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Entspannte Atmosphäre

Zwölf Flüchtlinge finden in Dußlingen ein Obdach auf Zeit

Monatlich steigt die Zahl der Flüchtlinge, die im Landkreis Tübingen ankommen. Auch in Dußlingen werden künftig zunächst zwölf Frauen und Männer wohnen – aller Voraussicht nach nur ein Anfang. Die Gemeinde zeigt sich offen – und auch Bürger reagieren derzeit wohltuend gelassen.

29.10.2014
  • Eike Freese

Dußlingen. Voraussichtlich ab November kann das Landratsamt Tübingen in Dußlingen zunächst zwölf von dann vermutlich rund 700 Flüchtlingen einquartieren, die im Landkreis vorläufig untergebracht sind. Monatlich steigt die Zahl von Asylsuchenden, die gesetzlich geregelt in der Region untergebracht werden. Doch obwohl die Krisen vor allem in vorderasiatischen und südeuropäischen Ländern täglich die Medien dominieren – auf dem Stand der 1990er-Jahre sei man noch lange nicht, sagt Karlheinz Neuscheler, der zuständige Geschäftsbereichsleiter beim Landratsamt. „Es ist allerdings davon auszugehen“, so der Landesbeamte, „dass die Zahlen auch in Zukunft nicht sinken werden.“

Wohnungen werden verzweifelt gesucht

Für Asylbewerber wird derzeit der Wohnraum im Landkreis äußerst knapp: 2012 etwa lebten noch knapp 180 in der Region, 2013 schon 300 und noch im August dieses Jahres waren es 500. Umso glücklicher sind die zuständigen Behörden, wenn sie auch kleine Wohneinheiten zur Verfügung gestellt bekommen. In Dußlingen ist es die Tübinger Kreisbaugesellschaft, die zwei Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus freimacht. Für die kommenden Monate und vermutlich Jahre ist allerdings noch weit mehr Wohnraum im Landkreis notwendig – damit nicht bei den Behörden irgendwann die Verzweiflung um sich greift und zu Zelten oder Containern gegriffen wird.

Auch so aber sind es nicht gerade Luxus-Bedingungen, unter denen die Asylsuchenden leben. Für die Dußlinger Wohnungen hält sich das Landratsamt immerhin schon an das noch immer spartanische Wohnraum-Minimum von sieben Quadratmetern, die ein Flüchtling neben Küche, Bad und ähnlichem künftig zugebilligt bekommt. Gut in Dußlingen: In dem Mehrfamilienhaus in der Eichachstraße wohnen auch Bürger der Gemeinde.

Für weitere Nachbarn gab es am Donnerstagabend eine Gesprächsrunde im Dußlinger Rathaus mit Fachleuten vom Landratsamt und Vertretern der Gemeindeverwaltung. Bürgermeister Thomas Hölsch warb vor den Anwohnern um Offenheit für die Neuankömmlinge. Die rund zwanzig Dußlingerinnen und Dußlinger, die sich für das Thema interessierten, hatten nicht viele Fragen: Welche Nationalität die Flüchtlinge voraussichtlich hätten – oder ob es Kriegs- oder Wirtschaftflüchtlinge seien. Hierzu gibt es derzeit keine Antwort – und die mit ähnlichen Fragen verbundenen Ressentiments versucht Neuscheler möglichst gleich zu zerstreuen: „Ich glaube, dass ein Mensch, der vor Armut flieht, es nicht weniger verdient, dass man ihn gut behandelt.“

Andere Dußlinger wollten wissen, wieviel die Menschen an Geld zur Verfügung bekommen und wie es mit der weiteren Entwicklung in Dußlingen aussieht. Hierzu: Das Landratsamt würde sofort weitere Wohnungen mieten, wenn sie geeignet sind. Mit 96 Prozent Auslastung ist die Behörde mit dem Wohnraum an der Kapazitätsgrenze.

Grundsätzlich war die Atmosphäe beim Dußlinger Nachbarschafts-Treffen gelassen, teils sogar gelöst. Sozialarbeiter trafen auf ausreichend Freiraum, um für Unterstützung und ehrenamtliches Engagement zu werben. Bürgermeister Thomas Hölsch sagt gegenüber dem TAGBLATT, dass er froh sei, dass die 1990er-Jahre vorbei seien: „Damals“, so Hölsch, „kamen die Leute mit dem Schäferhund aufs Rathaus.“ Karlheinz Neuscheler spricht von einem „entspannten Abend“ in Dußlingen – und sagt, dass sich das Klima im Landkreis grundsätzlich zu mehr Aufgeschlossenheit wandele. „Wir können mittlerweile viele positive Beispiele des Miteinanders aus anderen Gemeinden nennen“, so Neuscheler: „Das macht die Sache für alle vielerorts viel einfacher.“

Zwölf Flüchtlinge finden in Dußlingen ein Obdach auf Zeit
Interims-Heimat Dußlingen: Zunächst zwölf von landkreisweit rund 700 Flüchtlingen leben ab November vorläufig in der Steinlach-Gemeinde.Bild: Freese

Die Zahlen der Flüchtlinge, die in Deutschland und damit auch im Kreis Tübingen ankommen, spiegeln die weltpolitische Lage auch in ihrer Entwicklung. Mit rund 700 vorläufig untergebrachten Asylsuchenden leben in diesem Herbst mehr als doppelt soviele hier wie im Jahr 2013. Rund jeder Fünfte von ihnen stammt aus dem bürgerkriegsgeschüttelten Syrien, rund jeder zehnte aus Serbien. Weitere kommen aus Eritrea, Afghanistan und Albanien. Nach Auskunft des Landratsamts Tübingen bekommt derzeit rund jeder vierte Asylsuchende seinen Antrag anerkannt.

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29.10.2014, 12:00 Uhr

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