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Zweiter Schritt nach vorne
Warb vor allem für die Ausgliederung des Profifußballs in eine AG: VfB-Präsident Bernd Wahler. Foto: Jan-Philipp Strobel
VfB Stuttgart diskutiert mit Mitgliedern Ergebnisse der Zukunftswerkstatt

Zweiter Schritt nach vorne

In der zweiten Runde der Regionalversammlungen des Projekts "Vereins-Entwicklung VfB" präsentierten Präsident Bernd Wahler und sein Team die von Mitgliedern erstellten 89 Handlungsempfehlungen.

08.04.2016
  • JAN-PHILIPP STROBEL

Aalen. Mehr Vertrauen von den eigenen Mitgliedern, bessere Wettbewerbsfähigkeit und langfristiger Erfolg. Das sind die Vorsätze, die sich die VfB-Verantwortlichen für ihr Projekt "Vereins-Entwicklung VfB" gesteckt haben. Elf Regionalversammlungen durchliefen Präsident Bernd Wahler und seine Truppe in der ersten Runde, wobei die Oberen des Clubs mit seinen Mitgliedern in den Dialog traten.

Bei der Auftaktveranstaltung zu Runde zwei wurden alle in der Zukunftswerkstatt aufgearbeiteten Ergebnisse aus Durchgang eins als Handlungsempfehlungen nochmals zur Diskussion freigegeben. Das bundesweit einmalige Projekt soll die Stimmung bei den Schwaben wieder verbessern, nachdem zuletzt in einer Umfrage frappierende Ergebnisse erzielt wurden. 89 Handlungsempfehlungen und die neue, greifbare Nähe des Vorstands sollen nun das Vertrauen der rund 45 000 Mitglieder in die Vereinsführung zurückgewinnen. Projektleiter Rainer Mutschler ist vom Erfolg des Konzepts überzeugt: "Die Leute sind positiv überrascht über unsere Offenheit, das ist ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung."

Einer der ersten Punkte auf der Tagesordnung lautete dabei Transparenz: So soll in Zukunft die Kommunikation deutlich offener gestaltet werden. "Wir können uns durchaus vorstellen, häufiger Online-Befragungen unter den Mitgliedern durchzuführen, oder ihnen zusätzliche Informationen exklusiv zur Verfügung zu stellen, die andere nicht bekommen. Zudem wollen wir die Hauptversammlung attraktiver gestalten, beispielsweise gehört unser Profiteam einfach mit in diese Veranstaltung", erläuterte Wahler.

Der nächste wichtige Punkt seien die Rechte der Mitglieder des Klubs mit dem roten Brustring. So sollen diese nun Vorschlagsrechte für die Gremienbesetzung bekommen, zudem soll ein Vereinsbeirat gegründet werden. "Wir wollen den Verein demokratisieren, die Mitgliederrechte stärken", versprach Wahler.

Eines der am heißesten diskutierten Themen war wie schon in der ersten Runde die Ausgliederung der Profiabteilung. Bernd Wahler und Finanzvorstand Stefan Heim warben wieder für die Lösung einer Ausgliederung in eine Aktiengesellschaft. Dieser seien dann die fünf Tochtergesellschaften des VfB unterstellt, als große Mutter bleibe der VfB e.V. an der Spitze. Ein Viertel der Stimmrechte sollen demnach für rund 50 Millionen Euro verkauft werden, 75 Prozent beim Verein verbleiben. Von der erzielten Summe sollen dann 40 Prozent direkt in den Sport fließen. Die Vorstände warben nochmals explizit für eine Zustimmung zur AG bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 17. Juli.

So scheint die Kapitalerhöhung durch die Ausgliederung momentan allerdings auch die einzig realistische Geld-Beschaffungsmöglichkeit für größere Summen, die der VfB dringend benötigt. Günstige Bankkredite kämen demnach nicht in Frage. "Erstens hat sowas immer eine Grenze und zweitens will eine Bank auch ihre Sicherheiten. Und da haben wir schon relativ alles ausgereizt", so Heim.

Der VfB ist also ohne Ausgliederung an der Grenze seines Kapitals. "Wir haben uns lange überlegt, wann wir den Schritt gehen wollen, aber das Risiko noch zu warten ist einfach zu groß, der Zeitpunkt ist mehr als gekommen. Und wir erhoffen uns natürlich mit mehr Kapital auch wieder größeren sportlichen Erfolg", ergänzte Wahler den Marschplan.

Darüber hinaus zeigte sich in einer kurzen Abstimmung gut ein Viertel der rund 70 Teilnehmer an der Regionalversammlung in Aalen bereit, dem VfB eine Fan-Anleihe zu gewähren. Doch die Vorstände winkten ab: "Wir schließen die Anleihen grundsätzlich nicht aus, aber die bringen uns zu wenig Geld, das sind ganz andere Dimensionen als bei der Ausgliederung. Und warum verzinst leihen, wenn man Eigenkapital kostenlos haben kann", begründete Heim.

Wie prekär die finanzielle Lage des VfB wirklich ist, ließ Stefan Heim nicht durchblicken, doch auch fünf erhoffte Millionen aus der Initiative zur gerechteren Verteilung der TV-Gelder seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mit diesem Vorstoß erhofft sich nämlich der Präsident, dass bei der Fernsehgelder-Verteilung der Marken-Mehrwert von Traditionsklubs wie dem VfB Stuttgart besser gegenüber dem minderen Potenzial von Investorenklubs berücksichtigt würde.

Ein Mitglied fragte, wie viel Mitbestimmungsrecht die Mitglieder denn noch in einer Aktiengesellschaft hätten. Heim: "Im Aufsichtsrat wäre der e.V. mit zwei Leuten vertreten und könnte prinzipiell überstimmt werden. Aber da ihr die Aufsichtsratsmitglieder wählt, habt ihr ja trotzdem die Kontrolle."

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08.04.2016, 06:00 Uhr

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