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Kernenergie

Zweifel an Sicherheit des Atomkraftwerks

Viele Rohrleitungen in Neckarwestheim sollen Risse aufweisen. Aufsicht schließt Gefahr aus.

23.10.2018

Von HANS GEORG FRANK

Der Reaktor in Neckarwestheim bei Heilbronn. Foto: Uwe Anspach/DPA

Neckarwestheim. Die Schäden am Atomkraftwerk Neckarwestheim 2 sind angeblich „gefährlicher als bisher bekannt“. Die atomkritische Initiative „Ausgestrahlt“ geht von Rissen in „mehr als 100“ stark beanspruchten Heizrohren für die vier Dampferzeuger aus. Statt der üblichen Stärke von 1,2 Millimeter seien stellenweise nur noch 0,1 Millimeter übrig, will der Verein mit Sitz in Hamburg erfahren haben. Schuld an dieser Entwicklung im radioaktiven Primärkreislauf sei angeblich „schnell voranschreitende Spannungsrisskorrosion“. Dass es noch keinen Rohrbruch oder gar einen Störfall gegeben habe, sei „bloßes Glück“. Eine „nicht beherrschbare Kettenreaktion“ könne nicht ausgeschlossen werden.

Das Umweltministerium als Aufsichtsbehörde hatte am 18. September „bei einer größeren Anzahl von Heizrohren rissartige Wanddickenschwächungen“ gemeldet. Betroffene Rohre müssten vor dem Wiederanfahren der Anlage „dauerhaft verschlossen“ werden. Es handle sich um 101 Befunde, teilte ein Sprecher auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE gestern mit. Das Ausmaß der Schäden sei nicht unterschätzt worden. Eventuelle Leckagen würden über die Überwachung „sehr schnell und zuverlässig erkannt“.

Die Kontrolleure im Haus von Minister Franz Untersteller (Grüne) verlangten ein Sanierungskonzept für die Dampferzeuger, die zu den sicherheitsrelevanten Teilen gehören. Der Sachstandsbericht der ENBW wird derzeit von Experten überprüft.

„Schwächung“ eingeräumt

Das Energie Baden-Württemberg (ENBW) hatte bereits am 14. September „eine Schwächung der Rohrwände“ eingeräumt. Betroffen davon seien „einzelne“ Heizrohre, aber die Stärke der Leitungen sei „ausreichend“. Bei rund 16 400 Rohren für die vier Dampferzeuger bewege sich die Fehlerquote „jeweils teils im einstelligen, teils im zweistelligen Bereich“, hieß es gestern.

Die am 31. August begonnene Revision, für die das Atomkraftwerk abgeschaltet werden musste, verlängert sich wegen der Wartungsarbeiten um mehrere Wochen. Die ENBW geht weiter von einem Abschluss „bis Mitte November“ aus.

Der Block 2 in Neckarwestheim gehört nach aktuellem Stand zu den letzten drei Atomkraftwerken, die in Deutschland stillgelegt werden. Der Reaktor, der seit 1989 in Betrieb ist, muss spätestens am 31. Dezember 2022 abgeschaltet werden. Hans Georg Frank

Der Reaktor in Neckarwestheim bei Heilbronn. Foto: Uwe Anspach/DPA

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Erstellt:
23. Oktober 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Oktober 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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