Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Chats und Anrufe

Zweiter Prozesstag um Diebstahl an Prostituierter

Im Prozess um den Vorwurf räuberischen Diebstahls an einer Frau aus Stuttgart gab es Dienstag keine Offenbarung – nur weitere Fragwürdigkeiten.

04.10.2012

Mössingen/Tübingen. Der Prozess um den Vorwurf räuberischen Diebstahls gegen einen Freier aus der Region geht vorerst ergebnislos weiter. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Tübinger Amtsgericht wurde wiederum erst während der Verhandlung klar, dass ein Zeuge, der bereits bei Prozessbeginn im September als nur vermeintlich unauffindbar galt, nun doch in Baden-Württemberg erreichbar sein könnte. Schon am ersten Verhandlungstag hatte der 61-jährige Angeklagte, der im Sommer 2011 noch in Mössingen gewohnt hatte, weitere Zeugen der Tatnacht angefordert.

Eine Rangelei um 500 Euro

Im Juli vergangenen Jahres soll der Mann versucht haben, in seiner Wohnung eine Stuttgarterin um ihren Lohn zu bringen. Der Angeklagte, so der Vorwurf, habe sich nach zwei Stunden die vereinbarten 500 Euro aus der Tasche der Frau zurückgegriffen und mit Gewalt verteidigt. Während des ersten Verhandlungstags war es zu teils possenhaften Auswüchsen der Verhandlung gekommen: Nur zu bereitwillig hatte der Angeklagte Details aus seinem Intim- und Finanzleben preisgegeben.

Am Dienstagmorgen war die Atmosphäre weitaus nüchterner. Das Gericht hatte eine vermeintliche Freundin des Angeklagten als Zeugin geladen. Auch und vor allem, um die soziale Prognose des 22 Mal Vorbestraften abzuschätzen. Derzeit verbüßt der Mann eine Haft im Rottenburger Gefängnis wegen Körperverletzung und übler Nachrede: Vor rund zwei Jahren hatte er von einer Bekannten behauptet, sie betreibe ein Bordell in der Mössinger Bahnhofstraße. Später hatte er sie auf der Straße vom Fahrrad geschubst. „Was war da immer mit Frauen und Sex?“ hatte Amtsrichter Hirn damals zu den Vorstrafen gefragt. „Das weiß ich gar nicht mehr alles“, hatte der Angeklagte geantwortet.

Auch die jetzt geladene Zeugin, eine 63-jährige Frau aus Nagold, konnte das Bild des Mannes nicht zurecht rücken. Beim ersten Tag der Verhandlung hatte der noch behauptet, sie sei „meine Freundin“, er helfe ihr demnächst beim Umzug. Nun hingegen musste die Frau aussagen, dass die beiden sich insgesamt zehn Stunden getroffen hatten. Sich im Internet-Chat kennengelernt hatten. Er ihr ein rundum eindeutiges Kennenlern-Foto geschickt und sie selbst nach ablehnender Reaktion telefonisch belästigt hatte. „Zehn bis fünfzehn Mal am Tag hat er angerufen“, klagte die Frau. Amtsrichter Hirn: „Wollen Sie mit ihm zusammenziehen?“ – „Nein Danke, ich will von dem Menschen nichts mehr hören.“ – „Sie nehmen den nicht zu sich?“ – „Um Gottes Willen!“

Ein als Zeuge geladener Polizist konnte zum Tatablauf noch beitragen, dass sich die Verletzungen infolge der Rangelei beim Angeklagten in sehr engen Grenzen hielten. Beim womöglich letzten Termin Mitte Oktober soll der letzte Zeuge gehört werden. Offen ist bislang, ob sich etwa Bekannte der Prostituierten die bis heute verschwundenen 500 Euro sichern konnten. eik

Richter: Eberhard Hirn; Schöffen: Susanne Kübler, Wolfgang Pasche; Verteidiger: Hans-Christoph Geprägs; Staatsanwältin: Edith Zug.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball