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Al Qods Fee Yom Akhar
Israel/Palästina

Regie: Hany Abu-Assad
Mit: Clara Khoury,Khalifa Natour, Ismael Dabbag

- ab 0 Jahren

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24.11.2015
  • Ulla Steuernagel

„In Wirklichkeit ist es noch viel schlimmer“, sagt Yazan Abu-Ali, ein palästinensischer Student, der zur Pressevorführung ins Kino Arsenal gekommen ist. Aber er erkennt vieles wieder, nicht zuletzt seinen Onkel Khalifa Natour, einen bekannten Theaterschauspieler. „Er spielt den Mann, der für Rana der Richtige ist“, erklärt er vor dem Film. Danach sagt er lächelnd: „Typisch Onkel!“ Vor allem einer Szene wegen, bei der sein Onkel in der Rolle als Khalil vor einer Überwachungskamera Faxen macht, einer der witzigsten Momente von „Rana‘s Wedding“.

Und so läuft der Film noch ein wenig weiter, wenn Neffe Yazan vom Onkel erzählt, dem er beim Festival im Heimatdorf einmal auf der Bühne assistieren musste. Dem 11-Jährigen versicherte er: „Du musst gar nichts machen, nur dasitzen!“ Während des Dasitzens hielt der Onkel dann einige Überraschungen bereit, zerriss plötzlich sein Hemd, schlug ihn zum Schein. Aber Yazan hielt durch, er saß nur da.

Eine romantische Liebesgeschichte ist „Rana’s Wedding“ gewiss nicht. So wenig Küsse führten im Kino wahrscheinlich noch nie zur Hochzeit. Aber in einer Welt, in der Plastiktüten mit Plüschtieren als mutmaßliche Bombenverstecke gesprengt werden, in der Kinder mit Steinen auf Grenzposten werfen und von genervten Militärs angeschossen werden, ist kein Platz für romantische Liebesgeschichten.

Und so geriet „Rana‘s Wedding“, eigentlich als Lovestory vom Palästinensischen Kultusministerium in Auftrag gegeben, ihrem Regisseur Hany Abu-Assad unwillkürlich zum Dokumentarspiel im militarisierten und gewalttätigen Alltag von Jerusalem und Ramallah. Der Regisseur des mit etlichen Preisen dekorierten Filmes meint dazu: „Wenn Absperrungen und Besetzung Alltag werden, verwandeln sich normale Dinge wie Liebe und Heirat, in Fiktion. So ist das Leben Palästina.“

Die Stärke des Films liegt nicht so sehr in seiner Geschichte. Die ist vor allem ein Rennen gegen die Uhr. Ranas Vater will nach Ägypten auswandern, Rana aber im arabischen Teil Jerusalems bleiben, weil sie einen Mann liebt, den ihr Vater nicht auf seiner Liste tauglicher Heiratskandidaten führt. Rana muss einige Straßensperren hinter sich lassen, einige Checkpoints überqueren, bis sie am Ziel ihrer Wünsche anlangt. Während Braut und Bräutigam im VW-Käfer den Papieren zur Legalisierung ihrer Liebe hinterher jagen, rauschen zerstörte Häuser vorbei, türmen sich Autowracks am Straßenrand auf, laufen Soldaten Patrouille, zielen Gewehrmündungen auf Passanten und ziehen Beerdigungsprozessionen vorbei. Man bekommt so eine Ahnung von der Normalität der Welt hinter den täglichen Fernsehnachrichten.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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