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Lass uns'n Wunder sein

Dokumentarfilm des Tübinger Kinobesitzers und Filmemachers Stefan Paul über die deutsche Rock-Ikone Rio Reiser.

Dokumentarfilm des Tübinger Kinobesitzers und Filmemachers Stefan Paul über die deutsche Rock-Ikone Rio Reiser.

Dokumentarfilm
Deutschland

Regie: Stefan Paul
Mit: R.P.S. Lanrue, Kai Sichtermann, Jörg Schlotterer, Jan Plewka

- ab 0 Jahren

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23.11.2015
  • Dorothee Hermann

Für den biografisch-musikalischen Abschluss seiner Rio-Trilogie holte Stefan Paul die Weggefährt(inn)en des legendären Frontmanns von Ton Steine Scherben (kurz: die Scherben) vor die Kamera. Konzertmitschnitte und Archivaufnahmen ergänzen das Musiker-Porträt. Den Rio-Live-Sound lieferte am späteren Abend der Tübinger Schauspieler-Musiker Heiner Kondschak nach.

Nicht alle der Freunde und Mitmusiker von einst wirken überzeugend: „Das Leben war total intensiv“ – etwas holprig versucht die Grünen-Frontfrau und ehemalige Scherben-Managerin Claudia Roth die Aufbruchsstimmung der frühen 70er Jahre zu beschwören. Stets ist die Reichtagskuppel eingeblendet, wenn sie spricht. Und Rio? „Der war schnell unterwegs.“

Jörg Schlotterer, bei den Scherben der Mann an der Querflöte, gibt sich feierlich-salbungsvoll wie in einer Eso-Selbsterfahrungsgruppe, um dann Allgemeinplätze wie diesen loszuwerden: „Rio, wie alle Menschen, hat viele Gesichter.“

Der Gitarrist R.P.S. Lanrue, wohl Rios engster Freund in der Band und Scherben-Urgestein, ist leider auch nicht der geborene Erzähler. „Das war schon ’ne außergewöhnliche Beziehung; also ständig fehlt der mir“, lautet sein Scherben- und Rio-Fazit. Später wird Lanrue mit Grabesmiene verkünden: „Rock’n’Roll ohne Sex ist auch schwer denkbar.“

Stefan Paul tritt im Film selbst auf, wenn auch unsichtbar. Er ist die Stimme aus dem Off, die die Überleitungen spricht und die chronologisch-politische Einordnung vornimmt, als plaudere er aus dem eigenen Familienalbum.

Die Band Ton Steine Scherben führt der Tübinger Kinobesitzer und Musikfilmer als „die absolute deutsche Kultband in den 70er und 80er Jahren“ ein. Vor dem Erfolg im brodelnden (West-)Berlin der Hausbesetzer-Zeit lag Tristesse. O-Ton Stefan Paul: „Deutscher Mief im Reihenhaus – da musste man schnell weg nach Berlin.“

Zur Rolle der Rockmusik für den Protest der APO hat Paul eine spezielle Theorie: „Vermutlich hat Jimi Hendrix für ’68 mehr Impulse gegeben als Rudi Dutschke mit seiner ewigen Aktentasche voller Theorie.“

Der Tübinger Auftritt der Scherben 1972 jedenfalls muss ziemlich eingeschlagen haben, berichtete Paul. Im Anschluss besetzten 400 Lehrlinge und Studenten ein altes Bankgebäude. Es wurde nach dem kurz zuvor von der Polizei erschossenen Lehrling Richard Epple benannt.

Vielleicht sind die Lyrics des späteren Rio doch nicht ganz zeitbeständig. „Träume verwehen, wenn niemand da ist, der sie träumen will“, zitierte Paul. „Ist Fresenhagen immer noch magische Ort, in dessen Mauern deutsche Protestgeschichte fortlebt? Ist das Anwesen Kult, oder nur Freak-Nostalgie?“

Fresenhagen war der Flucht-aus-Berlin-Bauernhof der Scherben in Schleswig-Holstein. Der Film will Intensität beschwören und (politischen) Aufbruch, landet aber bei schwurbeligem Sponti-Slang. Die ziemlich statische Bildsprache (redende Köpfe) konterkariert die politische Botschaft noch zusätzlich.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 21.07.2009, 12:00 Uhr

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