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23.11.2015

Rastlos durch Schule und Studium brettern und dann zackzack ins Berufsleben, Karriere machen. Mitten in diesem, auch in Deutschland üblich gewordenen Rattenrennen zieht der Amerikaner Chris McCandless die Notbremse. Ein Studium in Harvard vor Augen, zerschnipselt der Sohn wohlhabender Eltern seine Kreditkarten, verschenkt und verbrennt seine Ersparnisse und macht sich mit nichts als den Kleidern am Leib auf eine Reise durch Amerika. Anfangs noch in herzlichem Kontakt mit Bauern, Arbeitern und anderen Herumtreibern, ist sein eigentliches Ziel die Wildnis und Einsamkeit im polaren Alaska, wo vermeintlich die Erlösung von der „vergifteten Zivilisation“ winkt.

Dass ein junger Mann vor dem Ernst des Lebens einen Naturtrip unternimmt (und in der Regel irgendwann in den Schoß der Gesellschaft zurückkehrt), ist nicht unbedingt filmreif. Bei Chris McCandless gibt es zwei jedoch zwei Besonderheiten. Erstens hat er seine Survival-Tour ins unwirtliche Alaska in den neunziger Jahren mit dem Leben bezahlt. Zweitens wurden seine nachgelassenen Aufzeichnungen von dem Autor Jon Krakauer zu einem Tatsachen-Roman verarbeitet, der in den USA zum Bestseller avancierte. Sean Penn hat daraus jetzt einen schönen Film gemacht.

Beinahe ohne dramatische Volten und im gemächlichen Tempo, folgt der Film den Wanderpfaden des milchgesichtigen Aussteigers (Emile Hirsch), auf denen sich intensives Naturerlebnis und eindringliche Begegnungen, so mit einem gealterten Hippiepärchen und einem vereinsamten Armeeveteranen, abwechseln. Trotz erheblicher Sympathie für den Freiheitsdrang und die Abkehr vom karrieristischen Weg, macht ihn Penn jedoch nicht zur reinen Lichtgestalt. Zu dubios ist sein aus Büchern – vor allem von Henry David Thoreau – gezogener moralischer Rigorismus, der ihn zum völligen Bruch mit seiner Familie und in einen verstiegenen, letztlich selbstzerstörerischen Zivilisationshass treibt.

Formal ist der Film makellos. Die drei Erzählebenen – die Reise durchs amerikanische Kernland, das Vegetieren im hohen Norden und die Rückblenden zur Kindheit und Jugend – sind virtuos miteinander verflochten; die Landschafts- und Menschenbilder des französischen Kameramanns Eric Gautier („Herzen“) trotz gelegentlicher Kitschnähe durchweg eine Augenweide. Nur das philosophische Dünnbrettbohren aus dem Off („Ruhezustand des menschlichen Seins“) hätte man raffen können – zugunsten einer etwas raucherfreundlicheren Länge als 148 Minuten.

Erhältlich als Leih- und Kauf-DVD (Anbieter: Universum-Film)

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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