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AfD-Landtagskandidat Roland Tischbein ist vorsichtig mit Parolen
Roland Tischbein ist Landtagskandidat der AfD, der Partei, über die heftig diskutiert und viel gestritten wird, die polarisiert.Bild: Kuball
Im Abseits

AfD-Landtagskandidat Roland Tischbein ist vorsichtig mit Parolen

Roland Tischbein hat sich vor seinem Engagement bei der AfD als „unpolitischen Menschen“ bezeichnet. Jetzt ist er sicher, in dieser Partei seine politische Heimat gefunden zu haben. Es könnte sogar sein, dass der AfD-Landtagskandidat für den Kreis Freudenstadt in den Landtag gewählt wird.

03.03.2016
  • von Dagmar Stepper

Altheim. Am weißen Briefkasten sticht der blaue Aufkleber der AfD ins Auge. Nach dem Klingeln dauert es zwei bis drei Minuten, dann öffnet sich die Tür. Roland Tischbein (42) füllt mit seinen 1,93 Metern den Türrahmen aus. Er trägt einen schwarzen Anzug mit Silberstreifen, Brille, einen Drei-Tage-Bart. Die Haare sind kurz geschnitten. „Entschuldigen Sie die Baustelle“, sagt er und bittet herein. Das Haus in Altheim hat er 2014 gekauft, vorher wohnte er dort drei Jahre zur Miete. Gerade baut er es um. Doch der Wohnbereich ist fertig, hier lädt er zum Kaffee.

Frauenquote abschaffen *

Tischbein ist Landtagskandidat der AfD, der Partei, über die heftig diskutiert und viel gestritten wird, die polarisiert. Manche verankern sie im rechtspopulistischen Nebel. Für andere ist sie die Alternative zu den etablierten Parteien. Aber bei dieser Landtagswahl kommt man an ihr nicht vorbei. Die jüngsten Prognosen liegen bei 11 Prozent. „Vor der AfD war ich politisch ein völlig unbeschriebenes Blatt“, sagt Tischbein. Doch zu den Wahlen ist er immer gegangen. Dann kam der Moment, in dem er nicht mehr wusste, wem er seine Stimme geben sollte.

Bei den etablierten Parteien war keine darunter, die etwas für mich ist“, sagt er. Kurz liebäugelte er mit den Piraten. Berufsbedingt, wie er sagt. Tischbein ist selbstständiger IT-Systemberater, seine Welt dreht sich um Computer. „Das Thema war dann aber schnell erledigt nach der Lektüre des Parteiprogramms.“ Im Februar 2013 gründete sich die AfD, zwei Monate später war Tischbein Mitglied. „Da konnte ich alle Punkte abhaken“, sagt er. Weg vom Euro, mehr Bürgerentscheide, das eingefahrene System durchbrechen…

Ehen stabilisieren *

Beeindruckt hat ihn auch Gründungsmitglied Bernd Lucke. „Lucke war jemand, wegen dem ich in die Partei eingetreten bin. Einer, der weiß, wovon er redet.“ Doch diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen ist Tischbein von ihm enttäuscht. Doch ein glühender Petry-Fan ist er deshalb auch nicht. „Ich halte nichts von Personenkult.“ Zu den Äußerungen der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry zum „Schießbefehl“ an der Grenze auf Flüchtlinge sagt er: „Sie hat sich unglücklich ausgedrückt.“ Er nimmt sie in Schutz: „Keiner darf denken, dass eine vierfache Mutter verlangt, auf Kinder zu schießen.“ Tischbeins Antworten kommen schnell. Beim Flüchtlingsthema nimmt er sich zurück. NPD-Parolen wie „Das Boot ist voll“ findet er „dermaßen zynisch, wenn man bedenkt, wie es in der Ägäis aussieht“. Doch auch Merkels berühmter Ausspruch „Wir schaffen das“ würde er nicht unterschreiben. Ihn stört, dass Deutschland zum Hauptspender in der Flüchtlingssache geworden ist. „Wir sind gute Menschen, aber irgendwann merkt man, dass wir es nicht mehr schaffen – vor allem, wenn noch eine Million mehr kommt.“ Tischbein lässt sich nicht zu Parolen hinreißen. Er will sich auch nicht auf das Flüchtlingsthema beschränken. Energie (Windkraftanlagen lehnt er in dicht besiedelten Gebieten ab), TTIP (das Freihandelankommen gehört verhindert), innere Sicherheit (die Polizei stärken) – er zählt mehrere Bereiche auf, mit denen sich die AfD beschäftigt.

Beispielsweise den Euro: „Den Ausspruch: Der Euro bringt nur Vorteile, der kann ja wohl nicht wahr sein. Da werde ich emotional“, redet er sich in Schwung. Gerade mit Blick auf Griechenland: „Das wird so nicht weitergehen.“ Aber die Gretchenfrage: den Euro abschaffen oder beibehalten, beantwortet er nicht eindeutig: „Es gibt keine einfachen Antworten.“

Seine Einstellung in der Landespolitik sind dagegen eindeutig. Tischbein würde die GEZ-Gebühren abschaffen. Am Länderfinanzausgleich lässt er kein gutes Haar: „Sind solche Instrumente noch zeitgemäß?“, fragt er. Dafür würde er sich für Alleinerziehende einsetzen. Tischbein war selbst mehrere Jahre alleinerziehend und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das sein kann.

Extremismus bekämpfen *

Welche Chancen er hat, künftig im Landtag von Baden-Württemberg zu sitzen, kann er schwer einschätzen. Ihm geht es dabei nicht um seine Person, betont er: „Es geht um die Gesamtpartei.“ Die Möglichkeit sei da, meint er. Aber er könnte sich auch gut vorstellen, weiterhin in seinem Beruf zu arbeiten. Die Frage nach potenziellen Koalitionspartner erübrigt sich für ihn. „Alle vertretenen Parteien lehnen das mit der AfD ab“, sagt er dazu knapp und bündig. Es klingt ein wenig beleidigt: „Ich mag es nicht, wenn es aus ideologischen Gründen heißt, was aus dieser Ecke kommt, das lehne ich grundsätzlich ab.“ Aber der AfD bleibt wohl nur eins: „Wir müssen Opposition sein.“

* Diese Parolen stammen aus dem Programm der Kreis-AfD

Kurzvita Roland Tischbein

Geboren ist Roland Tischbein in Stuttgart, aufgewachsen ist er in Hörschweiler, später sind seine Eltern nach Horb gezogen. Tischbein zog es nach der Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann und Wirtschaftsassistenten zur Bundeswehr. Dort war er sechs Jahre lang Zeitsoldat. Neun Jahre war er in der IT-Branche angestellt, bevor er sich 2009 selbstständig machte. An der Fernuni in Hagen studierte er nebenher Wirtschaftsinformatik. Tischbein war mehrere Jahre alleinerziehender Vater. Er hat zwei Töchter und einen Sohn und lebt mit seiner Lebenspartnerin in Altheim. Wenn er neben Familie, Beruf, Hausumbau und Politik noch etwas Zeit hat, macht er Modellbau.

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03.03.2016, 01:00 Uhr

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