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Meine Frau, die Spartaner und ich

Klamaukige Kreuzung aus Familienkomödie und dem martialischen Sandalenepos "300".

Klamaukige Kreuzung aus Familienkomödie und dem martialischen Sandalenepos "300".

MEET THE SPARTANS
USA

Regie: Jason Friedberg, Aaron Seltzer
Mit: Sean Maguire, Carmen Electra, Ken Davitian, Kevin Sorbo

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

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23.11.2015

Die Berliner Philharmoniker sind „auf der Suche nach dem Einklang“, so der Untertitel des Orchesterporträts. 2005 hat „Rhythm is it“-Regisseur Thomas Grube das Ensemble auf einer Asien-Tournee begleitet. Einklang ist bitter nötig: Nach fünf Jahren unter Simon Rattle kriselt es bekanntlich. Auf der Suche nach neuen Formaten? Vor allem Filmprojekte in Hochglanz-Optik scheinen die Identität des Eliteorchesters in seinem 126. Jahr aufrechtzuerhalten. Kein Wort über künstlerische Traditionen, Selbstverständnis oder Interpretationsansätze.

Man tut sich schwer, den Film als Dokumentation zu bezeichnen. Zwar gibt er schonungslos Einblick, in Kurzinterviews beichten Orchestermitglieder ihre Versagensängste, den Griff zu Beruhigungsmitteln und Alkohol. „Ich musiziere, um geliebt zu werden“, meint eine, ihr Kollege: „Vielleicht ist das alles unmenschlich.“ Mitunter stilisieren sich die Philharmoniker als eine Art Hilfsprojekt für „Außenseiter“ und „Sonderlinge“: Der eine hat als Kind gestottert, der andere war unbeliebt. Nun aber sind sie „einer von ihnen“, auch wenn das Drill und Druck bedeutet: „jede falsche Note ein Todesurteil“.

Leider betreiben Orchester und Film eine kaum erträgliche Selbstmystifikation: Der Musiker als einsamer Märtyrer, der nie weiß, „ob und wann er die nächste Mahlzeit bekommt“. Dazu Durchhalteparolen und paramilitärisches Vokabular aus dem Orchester. Manchmal hat man den Eindruck, hier spricht eine Elitetruppe im Kriegseinsatz. Vielsagend das Programm: Strauss’ „Heldenleben“, Beethovens „heroische“ Napoleon-Symphonie „Eroica“. Rattle als charismatische Leidensfigur: in Selbstzweifeln, erschöpft, um Humor bemüht und hörbar verbittert.

Die Berliner Philharmoniker sind zweifellos eins der besten Orchester, die viel zu kurzen Konzertausschnitte, vor allem der Strauss, phänomenal. Aber mehr noch als die Selbststilisierung ärgert die reißerische Aufmachung: der dröhnend aufgeheizte Ethno-Soundtrack von Simon Stockhausen, die distanzlose Kameraführung, die im Schlusskonzert eine Bilderorgie inszeniert.

Auf der Suche nach neuen Märkten? Sicher nicht ohne Grund werden boomende asiatische Metropolen gezeigt, gigantische Skylines und 30 000 Zuhörer, die das Orchester wie Popstars feiern. Einst verlachte Außenseiter, nun Helden. „Hier weiß man zu schätzen, was wir machen“, meint ein Musiker überwältigt. Vielleicht ist es richtig, auch noch die letzten Illusionen über den Konzertbetrieb zu verlieren. Ob man sich danach noch guten Gewissens ein Spitzenorchester anhören mag, sei dahingestellt.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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