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Katze im Sack

Liebe, Sex und Tod in Leipzig. Feine Stilübung über die Nacht in der Provinz.

Liebe, Sex und Tod in Leipzig. Feine Stilübung über die Nacht in der Provinz.

KATZE IM SACK
Deutschland

Regie: Florian Schwarz
Mit: Christoph Bach,Jule Böwe, Walter Kreye

- ab 0 Jahren

Tagblatt-Wertung

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24.11.2015

Chile 1973, Ruanda 1994, Irak 2003 – das ist nur eine Auswahl alter und aktueller weltpolitischer Brandherde, die momentan im Kino aufbereitet werden. Hier geht der Horrortrip nach El Salvador, wo das Militär mit Hilfe der USA in den achtziger Jahren einen brutalen Krieg gegen die Landbevölkerung geführt hat. Damals sorgte der Konflikt auch in Deutschland für Empörung (die „taz“ sammelte „Waffen für El Salvador“), danach geriet er schnell in Vergessenheit.

Nicht allerdings bei Oscar Torres, der seine Kindheit zwischen den Fronten zugebracht hat. Seine Erinnerungen hat der Hollywood-erfahrene Mexikaner Luis Mandoki („Message in a Bottle“) verfilmt. Der junge Chava, Torres‘ Alter ego, lebt mit seiner Mutter in einem zwischen Armee und Rebellen hart umkämpften Dorf. Der Film setzt kurz vor seinem zwölften Geburtstag ein – dem Datum, an dem Kinder zum Militär eingezogen werden, um künftig ihre eigenen Bekannten und Angehörigen zu massakrieren. In einer der stärksten Szenen trifft Chava einen alten Spielkameraden wieder, der in wenigen Monate zur Bestie in Uniform umerzogen wurde.

Ohne auf die Hintergründe einzugehen, zeichnet der Regisseur den Kriegsalltag aus Kindersicht nach: die Angst vor Zwangsrekrutierung und den allgegenwärtigen Maschinengewehr-Salven; die Lust an der Provokation der Soldaten; der Traum, sich den idealisierten Freiheitskämpfern in den Bergen anzuschließen; der kleine Freiraum im Techtelmechtel mit dem Nachbarsmädel; schließlich der mit Urgewalt hereinbrechende Massenmord. Mandoki zieht alle Register des Emotions-leitenden Hollywood-Kinos und verbindet sie mit einer äußerst kompromisslosen Darstellung der Entmenschlichung, die selbst vor Genickschuss-Terror gegen Kinder nicht Halt macht. Die Wirkung ist erschütternd. „Uns lief ein kalter Schauer über den Rücken, wir saßen da mit zugeschnürten Kehlen und wollten am liebsten nur nach Hause“, schrieb die Jugendjury der Berlinale – und gab dem Film zurecht den ersten Preis.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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11.04.2005

12:00 Uhr

steffen karl schrieb:

so rauschig kann deutsches Kino sein!
unbedingt reingehen!



25.03.2005

12:00 Uhr

Jim schrieb:

Absolut der Hammer!
Reingehen!



01.03.2005

12:00 Uhr

bernd sebnitzer schrieb:

absolut top



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