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Unaussprechliches
bleibt im Regal
Sven Bach erklärte mehr als 300 Besuchern in der Eutinger Festhalle, wie man die Fallen der Lebensmittelindustrie umgehen kann. Bild: Wilke
Gesundheit

Unaussprechliches bleibt im Regal

Der Ernährungsexperte Sven Bach referierte am Donnerstagabend auf Einladung des Fördervereins SV Eutingen über Strategien der Lebensmittelindustrie.

10.11.2017
  • Maik Wilke

An der Kasse im Supermarkt steht ein junger Mann, etwa 13 Jahre alt, vor Sven Bach. Der Gesundheitsexperte blickt auf dessen Einkauf: Zwei Packungen Fertigkekse liegen auf dem Band. Ein paar davon würde der Jugendliche an Mitschüler abgeben, doch die meisten esse er selbst. Für den Gesundheits- und Ernährungsexperten „absolut pervers“. Denn: Selbst mit zwei Stück Kuchen, einem Snickers-Riegel und 0,5 Liter Cola hätte der Jugendliche lediglich 30 Prozent der Zuckermenge zu sich genommen, wie durch die Kekse. „Das sind solch immense Mengen, da ist der Körper neurologisch so auf Zucker getrimmt – den jungen Mann bekommt man nur noch sehr schwer davon weg.“

Solche Vergleiche prägten den Vortrag Bachs „Bewusst essen – mit Köpfchen durch den Supermarkt“ am Donnerstagabend auf Einladung des Fördervereins des SV Eutingen in der Eutinger Festhalle. Dass einige Tricks der Lebensmittelindustrie den mehr als 300 Zuhörern, die von der Bäckerei Plaz und der Hochdorfer Kronenbrauerei kostenlos verpflegt wurden, bekannt sind, sei dem Ernährungsexperten aus Rexingen klar. Wichtig sei jedoch, die eigene Ernährung immer wieder zu hinterfragen: „Wenn Sie für das Wochenende 400 Gramm Aufschnitt holen, würde Sie die niemals komplett auf ein Brötchen legen und essen – aber bei einem Wurstsalat sind 350 Gramm schnell verspeist.“

Finger weg von Smoothies

Generell sei es wichtig, viel Gemüse und vor allem Saisonware zu essen. Wintersorten wie Wirsing oder Spitzkohl seien ebenso für Pastasoßen geeignet wie Tomaten – die im Winter überhaupt nichts in einem gesunden Essen verloren hätten. „In den Tagen zwischen dem 20. bis 24. Dezember gibt es in Deutschland den höchsten Absatz an Tomaten überhaupt im Jahr“, berichtete Bach. „Doch im Winter Gurken und Tomaten zu verarbeiten hat mal gar nichts mit gesundem Essen zu tun.“ Auch er wisse nicht immer, welches Gemüse gerade Saison hätte. Doch dies sei schnell nachzuschlagen.

Bach, der in Stuttgart und Horb als Diätassisstent eigene Praxen unterhält, schockte die Zuhörer in seinem launigen und kurzweiligen Vortrag immer wieder. Beispiel Müsli: Ein Blick auf die Inhaltsangabe kann den Kunden hier schnell dazu bewegen, das Produkt im Regal stehen zu lassen. Gerade mal ein Drittel der Bestandteile seien Flocken und etwaige Zutaten wie Obst oder Nüsse – der Rest ist zu einem Drittel Zucker und zu einem weiteren Drittel Reis.

Apropos Reis: Dieser enthalte – ob als Bio-Produkt oder nicht – zu meist Arsen. Er reichere sich im Boden der Herkunftsländer an und gelange so in die Körner. Gerade bei Vollkornreis wurden sämtliche Produkte in einem Test lediglich als befriedigend bis mangelhaft benotet. In einigen seien sogar Pestizide gefunden worden. Bachs Tipp: „Kaufen Sie Basmati-Reis. Der wächst wirklich noch am Himalaya, wo der Boden rein ist.“

Noch ein Beispiel, um den Hunger zu vertreiben? Kein Problem. Für Naschkatzen – oder als Geschenk für den Partner – sind Lebkuchenherzen auf Weihnachtsmärkten ein Muss. „Doch der Farbstoff, der auf dem Zuckerguss ist, kann ADHS und Epilepsie auslösen“, sagte Bach.

Ansonsten wolle er sich nicht als Moral-Apostel aufspielen, natürlich sei auch mal ein Glas Cola erlaubt. Bei Fleisch gelte jedoch klar die Devise: Lieber seltener, dafür hochwertiger. Auf Bachs Liste der verbotenen Lebensmittel standen dagegen Schmelzkäse, Smoothies, die häufig aus konzentriertem Fruchtzucker bestünden und bakteriell belastet seien, sowie Light-Produkte. „In 20 Jahren Berufserfahrung hatte ich noch keinen Kunden, der mit diesen Produkten Gewicht verloren hat.“ Die Marken würden lediglich einen Zucker gegen einen anderen austauschen.

Das brachte Bach zu weiteren Tricks. Auf einer Marmelade anzugeben, dass diese ohne Fett sei, sehe zwar gut aus – mache aber überhaupt keinen Sinn. „In einer Marmelade hat Fett allgemein nichts zu suchen.“ Auch vor Trends wie beispielsweise Chia-Samen warnte der Ernährungsberater: „Wenn man genug Marketing für ein Produkt betreibt, kann man in der Gesundheitsbranche alles verkaufen.“

Während so mancher Besucher in der Eutinger Festhalle schon gar nicht mehr wirklich wusste, was man denn nun essen darf und einkaufen sollte, gab Bach seinen vielleicht nützlichsten Tipp: „Wenn in der Auflistung der Inhaltsstoffe irgendetwas Unaussprechliches ist – lassen Sie die Finger davon.“

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10.11.2017, 18:25 Uhr

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