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Upcycling

Zweite Chance für Uniformen

Die grüne Dienstkleidung der Zöllner hat seit September ausgedient. Azubis des Hauptzollamtes haben Jacken, Hosen und Co. vor der Mülltonne gerettet.

03.04.2019

Von MELISSA SEITZ

Vanessa Weckfort, Hatice Ulucay und Hayat Abdallah (von links) haben mit anderen Azubis das Projekt gestartet. Foto: Ferdinando Iannone

Man schmeißt viel zu viel weg. Die Tomate, die leicht runzelig ist, die Milch, die mit ganz viel Einbildung ein wenig merkwürdig riecht oder die Socken, die Löcher haben, aber mit ein paar Stichen wieder perfekt aussehen würden. Fast wäre auch die komplette Dienstkleidung von bundesweit 13 500 Zöllner in der Mülltonne gelandet. Denn seit September heißt es auch für Zollbeamte: Tschüss Grün, hallo Blau. Sie werden nach und nach mit den typischen blauen Uniformen ausgestattet.

„Die Dienstkleidung ist viel zu schade, um sie wegzuwerfen. Die Qualität ist echt gut“, sagt die 20-jährige Vanessa Weckfort, die zusammen mit der 20-jährigen Hatice Ulucay und der 19-jährigen Hayat Abdallah eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beim Hauptzollamt Stuttgart macht. Die drei Frauen setzten sich mit ihren Azubi-Kollegen zusammen. Ihre Idee: Aus alt mach neu. Wegwerfen kam für die Azubis nicht in Frage. Warum nicht einfach aus den Hosen, Jacken und Schutzwesten auffällige Taschen herstellen? Mit ihrer Upcycling-Idee wendeten sie sich an Thomas Seemann, Pressesprecher beim Stuttgarter Zoll. „Der Zoll und die Modebranche? Das ist eine eher untypische Kombination“, sagt er. „Aber die Idee war super, auch die Chefin war begeistert.“

Die Upcycle-Produkte werden in einer Berliner Werkstatt für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen hergestellt. „Die machen da wirklich tolle Sachen“, sagt Seemann. „Das hat nichts mit Sockenstricken zu tun.“ Für den Stuttgarter Zoll geht es vor allem darum, etwas für die Umwelt zu tun und eine soziale Einrichtung zu unterstützen.

Bundesweit haben Zöllner für das Projekt ihre Dienstkleidung gesammelt. Als Sammeltransport gingen die ausgedienten Stücke in die Textil-Werkstatt. Dort entsteht zum Beispiel ein kleiner Kulturbeutel aus einer grünen Schutzweste, der neongelbe Reißverschluss ist den Warnwesten nachempfunden. „Die tragen wir zum Beispiel, wenn wir aufs Rollfeld gehen“, erklärt Seemann. Ein Schriftzug verrät, woher das Material stammt: „Zoll“. Der Clou an der Sache – die Schrift reflektiert. So findet man auch bei wenig Licht das Mäppchen in der Handtasche wieder. Unter den vier Produkten, die bis jetzt auf der Homepage des Projekts zu sehen sind, ist auch eine Sporttasche, die aus einer Regenhose hergestellt wurde. Der Stoff aus Polyester verfügt über eine Membran, die wasser- und windundurchlässig ist. Praktisch sind die Taschen also auch noch.

An das Design muss sich der Stuttgarter Zollsprecher noch gewöhnen. Da die Taschen in der Bundeshauptstadt entworfen wurden, seien sie für den Berliner Hipster genau das Richtige, für die Stuttgarter vielleicht zu ungewöhnlich, sagt er. Klar, die Taschen sind etwas besonderes: Die grüne Farbe und der Aufdruck „Zoll“ gefällt nicht jedem, darüber sind sich auch die drei Azubis bewusst. „Wir denken, dass eher Zöllner die Produkte als Erinnerungsstück kaufen werden“, sagt Hatice Ulucay. Vor einer Woche haben die drei Azubis das erste Mal die fertigen Taschen in den Händen gehalten. Ihr Fazit: „Super. Wir werden uns sicherlich ein Mäppchen kaufen.“

Info Weitere Infos zum Projekt gibt es auf der Homepage www.zoll-werkstatt.de. Die Taschen und Mäppchen sind schon online und können voraussichtlich ab September bestellt werden.

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Erstellt:
3. April 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
3. April 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. April 2019, 06:00 Uhr

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