Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Melder retten Menschenleben

Zwei von drei Brand-Opfern werden im Schlaf überrascht: Die Mössinger Feuerwehr befürwortet die Rauchmelder-Pflicht ab Januar

Rauchmelder können Leben retten: Deshalb sind sie ab Januar 2015 auch in Baden-Württemberg Pflicht. Die Mössinger Feuerwehr informiert derzeit über Vorteile der neuen Pflicht – und wo die kleinen Helfer einzubauen sind.

15.11.2014
  • Amancay Kappeller

Mössingen. Ab dem 1. Januar tritt auch im „Ländle“ die neue Rauchmelderpflicht in Kraft. Erlassen wurde das Gesetz bereits im Juli 2013. In Berlin, Brandenburg und Sachsen ist die Rauchmelderpflicht noch in Planung; in allen anderen Bundesländern gibt es sie bereits.. Neben den Privathaushalten sind auch öffentliche Träger zu vermehrtem Brandschutz aufgerufen: Die Mössinger Stadtwerke etwa statten derzeit Kindergärten und städtische Mietwohungen mit Rauchmeldern aus.

Patrick Flammer, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Mössingen, präsentierte unter der Woche Statistiken: Im Jahr 2006 waren nur in 31 Prozent der deutschen Haushalte Rauchmelder installiert – in den USA etwa waren es damals bereits 93 Prozent. Die Zahl der Brandtoten dort konnte durch die kleinen Helfer um 40 Prozent verringert werden. „Brandtote sind Rauchtote“, sagt Flammer: Mehr als zwei Drittel aller Brandopfer werden nachts im Schlaf überrascht, 95 Prozent aller Brandopfer fallen rein dem Rauch zum Opfer. Brandgase sind immer giftig: Sie enthalten, je nachdem, was brennt, etwa Salzsäure, Blausäuredämpfe, Kohlenstoffdioxid oder Kohlenstoffmonoxid. Brandgase sieht, hört und riecht man nicht – vor allem nachts, erklärt Flammer: Während des Schlafs wird der Geruchssinn ausgeschaltet. Nach nur drei verrauchten Atemzügen ist ein Mensch bewusstlos. Gerade in der Schwelphase entstehen kurz nach Brandausbruch große Mengen giftige Gase.

An der Spitze der Brandursachen liegen elektrische Geräte und Leitungen, gefolgt von Feuerstellen, Heizgeräten und Herdplatten. Eine Gefahr können auch Spraydosen, brennbare Flüssigkeiten und zündelnde Kinder sein. In einem Versuch steckte die Bundesanstalt für Materialforschung mit einem Teelicht eine Schaumstoffmatratze in Brand: Bereits nach zwei Minuten war das Kinderzimmer bis zur Hälfte mit Rauch gefüllt, nach drei Minuten stand es im Vollbrand. Es sei ein gefährlicher Mythos, dass man etwa zehn Minuten Zeit habe, um einen Raum zu verlassen, wenn dieser brennt, sagt Patrick Flammer. Als Brandbeschleuniger wirken heutzutage unter anderem die vielen Kunststoffe. In Wirklichkeit bleiben nur zwei bis vier Minuten zur Flucht.

„Sinn und Zweck von Rauchmeldern ist nicht der Sach-, sondern der Personenschutz“, sagt Bernd Strohmaier. Der Kommandant der Mössinger Brandschützer kennt sich auch bei den rechtlichen Grundlagen für Rauchmelder aus. Verantwortlich für den Einbau ist bei einem Neubau der Bauherr, bei bestehenden Bauten der Eigentümer oder Vermieter – es sei denn, es ist vertraglich anders geregelt. Der Einbau der Rauchmelder werde nicht überwacht, so Strohmaier: „Es gibt keine Kontrollen durch Behörden.“

Rauchmelder können, müssen aber nicht miteinander vernetzt werden. Bereits installierte Geräte dürfen weiterbenutzt werden, wenn sie noch funktionieren. Wer keine Rauchmelder anbringt oder diese nicht vorschriftsmäßig montiert, handelt allerdings rechtswidri. Ein Bußgeld indes droht nicht, sagt der Kommandant. Allerdings könnten Versicherer unter Umständen den Versicherungsschutz für den Einzelnen fallen lassen.

Für Fehlalarme durch Rauchmelder gibt es derzeit noch keine Kostenpflicht. Wenn beim Nachbar der Rauchmelder heult und man ruft die Feuerwehr, dann muss man als Hilfe-Holender den Einsatz nicht bezahlen. Womöglich aber der Nachbar – falls er fahrlässig gehandelt hat.

Auch Ingenieur Horst Roos von der Albrecht Jung GmbH – die Firma stellt unter anderem Rauchmelder her – spricht sich naturgemäß für den Einsatz von Rauchmeldern aus. Roos, unter der Woche zu Gast in Mössingen, beobachtet fatale Irrtümer vieler Bürger beim Branschutz: Die meisten Leute schließen eine Brandgefahr für sich aus, weil sie denken, dass sie früh genug aufwachen (40 Prozent) – oder weil sie sicher sind, die Wohnung früh genug verlassen zu können. Zwanzig Prozent setzen auf den Nachbarn als Lebensretter, 15 Prozent auf ihr Haustier. Roos warnt vor Firmen, die eine Fernwartung von Rauchmeldern anbieten: „Das funktioniert gar nicht.“

Zwei von drei Brand-Opfern werden im Schlaf überrascht: Die Mössinger Feuerwehr befürwortet die
Rauchmelder Bild: Kappeller

Beim Kauf von Rauchmeldern sollte man vor allem darauf achten, dass die Geräte ein Prüfzeichen der Prüfinstitute haben: Entweder „VdS“ oder „KRIWAN“. Haben die Rauchmelder den Zusatz „Q“, dann sind sie besonders hochwertig und für den Langzeiteinsatz geeignet. Von Billigprodukten aus dem Baumarkt oder Discounter raten Fachleute ab. Rauchmelder kann man auch selbst montieren, wenn man einige Empfehlungen beachtet. Vorgeschrieben sind die Melder in allen Schlafräumen – auch Gästezimmern – und in deren Fluchtwegen. Die Raumhöhe sollte bei der Installation eines handelsüblichen Rauchmelders sechs Meter nicht überschreiten. Die Geräte sollten in der Zimmermitte angebracht werden, jedoch mit mindestens einem halben Meter Abstand zu Lampen, Gegenständen oder Wänden. Ein Rauchmelder kann 60 Quadratmeter abdecken. Bei unklaren Raumverhältnissen sollte stets ein Fachmann zurate gezogen werden. Ein Mal im Jahr sollten Rauchmelder gewartet, nach zehneinhalb Jahren müssen sie ausgetauscht werden. Viele Informationen rund um Rauchmelder findet man auch im Internet unter www.rauchmelder-lebensretter.de.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.11.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball