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Zypern steht kurz vor
Friedenslösung
Geteilte Stadt: Mitten durch Nikosia verläuft die Pufferzone zwischen den Landesteilen erkennbar an der Mauer im Hintergrund. Foto: dpa
Verhandlungen

Zypern steht kurz vor Friedenslösung

Vertreter der griechischen und türkischen Volksgruppen treffen sich, um die Spaltung zu überwinden. Die Chancen waren noch nie so gut. Von

04.11.2016
  • GERD HÖHLER

Nikosia. Es ist nicht die beste Jahreszeit für einen Besuch am Genfersee. Die Meteorologen prognostizieren für kommende Woche Schneeregen. Aber Nikos Anastasiades und Mustafa Akinci reisen nicht der schönen Aussicht wegen in den Ferienort Mont Pèlerin. Von Montag an wollen der griechisch-zyprische Präsident und der Führer der türkischen Volksgruppe dort in eine fünftägige Klausur gehen. Damit erreichen die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung der Insel die entscheidende Phase – was auch daran abzulesen ist, dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon persönlich die Konferenz eröffnen wird.

Die EU beobachtet die Einigungsbemühungen mit großer Aufmerksamkeit. Eine Zypernlösung wäre „ein Durchbruch“ für Europa, meint die EU-Beauftragte für Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini. Die Insel, auf der Großbritannien seit der Kolonialzeit zwei exterritoriale Militärbasen unterhält, gilt als „unsinkbarer Flugzeugträger“ an der Schwelle zum krisengeschüttelten Nahen Osten.

Im Sommer 1974 hatte die Türkei den Norden der Insel besetzt, um einer befürchteten Annexion zuvorzukommen. Seit Mai 2015 verhandeln Anastasiades (70) und Akinci (68) über eine politische Lösung des Konflikts. Erstmals sitzen sich damit zwei erklärte Einigungsbefürworter gegenüber. Die beiden Polit-Veteranen achten und vertrauen einander. Diese günstige Konstellation hat es seit 1974 noch nie gegeben.

Ziel ist eine Föderation aus zwei Bundesstaaten mit weitgehender Selbstverwaltung der beiden Volksgruppen. In den bisherigen Verhandlungen sei man „weiter gekommen als je zuvor“, sagt der Zypern-Sonderbeauftragte der Uno, Espen Barth Eide. Bei den Gesprächen in der Schweiz geht es vor allem um den Verlauf der künftigen innerzyprischen Grenze. Die Inselgriechen hoffen auf Rückgabe einiger von den Türken besetzter Gebiete.

Ein endgültiges Friedensabkommen sei von der Klausur allerdings nicht zu erwarten, sagt Eide. Optimisten halten es aber für möglich, dass am Genfersee die Weichen für eine Einigung noch in diesem Jahr gestellt werden. Skeptiker verweisen hingegen auf die noch ungelösten Streitpunkte. Dazu gehören vor allem Sicherheitsfragen und ein Zeitplan für den Rückzug der über 30 000 türkischen Besatzungssoldaten.

Selbst wenn sich Anastasiades und Akinci in den Verhandlungen einigen, müssen beide Volksgruppen noch in getrennten Referenden zustimmen. Das ist eine nicht zu unterschätzende Hürde. 2004 lehnten die Inselgriechen den Einigungsplan des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan mit großer Mehrheit ab.

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04.11.2016, 06:00 Uhr

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