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ÜC MAYMUN
Türkei

Regie: Nuri Bilge Ceylan
Mit: Yavuz Bingöl, Hatice Aslan, Ahmet Rifat Sungar

- ab 12 Jahren

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23.11.2015

Von Dorothee Hermann

Als Servet (Ercan Kesal) am Steuer seines Autos einschläft, ist es ein anderer, ein Unbekannter, der dafür mit dem Leben bezahlt. Der tödliche Unfall kommt dem Politiker, der mitten im Wahlkampf steht, höchst ungelegen. Er bietet seinem Chauffeur Eyüp (Yavuz Bingöl) Geld dafür, wenn er an seiner Statt die Schuld auf sich nimmt. Dass er Eyüp mitten in der Nacht aus dem Bett holt und damit rücksichtslos in die Intimität von dessen Familie eindringt, ist eine finstere Vorausdeutung. Eyüp zögert nur kurz, sich in dieser Weise instrumentalisieren zu lassen. Er hofft, mit dem Geld den Studienabschluss seines Sohnes Ismail zu sichern und geht für seinen Boss ins Gefängnis.

Ismail fällt beim Examen durch und ist fortan viel zuhause. In dem merkwürdigen Haustorso in einem Vorort Istanbuls leben der Junge und die Mutter Hacer (Hatice Aslan) nebeneinander her. Sie macht hilflose Versuche, ihn zu einem Job zu überreden. Im Gegenlicht bleiben beider Gesichter im Dunkel, schwer zu deuten. Als der Sohn entdeckt, dass Hacer eine Affäre ausgerechnet mit Servet hat, wird die Sprachlosigkeit zwischen den beiden noch lastender. Völlig plausibel wird Hacers eher masochistische Hingabe allerdings nicht.

Der türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan interpretiert das ursprünglich japanische Sprichwort von den drei Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen, in eine psychologische Implosion. Als Eyüp aus der Haft zurückkehrt, spürt auch er, dass etwas nicht stimmt.

Über den Bildern liegt ein schwärzliches Schillern wie von Petroleum. Die nachkolorierten (Außen-)Aufnahmen lassen das Draußen so düster erscheinen wie die Innenwelt der Figuren. Der vielfach mit Antonioni verglichene Filmemacher findet verstörende Bilder für die Verheerungen einer Lethargie, die sich momenthaft in Aggression entlädt. Es ist, als würde die extreme Isolation der Figuren sich nach außen wenden und in den Dingen spiegeln. „Drei Affen? wurde 2008 in Cannes mit der Goldenen Palme für die beste Regie ausgezeichnet. Der Tübinger Arsenal-Verleih bietet nun eine erste Gelegenheit, in Ceylans suggestive Bildwelten einzutauchen.

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Erstellt:
23. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Juli 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2009, 12:00 Uhr

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