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Medizin

Zweifelhaftes Heilsversprechen

Homöopathie ist höchst umstritten, doch Krankenkassen bezuschussen das Verfahren. Gegner fordern vom Gesetzgeber ein Verbot dieser Zahlungen.

19.04.2017
  • MATHIAS PUDDIG

Berlin. Wenigstens auf einen Punkt können sich die meisten einigen: Warum Wirkstoffe, die so hoch verdünnt sind, dass sie sich nicht mehr nachweisen lassen, helfen sollen, weiß kein Mensch. Es läuft ja auch der Intuition zuwider. Und doch wird weiter über die Homöopathie gestritten, seit bald 200 Jahren und mit harten Bandagen. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Jüngster Stein des Anstoßes war eine Äußerung von Josef Hecken. Der Gesundheitspolitiker ist Chef des Gemeinsamen Bundesausschusses von Kassen, Ärzten und Krankenhäusern. Das Gremium entscheidet, was die Krankenkassen bezahlen müssen. Homöopathie gehört nicht dazu. Doch viele Kassen übernehmen einen Teil der Kosten freiwillig, denn der Gesetzgeber hat diese Kostenübernahme nicht ausgeschlossen.

Ob homöopathische Mittel etwas nutzen oder nicht, spielt eine geringe Rolle. So heißt es etwa von der Pressestelle der Techniker Krankenkasse: „Kundenbefragungen haben uns gezeigt, dass manche Versicherte sich so genannte komplementärmedizinische Angebote – in Ergänzung zur Schulmedizin – wünschen. Wir nehmen diese Wünsche ernst.“

Es geht also um Wettbewerb – und das ist Jürgen Windeler zufolge ein Problem. Windeler leitet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Patientenversorgung in Deutschland untersucht, und er sagt: „Die Kassen tun dem Gedanken des Wettbewerbs keinen Gefallen, wenn sie den Wettbewerb mit solchen unsinnigen Verfahren betreiben. Außerdem machen sie sich unglaubwürdig, weil sie an anderen Stellen sehr intensiv auf Evidenz pochen und auch darauf angewiesen sind.“

Auch Hecken findet den Kassenzuschuss „angesichts des nicht belegten Nutzens und unklarer Gefahren beim Einsatz homöopathischer Methoden“ unverständlich. Ginge es nach ihm, würde die Bundesregierung den Kassen verbieten, Homöopathie zu bezahlen. Es geht um viel Geld: Jedes Jahr verkaufen Apotheken in Deutschland homöopathische Mittel im Wert von 500 Millionen Euro.

Natalie Grams hält das für einen Fehler. „In den Studien konnte keine Wirkung sicher über Placebo-Niveau nachgewiesen werden“, sagt die Ärztin aus Heidelberg. „Im schlimmsten Fall ist Homöopathie unterlassene Hilfeleistung.“ Grams ist ein spezieller Fall. Lange war sie selbst Homöopathin.

Dass Patienten von Behandlungserfolgen berichten, stellt sie gar nicht in Abrede. „Homöopathie sorgt dafür, dass Patienten sich besser fühlen, während die Zeit vergeht“, erklärt Grams.

Das steht auch im Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung nicht anders. „Wichtig für die positive Einschätzung der Homöopathie sind den Patienten vor allem Faktoren wie die Zugewandtheit des Arztes und das ausführliche Gespräch, also die nicht arzneilichen Komponenten“, heißt es dort.

Cornelia Bajic praktiziert seit 20 Jahren selbst homöopathisch. „Mit gutem Erfolg“, wie sie betont. „Sonst würde ich das ja nicht tun.“ Als Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte e.V. (DZVhÄ), mit dem die Techniker Krankenkasse einen Vertrag abgeschlossen hat, ist sie so etwas wie Deutschlands Homöopathin Nummer eins. Bajic glaubt nicht, dass sich die Wirkung der Globuli durch die ausführliche Anamnese erklären lässt. „Wenn das so einfach wäre, könnten Ärzte sämtliche Krankheiten mit Psychotherapie erfolgreich behandeln“, sagt sie. „Besserungen durch Psychotherapie stellen sich nach Wochen und Monaten ein. Homöopathie hat dagegen einen direkten Effekt. Allein durchs Reden werden die Patienten nicht gesund.“ Bajic ist überzeugt: „Prinzipiell spricht jedes Krankheitsbild auf Homöopathie an, solange der Körper des Patienten zur Selbstregulation fähig ist.“

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19.04.2017, 06:00 Uhr

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