsentwicklung

Zwei, die sich brauchen

Im Hinblick auf Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen lahmt Horb. Ein Interkommunales Gewerbegebiet soll die Aufholjagd starten.

04.03.2017

Von Benjamin Breitmaier

Aus der grünen Fläche unten im Eck könnte mit Horber Hilfe in Empfingen ein neuer Gewerbepark entstehen. Archivbild: Kuball

Zwei Gemeinden, zwei ähnliche Probleme, eine gemeinsame Lösung: Horb und Empfingen – beide wollen sich wirtschaftlich weiterentwickeln. Die kleine Gemeinde strotzt vor Potenzial, die größere sucht verzweifelt nach solchem. Empfingen hat das, was Horb braucht: nutzbare Fläche für Gewerbe in der Nähe der Autobahn. Das Problem: Empfingen darf kein neues Gewerbegebiet ausweisen. „Zu klein“, sagt der Regionalverband, zuständig für den Flächennutzungsplan, der Grundlage für die Entwicklung von neuen Gewerbegebieten ist. Der Verband gilt jedoch als großer Anhänger von Projekten, die aus der Zusammenarbeit mehrerer Kommunen entstehen – genannt „Interkommunale Gewerbegebiete“ (IKG). Was in Nagold oder Sulz bereits Realität ist, wollen nun auch Horb und Empfingen in die Wege leiten.

Erfolgreiche Nachbarn

Während Empfingen die Neckarstadt als Erfüllungsgehilfen braucht, weil es allein nicht expandieren darf, bedeutet die Zusammenarbeit für Horb hauptsächlich eines: scheinbar der letzte Ausweg aus dem wirtschaftlichen Stillstand. Das Industriegebiet Heiligenfeld ist fast voll, die freien Flächen, die der Gemeinde gehören, will kein größeres Unternehmen nutzen, da die Strecke bis zur Autobahn ohne Brücke zu lang ist. Private Flächen liegen oft brach. Seit Jahrzehnten wird ein Gewerbegebiet in der Nähe der Autobahnausfahrt bei Mühringen von Geländeeigentümern blockiert.

Wie dringend Horb ein Gewerbegebiet nötig hat, zeigt ein Vergleich: Nagold plant mit 14 Millionen, Rottweil mit 16 Millionen – Horb sieht 8 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen für das Jahr 2017 vor – etwa die Hälfte von Nagold und Rottweil. Die drei Städte haben ungefähr die gleiche Einwohnerzahl und liegen an der Autobahn 81. Der Unterschied zu Horb besteht in großen Industriegebieten, von denen die beiden anderen Gemeinden profitieren.

Nagold hat seinen INGpark und den Industriepark Wolfsberg, auf dem allein 3000 Arbeitsplätze angesiedelt sind. Horb hat insgesamt laut Daten des Statistischen Landesamtes etwa 7500 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte – Nagold knapp 11 000. Rottweil übertrifft den Wert mit mehr als 12 000 sogar noch.

Damit Horb wenigstens in Zukunft seine Gewerbesteuereinnahmen nach oben schrauben kann, hofft die Stadtverwaltung auf das IKG mit Empfingen. Vorgestern fand ein weiteres Treffen einer Arbeitsgruppe statt, der die beiden Bürgermeister und weitere Akteure aus den Verwaltungen und dem Regionalverband angehören. Die Arbeitsgruppe trifft sich bereits seit Monaten regelmäßig und werkelt am gemeinsamen IKG.

Ziel: Start in zweieinhalb Jahren

In einigen Punkten waren sich die beiden Häuptlinge – Peter Rosenberger und Albert Schindler – bereits einig: Beide wollen das Gewerbegebiet, beide wollen die Fläche auf Empfinger Gemarkung östlich der Autobahn, beide sind sich aber auch sicher, dass es länger dauern wird als gedacht.

Ursprünglich war angepeilt, dass sich bereits im Jahr 2018 die ersten Firmen ansiedeln können. Von dem ambitionierten Plan sind beide Bürgermeister abgerückt. Zu zahlreich sind noch die Punkte, die geklärt werden müssen (siehe Artikel auf der Empfinger Seite). Dennoch gab es aus der Sitzung am Mittwoch handfeste Ergebnisse: Die benötigten Artenschutz-Gutachten sollen zeitnah in Auftrag gegeben werden.

Peter Rosenberger gibt sich zufrieden mit dem bisherigen Fortschritt: „Wenn alles optimal läuft, dann sind wir in zweieinhalb bis drei Jahren fertig, das ist unser Ziel.“

Für ihn gilt es jetzt, eventuelle Bedenken aus dem Empfinger Gemeinderat zu überwinden. Dort steht die Befürchtung im Raum, dass Horb zu viel Entscheidungsgewalt über Aktivitäten erhalten könnte, die auf Empfinger Gemarkung geschehen. Rosenberger schickt daher versöhnliche Töne in die Nachbar-Gemeinde: „Wir wollen hier nichts dominieren, wir wollen das miteinander machen.“

Größe, genaue Fläche, Verwaltungsstruktur – auf die Verhandlungspartner warten in den kommenden Monaten gewaltige Aufgaben. Zumindest was die Größe betrifft, hat Rosenberger schon jetzt einen klaren Standpunkt: „So groß wie möglich“ soll das IKG werden.

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Erstellt:
4. März 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
4. März 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. März 2017, 01:00 Uhr

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