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Tagblatt-Podium 1: Eine Geste für die Politik

Zur Vorstellung sollten die fünf Kandidaten eine Geste vorführen, die sie und ihre Politik symbolisiert.

09:11 min

Raute bis Gebärdensprache

Die Gesten der Kandidaten beim Tagblatt-Wahlpodium

Die fünf Kandidaten zur Landtagswahl sollten sich für die Vorstellungsrunde beim Tagblatt-Wahlpodium je eine Geste ausdenken, die ihre Person und ihre Politik repräsentiert.

03.03.2016
  • von ST

Kreis Tübingen. Manche der Gesten, welche die fünf Landtagskandidaten bei der Vorstellung im Sparkassen Carré vorführten, erkannte das Publikum sofort, andere bedurften der Erläuterung.

Dorothea Kliche-Behnke: Die Finger sind ineinander verschränkt, die Hände bilden eine Einheit: Ein Besucher des TAGBLATT-Podiums erkannte sofort diese Geste von SPD-Kandidatin Dorothea Kliche-Behnke, 34. Sie bedeutet in der Gebärdensprache Zusammenhalt. Der soziale Zusammenhalt ist der Sozialdemokratin wichtig. Sie will sich dafür einsetzen, eine zunehmende Spaltung im Land zu verhindern. Weder bei der Suche nach Wohnungen noch bei der nach Arbeit sollten Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Kliche-Behnke stellte sich hinter die Forderung von SPD-Chef Gabriel nach einem Sozialpaket für Deutschland.

Die Gesten der Kandidaten beim Tagblatt-Wahlpodium
Dorothea Kliche-Behnke. Bild: Sommer

Daniel Lede-Abal: Ein kleines Rätsel gab der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal, 36, dem Publikum auf. Dass er seine Hand ans rechte Ohr hielt, identifizierte ein Podiumsgast schnell als Symbol für die „Politik des Gehörtwerdens“, die nach Ansicht von Ministerpräsident Winfried Kretschmann der richtige Weg zu mehr Bürgernähe ist. Doch warum nahm Lede Abal als „Titelverteidiger“, wie Moderatorin Renate Angstmann-Koch ihn scherzend-sportlich nannte, vor der eigentlichen Geste die Brille ab? Die Erklärung des Abgeordneten hatte etwas mit Dramaturgie zu tun, wie er sagte – „um die Spannung ein bisschen zu erhöhen“.

Die Gesten der Kandidaten beim Tagblatt-Wahlpodium
Daniel Lede Abal. Bild: Sommer

Dietmar Schöning: War das ein Kreis oder ein Herz, was Dietmar Schöning, 67, da in die Luft zeichnete? Und was sollte die ausholende Armbewegung bedeuten? Schöning klärte auf: Es ist eine Geste, die Ludwig Raiser oft machte. Raiser war zur selben Zeit Uni-Rektor (1968 und 69) wie Schöning Asta-Vorsitzender war. „Er hat alle naslang angerufen“, berichtete Schöning. Denn einig waren sich die Studentenvertreter und die Unileitung selten. Raiser habe dann diese Geste gemacht und dazu gesagt: „Herr Schöning, das müssen wir gemeinsam lösen.“ Die Geste sei eigentlich gar nicht politisch gemeint, sagte Schöning später. Er habe etwas aus seinem Leben zeigen wollen.

Die Gesten der Kandidaten beim Tagblatt-Wahlpodium
Dietmar Schöning. Bild: Sommer

Bernhard Strasdeit: Zeige-, Mittel- und Ringfinger deuten nach oben, der Daumen legt sich auf den kleinen Finger. Mit dieser Geste stellte Linke-Kandidat Bernhard Strasdeit, 61, dem Publikum eine unlösbare Aufgabe. Sie bedeutet nicht „drei Prozent“, so ein spontaner und mit Lachen kommentierter Zuruf. Der Tübinger hat den Gruß mit acht Jahren bei den katholischen Pfadfindern gelernt. Für Strasdeit repräsentiert die Geste den Solidaritätsgedanken, denn der Daumen als der Starke schützt den Kleinen, also den Schwachen. Die drei aufrechten Finger stehen für die Verpflichtung gegenüber Gott, den Anderen und gegenüber sich selbst.

Die Gesten der Kandidaten beim Tagblatt-Wahlpodium
Bernhard Strasdeit. Bild: Sommer

Klaus Tappeser: Staatsmännisch die Geste von Klaus Tappeser: Mit der „Merkel-Raute“ stellte sich der 58-jährige CDU-Kandidat hinter die Bundeskanzlerin – die eindeutige Handhaltung, die typisch für Merkel ist, verstanden alle. Während der Debatte um die Flüchtlingspolitik lobte Tappeser Merkel: Sie setze alles daran, eine europäische Lösung zu finden, während sie gleichzeitig durch den Einsatz zweier Polizeiboote auf dem Meer dabei helfe, den Schleppern das Handwerk zu legen. Auch mit seiner Skepsis gegenüber der Gemeinschaftsschule ist sich Tappeser einig mit der Kanzlerin, die Kritik an dieser Schulform übt.

Die Gesten der Kandidaten beim Tagblatt-Wahlpodium
Klaus Tappeser. Bild: Sommer

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03.03.2016, 21:41 Uhr
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