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Brudermord

Wie Gewalt eskaliert. Wuchtige Tragödie eines kleinen Kurden, der gut sein will, aber nicht darf.

Wie Gewalt eskaliert. Wuchtige Tragödie eines kleinen Kurden, der gut sein will, aber nicht darf.

BRUDERMORD
Deutschland

Regie: Yilmaz Arslan
Mit: Erdal Celik, Xevat Gectan

- ab 12 Jahren

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24.11.2015
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Ab 7.9. als Leih- und Kauf-DVD (Anbieter: Alive)

Blutrache? Ehrenmord? Bei solchen Publikums-Nachfragen schwillt Regisseur Yilmaz Arslan der Hals. „Das ist kein Film, der sich aus den kulturellen Hintergründen der Figuren erklären lässt“, antwortete er ungehalten bei der Tübinger Festival-Premiere von „Brudermord“.

Die Handlung geht so: Der etwa 17-jährige Azad kommt auf den Spuren seines älteren Bruders aus Kurdistan nach Deutschland. In einem Flüchtlingsheim trifft er den Waisenbuben Ibo, mit dem er zusammen der kurdischen Community die Bärte stutzt. Auf keinen Fall will Azad werden wie sein Bruder, der als Zuhälter schlechtes Geld verdient. Doch die hehre Moral geht buchstäblich vor den Hund. Ein Wortgefecht mit einer türkischen Gang eskaliert nach und nach zu einem erbarmungslosen Kampf auf Leben, Vergewaltigung und Tod.

Der Ursprung von „Brudermord“, eine deutsche Koproduktion mit der französischen Region Rhône-Alpes, liegt zehn Jahre zurück. Damals traf Arslan in Berlin zwei kurdische Jungs, die gerade hungrig und zerlumpt in der an sich selbst berauschenden Metropole angekommen waren. Der Plan einer Langzeit-Dokumentation scheiterte an der Finanzierung. Irgendwann begann Arslan ganz von vorn. Die Lektüre von Pier Paolo Pasolini „beseelte“ ihn, das Thema von der antiken Tragödie her anzugehen – mit dem ganzen Programm von der Anklage der Weltordnung bis zum unausweichlich in die Katastrophe schlitternden Helden.

Die alten Recherchen in einem Flüchtlingsheim brauchte er dafür nicht mehr. „Die Geschichte ist zu 120 Prozent erfunden“, so Arslan. Auch mit seinen eigenen Erfahrungen – er kam als Siebenjähriger 1975 aus der Türkei nach Deutschland – habe sie nicht das Geringste zu tun. Im Grunde könnte sie sich in vielen anderen Milieus ganz genau so zutragen, weswegen es den Regisseur auch auf die Palme bringt, „wenn manche Zuschauer oder Journalisten einen Film über den türkisch-kurdischen Konflikt gesehen haben wollen“. Oder das tragische Ende gar mit angeblichen ethnischen Eigenheiten in Verbindung bringen.

Zum Universalismus passt auch der Schauplatz, eine anonyme Großstadt ohne besondere Eigenschaften. Arslan sieht sie als Stellvertreter für Europa, seine Anziehungskraft und seine Unwirtlichkeit, die den Neuankömmlingen entgegenschlägt.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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