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Opfer und Optimistinnen

Zwischen knallhart und fröhlich: Das 14. Filmfest Frauenwelten im Kino Museum

Informieren, Empathie fördern und im Idealfall zur Solidarität animieren. Das ist laut Leiterin Irene Jung das Anliegen des Tübinger Filmfests Frauenwelten. Von morgen an werden im Kino Museum acht Tage lang knapp 50 Filme aus 35 Ländern gezeigt. In fast allen geht es um die Lebenssituation von Frauen im globalen Dorf zwischen Argentinien und Kirgisistan.

17.11.2014
  • Klaus-Peter Eichele

Der Höhepunkt der 14. Auflage des von der Frauenrechtsgruppe Terre des Femmes veranstalteten Festivals ist für Jung der Besuch der äthiopischen Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Meaza Ashenafi. Auf ihren Erlebnissen beruht die Handlung des von Angelina Jolie koproduzierten Spielfilms „Difret“ (Das Mädchen Hirut), der bei der diesjährigen Berlinale den Publikumspreis gewonnen hat. Es geht darin um eine Schülerin aus einem äthiopischen Dorf, der, nachdem sie in Notwehr ihren Vergewaltiger erschossen hat, gemäß der Tradition die Todesstrafe droht. Ashenafi, damals eine junge Anwältin in Addis Abeba, unternahm alles, um das Leben des Mädchens zu retten.

Ein weiterer hochkarätiger Gast ist der iranische Regisseur und Regimekritiker Mohsen Makhmalbaf („Reise nach Kandahar“), der den Frauenwelten schon zweimal die Ehre erwiesen hat. Diesmal stellt er seinen Film „The Gardener“ vor, in dem er mit seinem Sohn in einen Disput über die Rolle der Religion in der Gesellschaft tritt – auch im Hinblick auf die Stellung der Frau. Besonders bemerkenswert: Der Film wurde in Israel gedreht, dem aus iranischer Regimesicht „Krebsgeschwür“ des Nahen Ostens.

Mit Tübingen bereits vertraut ist auch die junge bosnische Schauspielerin Luna Mijovic. Vor sieben Jahren war sie (damals 15-jährig) mit „Esmas Geheimnis“, einem Drama über Vergewaltigungsopfer im Bosnienkrieg, beim Festival. In ihrem neuen Film „Traumland“ spielt sie eine bulgarische Zwangsprostituierte auf dem Straßenstrich in Zürich. Der Film ergänzt den letztjährigen Frauenwelten-Schwerpunkt „Prostitution“. Inzwischen hat sich Terre des Femmes für ein generelles Sexkauf-Verbot in Deutschland ausgesprochen, weil durch das 2001 von Rot-Grün verabschiedete Prostitutionsgesetz die sexuelle Ausbeutung von Frauen „massiv zugenommen“ habe, so Irene Jung. Der Film „Traumland“ unterstütze die Forderung zwar nicht direkt, aber „er legt die Tatsachen auf den Tisch“. Neben Hauptdarstellerin Mijovic kommt auch Regisseurin Petra Volpe zur Vorstellung am Freitag um 20.30 Uhr.

In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt des Filmfests auf dem Thema „Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen“. Ein Beitrag dazu ist der österreichische Dokumentarfilm „Mama Illegal“, für den Regisseur Ed Moschitz mehrere Jahre lang illegale Arbeitsmigrantinnen aus Moldawien begleitet hat; ein anderer das vielfach preisgekrönte türkische Sozialdrama „Zerre“ über eine Frau, die um ihrer behinderten Tochter willen jeden noch so miesen Job annimmt. Eine Diskussion zum Schwerpunkt gibt es am Sonntag, 23. November, um 18 Uhr mit der Regisseurin Monika Schäfer, Margit Paal von Verdi und der Linkspartei-Abgeordneten Heike Hänsel.

Wem das alles zu viel knallharte Realität ist, kann auf die eher zuversichtlichen, zuweilen sogar fröhlichen Festival-Filme ausweichen. Nomen ist omen in der Feelgood-Dokumentation „The Optimists“ über ein norwegisches Frauen-Volleyballteam, dessen Spielerinnen zwischen 66 und 98 Jahre alt sind. Hoffnung in elenden Zeiten vermittelt auch der Eröffnungsfilm „Schweizer Helden“ (Mittwoch, 19.11., 20 Uhr). Er handelt von einer einsamen Hausfrau, die mit Flüchtlingen zum beidseitigen Nutzen Schillers „Wilhelm Tell“ einstudiert. Auf der Piazza in Locarno, Europas größtem Freiluft-Kino, soll es dafür stehende Ovationen gegeben haben.

Zwischen knallhart und fröhlich: Das 14. Filmfest Frauenwelten im Kino Museum
Szene aus dem von Angelina Jolie koproduzierten Spielfilm „Difret“ (Das Mädchen Hirut), der bei der diesjährigen Berlinale den Publikumspreis gewann.Bild: Agentur

Das Filmfest Frauenwelten wurde 2001 von Irene Jung gegründet, die es auch heute noch leitet. Ausrichter ist die früher in Tübingen, seit einigen Jahren in Berlin ansässige Frauenrechtsgruppe Terre des Femmes. Gezeigt werden Spiel- und Dokumentarfilme, die sich mit den Lebenslagen von Frauen in aller Welt auseinandersetzen. Wiederkehrende Themen sind Ehrverbrechen, Frauenhandel, Genitalverstümmelung, häusliche Gewalt und soziale Rechte von Arbeiterinnen. Mit einem Etat von 90 000 Euro ist es mittlerweile Tübingens zweitgrößtes Filmfestival. Mehr als die Hälfte kommt aktuell vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Spielorte sind neben Tübingen auch Rottenburg (Waldhorn), Reutlingen (franz.k) und Herrenberg.

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17.11.2014, 12:00 Uhr

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