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MILK
USA

Regie: Gus Van Sant
Mit: Sean Penn, Emile Hirsch, Josh Brolin, James Franco, Diego Luna

- ab 0 Jahren

Tagblatt-Wertung

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23.11.2015

Von Dorothee Hermann

Als Harvey (Sean Penn) irgendwo in New York mit Scott (James Franco) flirtet, ist niemand in der Nähe. Anfang der 70er Jahre gilt Homosexualität noch als anrüchig bis strafbar; die Polizei macht brutale Razzien in Schwulen-Treffs. Die selbstverständliche Intimität der beiden Männer, ihr einander und den Zuschauer bezauberndes Lächeln ? das ist im Hollywood-Kino trotz „Brokeback Mountain? bis heute selten zu sehen.

Regisseur Gus Van Sant („Elephant?) hat aus der Biografie des schwulen Aktivisten Harvey Milk ein amerikanisches Mainstream-Epos gemacht. Das ist historisch berechtigt, denn der Film zeigt auch, wie viel Liberalisierung die gesamte US-Gesellschaft den Kämpfer(inne)n für gleiche Rechte für Schwule (und Lesben) verdanken dürfte, denen vom Gesetz Gottes und den ewigen Werten der Familie salbadernde Evangelikale und gewaltbereite homophobe Machos gegenüberstanden.

Von Anfang an ist klar, dass es das übliche glückliche Mainstream-Ende für Harvey nicht geben wird. Immer wieder sieht man ihn allein in seiner Wohnung auf ein Tonband sprechen, „nur abzuhören im Falle eines Attentats?, als würde er seine Geschichte für den Film selbst noch einmal erzählen. Die Isolation des Berichtenden ist eine Vorausdeutung darauf, was seine politische Karriere ihn zuerst kosten wird: das private Glück.

Scott und Harvey gehen nach San Francisco, weil sie sich nicht länger verstecken wollen. Auch an der Westküste ist es nicht so, als ob die Szene dort einfach schon wartete. Gesellschaftliche Veränderungen, die so vielen Leuten Angst machen, kommen nicht von selbst. Von ihrem Fotoladen im Castro-Viertel knüpft Harvey Kontakte mit Gewerkschaftern, Senioren, Hippies und dem misstrauischen Kneipenbesitzer von gegenüber.

Als Polizisten mit Schlagstöcken die Schwulen aus der benachbarten Bar Toad Hall wie Verbrecher verfolgen, denkt Harvey an „eine politische Vertretung wie die Schwarzen?. Er braucht mehrere Anläufe, um es in den Stadtrat von San Francisco zu schaffen. Scott verabschiedet sich, weil er Harveys Wahlkampffieber nicht länger erträgt. Das politische Klima verfinstert sich. Insofern gibt der Film der im Rückblick häufig verklärten Aufbruchseuphorie der 70er eine ziemlich nüchterne Dimension. Harveys Mörder ist für einen Moment nur einer aus einer schweigenden Mehrheit, deren Mentalität schon im nächsten historischen Augenblick niemand mehr teilen möchte. Sex vor der Kamera hat allerdings keiner der Film-Schwulen ? als wäre das für den Mainstream bis heute zu viel.

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Erstellt:
23. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Juli 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2009, 12:00 Uhr

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Herr Husemann 20.03.200912:00 Uhr

Grossartig, bewegend...

Gaby Glockner 26.02.200912:00 Uhr

Grandiose schauspielerische Leistung von Sean Penn!
Rest ist auch OK, aber nicht so mitreißend wie die Story eigentlich hergegeben hätte.