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Zweifel an Belgiens Atomaufsicht
Das Atomkraftwerk Tihange. Belgiens Regierung hält es für sicher, die Nachbarn nicht. Foto: dpa
Auch Luxemburg fordert die Stilllegung zweier Kraftwerke

Zweifel an Belgiens Atomaufsicht

Belgien gerät wegen Zweifeln an der Sicherheit zweier Atommeiler unter Druck. Die Aufsichtsbehörde ist nicht so unabhängig wie behauptet.

26.04.2016
  • KNUT PRIES

Brüssel. Das Misstrauen der Nachbarländer nimmt massive Formen an. Nach den deutschen Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie der Bundesregierung in Berlin macht jetzt auch Luxemburg Front gegen die Brüsseler Atompolitik. Die Regierung des Großherzogtums hat sich der deutschen Forderung angeschlossen, die im Winter wieder in Betrieb genommenen störanfälligen Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 angesichts nach wie vor nicht hinreichend ausgeräumter Sicherheitsbedenken bis auf weiteres vom Netz zu nehmen.

Angesichts solcher Vorbehalte, schon im Februar persönlich vorgetragen durch die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), hat sich die Regierung in Brüssel bisher stets auf das Urteil der belgischen Bundesagentur für Nuklear-Kontrolle (AFCN) berufen. Innenminister Jan Jambon: "Wir folgen der Einschätzung unserer Aufsichtsbehörde, und die hat bescheinigt, dass es sicher ist." Nun stellt sich heraus, dass die Behörde womöglich selbst eine Quelle zusätzlicher Unsicherheit ist.

Die Tageszeitung Le Soir veröffentlichte gestern vorab den Befund einer Untersuchung durch Unternehmensprüfer der Firma Whyte Corporate Affairs, die im Auftrag des Verwaltungsrates die AFCN durchleuchtet hat. Die Inspektoren kommen zu niederschmetternden Urteilen über "ein vergiftetes Betriebsklima", "einen Mangel an Führungskraft" und "Machtkämpfe" innerhalb der Behörde. Nach Aussagen von Mitarbeitern arbeiten die einzelnen Abteilungen des Aufsichtsamtes mehr gegen- als miteinander. Behördenchef Jan Bens wird von seiner Belegschaft durchweg als menschlich und sympathisch, aber durchsetzungsschwach beschrieben. "Es herrscht der Eindruck, dass die Unabhängigkeit des Amtes gegenüber der Politik und der Wirtschaft immer weiter abnimmt", schreiben die Verfasser des Prüfberichts, der am kommenden Freitag offiziell dem Verwaltungsrat übergeben werden soll.

Der offenkundige Mangel an Unabhängigkeit sei die gravierendste Feststellung in dem 70-seitigen Gutachten, erklärt Jean-Marc Nollet, Parlamentsabgeordneter der belgischen Grünen-Partei Ecolo. "Der Bericht bestätigt schwarz auf weiß, was Umweltschützer seit Jahren sagen: Bei jedem sensiblen Vorgang lässt sich die AFCN durch Druck der Regierung und (des Energieversorgers) Electrabel beeinflussen. Das ist inakzeptabel." Wie es von Deutschland und Luxemburg verlangt werde, müsse die Untersuchung und Bewertung der Haar-Risse in der Ummantelung der Reaktorblöcke Doel 3 und Tihange 2 komplett neu aufgerollt werden, erklärt Nollet.

Das Kernkraftwerk Doel liegt bei Antwerpen, der Atompark Tihange in der Nähe von Lüttich. Die insgesamt sieben belgischen Reaktoren liefern mehr als die Hälfte des Stroms, der in dem Königreich verbraucht wird.

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26.04.2016, 06:00 Uhr

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