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El paraiso de Hafner

Porträt eine deutschen Altnazis, der seit 60 Jahren unbehelligt in Spanien lebt.

Porträt eine deutschen Altnazis, der seit 60 Jahren unbehelligt in Spanien lebt.

EL PARAISO DE HAFNER
Dokumentarfilm - Spanien

Regie: Guenter Schwaiger


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23.11.2015
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99 Jahre alt ist der rüstige Herr, der in seiner Küche über Joghurtmaschinen und Schweinezucht plaudert. Ein honoriger Greis ist dieser Paul Hafner aber mitnichten. Unterm Hakenkreuz diente er in der Waffen-SS, war nach eigenem Bekunden an KZ-Einsätzen beteiligt. Reue zeigt er nicht. Noch heute ist er glühender Hitler-Bewunderer und lässt das auch jeden wissen. In Deutschland werden solche unbelehrbaren Schwätzer mit dem Strafrecht ruhig gestellt. In Spanien dagegen, wo Hafner seit über 60 Jahren lebt, haben Holocaust-Leugner und Nazi-Beweihräucherer nichts zu fürchten.

Der österreichische Regisseur Günter Schwaiger hat diesem schmutzigen alten Mann ein Film-Porträt gewidmet. Was er damit bezweckt, wird nicht ganz klar. Wir sehen Hafner bei Alltagsverrichtungen: seiner Morgengymnastik, im Schachklub, beim Seniorennachmittag mit Kaffee und Kuchen. Zwischendurch lässt ihn Schwaiger die üblichen Altnazi-Sprüche absondern („Hitler war die bedeutendste Persönlichkeit der Geschichte“), mit bebender Stimme aus „Mein Kampf“ rezitieren und Auschwitz zum Ferienlager umdeuten.

Für Hafner muss es das große Los gewesen sein, dass er auf seine alten Tage noch die Chance zur Selbstdarstellung bekommt. Die nutzt er weidlich. Höhepunkt ist, wenn ihn der Regisseur in Heldenpose beim Hitlergruß ablichtet, fast wie bei Leni Riefenstahl. Bei der finalen Konfrontation mit einem KZ-Überlebenden bekommt sein Nazi-Panzer zwar ein paar Risse – zu einem wirklichen Einblick in die Täterpsyche reicht es aber nicht. Zurück bleibt eigentlich nur der Wunsch, dass sich dieses unappetitliche Problem möglichst schnell biologisch erledigt.

Aufschlussreicher ist der Film, wenn es um Hafners Gastland geht. Obwohl er seine Vergangenheit nie verschwiegen habe, sei er in Spanien mit offenen Armen empfangen und immer respektiert worden – wie auch Dutzende Gleichgesinnter, die bis heute am Mittelmeer ihren Lebensabend genießen. Spanien als Fluchtburg der Altnazis? „Für mich“, sagt Hafner, „war es vom ersten Augenblick an das Paradies“

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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