Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Brennholz auf der Morgenstelle

Zwölf Millionen Euro in Heizwerk investiert

Spätestens in zwei Jahren wird Tübingen seine größte CO2-Schleuder los sein: Die Mannheimer MVV Energie AG will das bislang mit Gas und Öl befeuerte Fernheizwerk auf der Morgenstelle bis Ende 2012 auf den Betrieb mit Holzhackschnitzeln umstellen.

14.12.2010

Von Sepp Wais

Tübingen. Bislang bläst das UKT-Heizwerk, das die Schnarrenberg-Kliniken, die BG Unfallklinik und die Uni-Institute auf der Morgenstelle mit Wärme versorgt, jährlich 20 000 Tonnen Kohlendioxid in die Luft – mithin etwa drei Prozent des Tübinger CO2-Ausstoßes. Das soll sich jetzt ändern: Der Mannheimer Versorgungskonzern MVV wird die 40 Jahre alte Anlage übernehmen, für zwölf Millionen Euro auf Holz umrüsten und damit die CO2-Emissionen um etwa 98 Prozent vermindern.

Michael Bamberg, der ärztliche Direktor des Uni-Klinikums, fühlte sich sichtlich wohl, als er gestern bei einer Pressekonferenz im Rathaus die baldige Modernisierung der längst nicht mehr heutigen Standards entsprechenden Anlage bekannt gab. Zum einen, weil das Angebot der MVV Energie AG die Heizkosten des Klinikums um 20 Prozent nach unten drücken wird. Und zum anderen, weil es dafür auch noch ein grasgrünes Gewissen gibt: „Dieses Heizwerk ist bei uns schon lange ein Thema“, sagte er, „ich bin froh, dass wir jetzt den Umstieg auf den umweltfreundlichen Brennstoff Holz schaffen.“

Da ist er nicht der einzige: Seit über 20 Jahren setzen sich in Tübingen Umweltschützer, Abgeordnete und Stadtwerke energisch dafür ein, dass das Morgenstellen-Heizwerk ökologisch entschärft und energetisch optimiert wird. Einer von ihnen, der damalige Landtagsabgeordnete Boris Palmer, kletterte vor zehn Jahren sogar den Schornstein hoch, um in luftiger Höhe gegen „einen der umweltunfreundlichsten Verbrennungsorte im weiten Umkreis“ zu protestieren. Gestern nun fand es der grüne Oberbürgermeister „großartig, dass jetzt endlich investiert wird“.

Das modernisierte Hackschnitzel-Heizwerk ist für Palmer eine „wesentliche Verbesserung“, aber „nicht die optimale Lösung“. Ziel der Energiewender war es stets, das enorme Wärmepotenzial von 100 000 Megawattstunden auf der Morgenstelle auch für die Stromerzeugung zu nutzen. Diese Kombination wurde von mehreren Gutachtern aus ökologischen wie aus ökonomischen Gründen befürwortet. Trotzdem sah der Stuttgarter Finanzminister ein ums andere Mal „keinen akuten Handlungsbedarf“. Sehr zum Ärger von Palmer: „Hätte sich das Land vor 15 Jahren auf die Kraft-Wärme-Kopplung eingelassen, hätte es seither mindestens zehn Millionen Euro daran verdient.“

Dass die Umrüstung nun doch angepackt wird, hängt damit zusammen, dass zwei der drei installierten Kessel aufgrund der veralteten Brennertechnik die Grenzwerte für Stickoxide nicht mehr einhalten und deshalb bis Ende 2012 ausgetauscht werden müssen. Weil das Uni-Klinikum sein Geld lieber für andere Großprojekte ausgibt, wählte man ein Leasing-Modell, das europaweit ausgeschrieben wurde. Gesucht wurde ein zuverlässiger Energieversorger, der das Heizwerk für 20 Jahre in eigene Regie übernimmt, technisch aufrüstet und dann die von den Kliniken und Instituten angeforderte Wärme zu möglichst günstigen Konditionen liefert.

Um diesen Auftrag haben sich unter anderen auch die Tübinger Stadtwerke bemüht, die sich für ein gasbefeuertes Heizkraftwerk entschieden. Mittlerweile aber, so musste Palmer gestern einräumen, haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Kraft-Wärme-Kopplung so verschlechtert, dass die Stadtwerke in diesem Rennen keine Chance hatten. Die Konkurrenten, die günstiger waren, boten allesamt eine reine Hackschnitzel-Heizung an. Am Ende bekam die MVV Energie AG den Zuschlag. Laut Jürgen Bunzel, dem Chef des Technischen Betriebsamtes für Uni und Klinikum, nicht zuletzt auch deshalb, weil dieser Konzern langfristige Lieferverträge für den allmählich knapp werdenden Brennstoff aus dem Wald vorweisen konnte.

Im Kesselhaus (rechts im Bild mit dem 60 Meter hohen Schlot) des UKT-Kraftwerks werden künftig nicht mehr Öl und Gas, sondern nur noch Holzhackschnitzel verfeuert. Für die Lagerung des umweltfreundlichen Brennstoffs wird nebenan eine 840 Quadratmeter große und 16 Meter hohe Halle (links) gebaut. Davor wird – zur Abdeckung des Spitzenbedarfs und als Notofen – ein Ölkessel gesetzt, dessen Abgase durch ein 30 Meter hohes Rohr in die Luft geblasen werden. Computerbild: MVV Energie AG

Zum Artikel

Erstellt:
14. Dezember 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Dezember 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2010, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen