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Der alte Anker muss weichen

Zwischen Alb- und Holzstraße entsteht ein kleines Quartier mit 35 Wohnungen

Wo einst die Hells Angels ihre Partys feierten, entsteht ein kleines Quartier mit 35 Wohneinheiten. Der Gemeinderat hat mit dem Bebauungsplan „Neue Wendlerei“ die Weichen für die Bebauung zwischen der Alb- und der Holzstraße gestellt.

30.09.2014
  • Uschi Kurz

Reutlingen. In den vergangenen Jahren war die Albstraße 37 immer wieder im Zusammenhang mit den Hells Angels im Gespräch, die in der ehemaligen Gaststätte „Zum Anker“ ihr Clubheim hatten. Nachdem die Rocker nach einer Räumungsklage im Juli ausgezogen sind, wurde der Weg frei für eine großflächige Überbauung des Areals, das einer Erbengemeinschaft aus Honau gehört: Abgerissen werden soll neben der Albstraße 37 auch das ebenfalls leerstehende Nachbargebäude Albstraße 35. In die Neubebauung miteinbezogen werden soll auch die momentan noch hinter diesen Gebäuden liegende Brachfläche Richtung Holzstraße.

Zwischen Alb- und Holzstraße entsteht ein kleines Quartier mit 35 Wohnungen
Die Gebäude in der Albstraße 35 (links im Bild) und 37 (ehemalige Gaststätte „Zum Anker“ und langjähriges Domizil der Hells Angels) werden abgerissen. Bild: Faden

Die überplante Fläche grenzt unmittelbar an die um 1950 entstandene Arbeitersiedlung „Wendlerei“ in der Seestraße 18 bis 23 an und erhielt deshalb den Arbeitstitel „Neue Wendlerei“. Am Donnerstag hat der Reutlinger Gemeinderat einstimmig beschlossen, den Bebauungsplan „Albstraße – Neue Wendlerei“ für das 0,7 Hektar große Areal aufzustellen und damit das Plangebiet der Albstraße zwischen der Seestraße und der Betzenriedstraße weiterzuentwickeln.

Neubebauung aus einem Guss

Stefan Dvorak, der Leiter des Amts für Stadtentwicklung, hatte das Projekt dem Gremium als große Chance für das Gebiet vor. Die früheren Wohn- und Gewerbegebäude, die überplant würden, stünden leer und seien zum Teil in einem desolaten baulichen Zustand, sagte der Stadtentwickler. Die Albstraße werde durch die Neubebauung aus einem Guss aufgewertet, so Dvorak.

Realisiert werden soll das Projekt von der Firma Exklusiv Wohnbau GmbH Reutlingen, die momentan ihren Sitz noch in Gomaringen hat. Diese Firma hatte im vergangenen Jahr bereits in der Altenburgstraße an Stelle der ehemaligen Südgewürz GmbH drei große Neubauten mit knapp 40 Eigentumswohnungen erstellt und ist momentan dabei, Unter den Linden ein Geschäftshaus zu errichten, in das sie selbst ziehen wird.

Die Exklusiv Wohnbau war mit Vorschlägen zur Neubebauung des Quartiers „Neue Wendlerei“ auf die Verwaltung zugekommen. An der Albstraße ist als Auftakt in das Gebiet eine Torsituation vorgesehen. Das Mehrfamilienhaus das dort entsteht, soll – wie die benachbarten Gebäude –ein Satteldach erhalten und könnte im Erdgeschoss Läden oder Gastronomie beherbergen. Für die Gebäude dahinter sind Flachdächer geplant.

Zwischen Alb- und Holzstraße entsteht ein kleines Quartier mit 35 Wohnungen
Das geplante neue Quartier an der Albstraße ist grün unterlegt. Anstelle der jetzigen Gebäude 35 und 37 ist ein Mehrfamilienhaus mit Satteldach geplant, dessen Erdgeschoss auch künftig gewerblich genutzt werden könnte.Grafik: ST

Insgesamt will der Investor 35 Wohneinheiten in mehreren zwei- bis dreigeschossigen Häusern errichten. Ein kleiner begrünter Platz in der Mitte mit Spielmöglichkeiten soll dem Quartier ein Gesicht geben. Im Zuge der Neuordnung soll auch die bisher rein private Erschließung des Innenbereichs ausgebaut werden, zudem soll das Quartier eine neue, fußläufige Verbindung zur Sankt-Leonhard-Straße erhalten.

Wie im Seidenviertel sollen für die neuen Wohnungen genügend Stellflächen in Tiefgaragen geschaffen werden, die vom Gebietsrand angefahren werden. Dadurch, so Dvorak, könnten die Straßen und der Platzbereich im Innern des Quartiers weitgehend verkehrsfrei gehalten und als Spielstraße genutzt werden. Im Gemeinderat fand das Projekt Zuspruch von allen Fraktionen.

Das ehemalige Gasthaus „Zum Anker“ in der Albstraße 37 ist ein Haus mit Geschichte, wie ein Blick in die Reutlinger Geschichtsblätter von 1978 zeigt. Errichtet wurde das Gebäude demnach im Jahr 1805 von dem Reutlinger Weber Jakob Schneider. 1860 erwarb der Bäcker Gottlob Heß die eine Haushälfte, übte dort sein Bäckerhandwerk aus und schenkte Wein aus. Die Berechtigung, dort eine Speisewirtschaft zu betreiben, erhielt er 1868. Ab wann die Wirtschaft „Zum Anker“ genannt wurde, ist nicht bekannt. 1999 wurde der Pachtvertrag zwischen der Erbengemeinschaft mit einer Gaststättenvermietungs-Gesellschaft geschlossen. Dass sich hintern den neuen Mieter das Reutlinger Charter der Hells Angels verbarg, das Ingo Dura kurz zuvor gegründet hatte, war den Vermietern damals nicht bekannt. Fast 15 Jahre logierte der Rockerclub im „Anker“, bis ihn eine Eigenbedarfsklage im Juli zum Auszug zwang.

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30.09.2014, 12:00 Uhr

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