Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
45 Sekunden, die betroffen machen
Kinospot gegen Vergewaltigung

45 Sekunden, die betroffen machen

Ein Kino-Spot soll jungen Männern vor Augen führen, was sie mit sexueller Gewalt anrichten.

27.10.2016
  • PETRA WALHEIM

Konstanz. Der Spot, der künftig im Vorprogramm vieler Kinos im Land laufen wird, beginnt harmlos. Ein junger, sympathisch wirkender Mann spricht in die Kamera. Er habe die Anna schon immer „heiß“ gefunden. Dann habe sie ihn eingeladen. „War klar, was sie eigentlich will.“ Der Zuschauer sieht, wie beide in einer Küche stehen. Er bedrängt sie. Sie wehrt sich, hat aber keine Chance. Der Mann wirft sie brutal auf den Küchentisch und vergewaltigt sie. „Das haben wir beide gebraucht“, sagt er. „Das war schon – geil.“ Das letzte Bild zeigt die Frau weinend auf dem Tisch liegen.

Im Kinosaal des CineStar in Konstanz ist es mucksmäuschenstill. Die Zuschauer, die gestern zur Präsentation des Spots gekommen waren, sind betroffen, fast schockiert. Der Spot ist 45 Sekunden lang, hat es aber in sich. Er ist Teil und Start der „Kampagne gegen sexuelle Nötigung und Vergewaltigung“, die die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbeauftragten des Landes initiiert hat. Das Sozialministerium unterstützt das Projekt.

Mit dem Spot soll jungen Männern bewusst gemacht werden, was sie anrichten, wenn sie Frauen sexuell belästigen. „Wenn die Männer nach dem Spot erkennen, dass sie so nicht sein möchten und das keiner Frau antun wollen, ist schon viel gewonnen“, sagt Andreas Bechtold, Professor für Timebased Design an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. Er hat Studierenden die Produktion des Kino-Spots als Projekt angeboten.

Auf den Weg gebracht haben die Kampagne Veronika Wäscher-Göggerle, Frauenbeauftragte des Bodenseekreises, und Christa Albrecht, Leiterin der Chancengleichheitsstelle der Stadt Konstanz. Veronika Wäscher-Göggerle hatte sich im Frühjahr 2014 die Polizeistatistik des Bodenseekreises angeschaut und war „unglaublich betroffen“, weil die Zahl der Vergewaltigungen erneut gestiegen war – und die Täter immer jünger wurden. „Ich wollte etwas unternehmen.“ Am Ende vieler Gespräche und Überlegungen stand der Kino-Spot. „Damit erreicht man die jungen Leute am ehesten.“

Es ist damit zu rechnen, dass der Spot, der zwischen Eis- und Cola-Werbung läuft, die Kinobesucher ebenfalls betroffen macht. Denn er zeigt, dass Vergewaltiger sich nicht nur in dunklen Ecken auf Zufalls-Opfer stürzen. Die Vergewaltigung in diesem Spot geschieht in einer Küche, an einem Ort, an dem man sich sicher und geborgen fühlt. Der Vergewaltiger ist ein Bekannter der Frau. Die Frau ist weder aufreizend gekleidet, noch macht sie den Mann an. „Wir wollten mit dem Film auf keinen Fall die üblichen Klischees bedienen“, sagt Lilian Schurhammer, eine der Studierenden. Die Filmmacher haben sich viel Arbeit gemacht. „Je tiefer wir in das Thema eingetaucht sind, umso schlechter ging es uns.“ Die Statistik sagt, dass in Deutschland pro Jahr 8000 Vergewaltigungen angezeigt werden. „Die Dunkelziffer ist aber noch immer extrem hoch“, sagt Veronika Wäscher-Göggerle.

Info Den Film findet man unter: https://datastore.konstanz.info:5001/sharing/jwlB4FRTd

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.10.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige