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Monster's Ball

Der beste Monster- und Liebesfilm seit "Frankenstein".

Der beste Monster- und Liebesfilm seit "Frankenstein".

MONSTER'S BALL
USA

Regie: Marc Forster
Mit: Billy Bob Thornton,Halle Berry

- ab 16 Jahren

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24.11.2015
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Ist dies der Film zum Antiamerikanismus? Gewiss: Er zeigt schonungslos ein lausiges Rechtssystem inklusive brutal vollstreckter Todesstrafe. Es lastet auf ihm eine bedrückende Atmosphäre dumpfer rassistischer Gewalt. Seine Hauptfigur gehört zur schlimmsten Sorte Mensch, die man sich jenseits von Adolf Nazi vorstellen kann: ein Redneck, der mitleidlos Todeskandidaten zum elektrischen Stuhl schleppt und sogar den Selbstmord des eigenen Sohns mit kaum mehr als einem Schulterzucken quittiert. Wahrlich ein Fest für Amerika-Hasser.

Andererseits ist dieser Film nicht nur in den USA entstanden, er wurde dort auch bejubelt. Halle Berry bekam den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle. In den Kinos spielte er für eine Independent-Produktion außerordentliche 30 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: In Deutschland würde ein Film, der ähnlich bedenkenlos das eigene Nest beschmutzt, bestenfalls in den Programmkinos versauern. Also: Hoch lebe Amerika!

Eigentlich ist dieser Erfolg ein Wunder, denn „Monster’s Ball“ hat so gut wie nichts, was man von einem Hollywoodfilm gewohnt ist. Schon die Geschichte ist äußerst absonderlich: Besagter Henker (Billy Bob Thornton) verliebt sich ausgerechnet in die dunkelhäutige Ehefrau seines letzten Opfers und behauptet diese Beziehung gegen alle Widerstände der Umwelt, unglückliche Verstrickungen und nicht zuletzt gegen den eigenen verinnerlichten Rassismus.

Doch auch das pathetische Südstaaten-Melodrama, das man aus diesem Stoff hätte machen können, wird man vergeblich suchen. Regisseur Marc Forster, ein seit 12 Jahren in den USA lebender Schweizer, gefällt es, dramatische Situationen fast schon provokativ undramatisch aufzulösen. Bestes Beispiel: Als der Vater des Henkers dessen Geliebte als „Niggerfotze“ bezeichnet, bricht nicht etwa ein hochnottragischer Vater-Sohn-Konflikt los. Der Alte kommt vielmehr ohne weitere Umstände ins Pflegeheim.

Ebenso ungewöhnlich ist die emotionsarme Sachlichkeit, mit der Forster die Annäherung des Paars protokolliert. Den ersten Sex der beiden (übrigens eine der besten einschlägigen Szenen der Filmgeschichte) filmt er zwar äußerst detailfreudig, zugleich aber aus merkwürdig distanzierten, von Stühlen und Tischen verstellten Blickwinkeln.

Inhaltlich ist das höchste Gut des Films sein Schweigen. Was die Figuren treibt, wird nicht lauthals herausposaunt, man muss es sich aus vielen Andeutungen von der Wohnungseinrichtung bis zu den Essgewohnheiten zusammenreimen. Kann ein leidenschaftlicher Totmacher sich zum einfühlsamen Liebhaber wandeln? Ein lebenslang gestählter Gefühlspanzer plötzlich aufbrechen? Und kann eine Frau den Hass auf den Henker ihres Mannes wirklich wegstecken? „Monster’s Ball“ zeigt die rohen Fakten und überträgt die Verantwortung der Interpretation auf die Zuschauer. Die haben, noch lange nach dem Ende des Films, daran zu knabbern.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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