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Es war einmal in Deutschland

Es war einmal in Deutschland

Schelmenkomödie um Holocaust-Überlebende, die sich 1946 mit kleinen Tricks und Betrügereien die Überfahrt nach Amerika verdienen wollen.

Es war einmal in Deutschland

Deutschland 2017

Regie: Sam Garbarski
Mit: Moritz Bleibtreu, Antje Traue, Tim Seyfi

102 Min. - ab 12 Jahren

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09.01.2017
  • Klaus-Peter Eichele

Hitler ist tot, aber wir leben! Unter diesem Motto schließen sich kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sieben Juden, die den Holocaust überlebt haben, zu einer Notgemeinschaft zusammen. Sie eint der dringende Wunsch, das Land der Täter zu verlassen, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen. Das notwendige Startkapital wollen sie sich durch den fliegenden Handel mit Bettwäsche beschaffen. Wobei das Geschäft in diesen schlechten Zeiten nur mit kleinen Tricks am Laufen zu halten ist. So wird nach intensivem Studium der Todesanzeigen der Kundin an der Haustür vorgegaukelt, der verstorbene Ehemann habe die Ware bestellt.

Dieser schelmenkomödiantische Aufgalopp des neuen Films von Sam Garbarski („Irina Palm“) böte eine gute Basis für gesellschaftspolitische Exkursionen, die der belgische Regisseur jedoch sehr unentschlossen angeht. So bleibt der Trip der jüdischen Hausierer durch die einerseits noch von Nazi-Ideologie durchtränkte, andererseits vor Selbstmitleid triefende deutsche Nachkriegsgesellschaft an der Oberfläche einer launigen Sketchparade. Da ging es in den beiden Fritz-Bauer-Filmen der letzten Jahre erheblich rigoroser zur Sache.

Spannend wäre auch die Frage, wie es Holocaust-Überlebende überhaupt aushalten können, neben Mördern und Mitläufern zu leben, doch sind deren Charaktere dazu viel zu skizzenhaft angelegt. Aus diesem Grund entfalten die tragischen Aspekte der Handlung kaum eine emotionale Wirkung. Lachen kann man auch über hohle Figuren, weinen eher nicht.

Die Ausnahme ist der von Moritz Bleibtreu gespielte David Bermann, der, wohl um die Starpower des Schauspielers zu nutzen, einen Film im Film bekommt. Darin wird er von der amerikanischen Besatzungsbörde verdächtigt, im KZ mit der SS gekungelt zu haben. Die aberwitzige Geschichte, die er zu seiner Entlastung auftischt, hat ihren erzählerischen und philosophischen Reiz, bleibt aber vom übrigen Geschehen völlig isoliert und verpufft irgendwann ohne nachhaltigen Effekt.

So steht der Film am Ende ziemlich nackt da, und muss sich mit einer aufgesetzten Liebesgeschichte und einer unmotivierten Krimi-Einlage zum Abspann hangeln. Schade. Hier wäre mit etwas Mut zur Schärfe deutlich mehr drin gewesen.

Eingangs nette Schelmenkomödie, die sich erzählerisch verzettelt, und wenn’s ernst wird versagt.

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09.01.2017, 12:13 Uhr

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