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Damit Lernen Spaß macht
Der Film „Schools of trust“ hat Johanna Haiss beeindruckt. Gymnasiallehrer Christoph Schuhmann zeigt darin Beispiele freier demokratischer Schulen in Deutschland. Die 35-Jährige aus Fischingen möchte zwischen Oberndorf und Horb eine „Freie Schule Neckartal“ gründen. Bild: Priotto
Schulen

Damit Lernen Spaß macht

Johanna Haiss sucht Mitstreiter für die Gründung einer „Freien Schule Neckartal“. Für interessierte Eltern gibt es am 14. November einen Infoabend in Sulz.

11.11.2017
  • Cristina Priotto

Carla und Marian Haiss besuchen noch den Kindergarten. Johanna Haiss, Mutter der vier- und zweijährigen Geschwister, macht sich aber schon jetzt Gedanken, wie ihre Kinder in ein paar Jahren am besten lernen könnten.

„Ich merke, wie selbstverständlich sie lernen und wie glücklich sie sind, wenn man sie einfach nur machen lässt“, beschreibt die 35-Jährige eigene Beobachtungen. Genau diese Begeisterung verlieren nach Einschätzung der Erzieherin, Sozial- und Erlebnispädagogin aber viele Jungen und Mädchen schon nach Kurzem beim Besuch einer Regelgrundschule.

Haiss möchte daher in der Region eine freie Schule gründen, in der die Schüler mit vielen Anregungen, aber ohne Einschränkungen selbst entscheiden können, was sie wann lernen möchten. Wie so etwas in der Praxis aussieht, hat die Mittdreißigerin sich bei Hospitationen in der „Freien Schule Brigach“ bei St. Georgen im Schwarzwald und bei der „Freien Aktiven Schule Pieks“ in Echterdingen angeschaut.

Die Initiatorin aus Bad Säckingen hat selbst eine Regelschule besucht und betont: „Ich möchte nicht andere Schulformen verurteilen“. Dank der vielfältigen pä-dagogischen Ausbildung und der Erfahrung als zweifache Mutter sieht die Wahl-Fischingerin aber bei Regelschulen zu viele Einschränkungen für Kinder – von der Einteilung in Altersstufen über einen häufig festen Stundenplan bis zum Leistungsdruck durch Noten und Tests.

Da es in der Region bislang keine freie Schule gibt, empfindet Johanna Haiss ihren Vorstoß, das Spektrum zu erweitern, als Bereicherung. „Das Regelschulsystem passt nicht zu jedem Kind“, argumentiert die Initiatorin der „Freien Schule Neckartal“.

Die zweifache Mutter legt aber Wert darauf, nicht nur im eigenen Interesse zu agieren: „Wenn meine Tochter in zwei Jahren lieber eine andere Schule besuchen wollen würde, könnte ich mich damit abfinden“, erklärt Haiss.

Wichtig sei, dass Eltern das pädagogische Konzept mittragen. Dazu gehöre auch, zu akzeptieren, dass Schüler in freien Schulen selbst entscheiden können, wann sie Lesen und Schreiben lernen möchten. In Regelschulen müssten alle im selben Alter gleichzeitig Dasselbe lernen, kritisiert Haiss. Dabei entwickeln sich Kinder in unterschiedlichem Tempo.

Das Ziel einer „Freien Schule Neckartal“ wäre, dass auf zehn Schüler mindestens ein Erwachsener kommt. Ausgebildete Lehrer sind für freie Schulen gesetzlich nicht vorgeschrieben, deshalb heißen die pädagogischen Betreuer in solchen Einrichtungen Lernbegleiter. Johanna Haiss verweist auf die Vorteile: Mehr Zeit für die Betreuung der Kinder, da kein Unterricht vorbereitet werden muss, Wahrnehmen der Vorbildrolle und konzentrierteres Arbeiten.

Um einen anerkannten Schulabschluss ablegen zu können, müssen Schüler einer freien Schule, wo es keine Tests und Klassenarbeiten gibt, die Prüfung an einer externen Schule ablegen. Die zweifache Mutter ist überzeugt, dass Kinder auch ohne Schul- Leistungsdruck später im Beruf selbstständig arbeiten können.

Räumlich schwebt der Kämpferin für mehr Schulvielfalt ein Gebäude im Neckartal zwischen Oberndorf und Horb vor, das zum Lernen, Spielen, Erkunden und Kreativsein einlädt und anregt.

Damit sich eine solche Einrichtung trägt, fallen für die Eltern Schulgebühren an, gestaffelt nach Einkommen. „Es soll aber keine Eliteschule werden“, betont Haiss.

In Horb und Oberndorf hat die Verfechterin des freien Lernens das Vorhaben schon vorgestellt. Beim Infoabend in Sulz am 14. November hofft die 35-Jährige, weitere Mitstreiter zu finden.

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11.11.2017, 01:00 Uhr

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