Bürgerentscheid Bohlstraße: Nehrener wollen freie Fahrt

70 Prozent stimmten in Nehren gegen die Sperrung des Platzes zwischen Schwanen und Bürgerhaus

Die Bohlstraßen-Platz-Gegner haben in Nehren die Oberhand behalten. 70 Prozent stimmten dafür, dass die Bohlstraße nicht gesperrt wird. Die Beteiligung lag bei 52 Prozent.

15.04.2018

Von Eike Freese

70 Prozent gegen den Platz-Plan: Nehrens Bürgermeister Egon Betz (vorne) verkündet das Ergebnis des Bürgerentscheids am Sonntagabend am Rathaus. Großer Jubel daraufhin bei den Sperrungs-Gegnern (links), Enttäuschung bei den Platz-Freunden (rechts). Betz, selbst Platz-Befürworter, wertete das Ergebnis zumindest formal positiv: Das Kräfteverhältnis bei der Abstimmung mache den Wähler-Auftrag ganz deutlich.Bild: Franke

70 Prozent gegen den Platz-Plan: Nehrens Bürgermeister Egon Betz (vorne) verkündet das Ergebnis des Bürgerentscheids am Sonntagabend am Rathaus. Großer Jubel daraufhin bei den Sperrungs-Gegnern (links), Enttäuschung bei den Platz-Freunden (rechts). Betz, selbst Platz-Befürworter, wertete das Ergebnis zumindest formal positiv: Das Kräfteverhältnis bei der Abstimmung mache den Wähler-Auftrag ganz deutlich.Bild: Franke

Applaus und Jubelrufe bei den Gewinnern – tiefe Enttäuschung und Wut bei den Verlierern der Abstimmung: 1229 und damit 70 Prozent der Wähler votierten am Sonntag dafür, dass der Gemeinderat seinen ursprünglichen Plan zurückzieht, die Nehrener Bohlstraße an der Ecke zur Hauptstraße zu sperren und dort einen Platz einzurichten. Das und die unerwartet hohe Wahlbeteiligung von 52 Prozent sorgte für klare Verhältnisse, als Bürgermeister Egon Betz das Ergebnis vor einer Schar von knapp 100 Engagierten hinter dem Rathaus verkündete.

Damit endet vorerst ein teils erbittert geführter Streit im Dorf, den so kaum jemand vorhergesehen hatte. Anfang Dezember hatte der Nehrener Gemeinderat nach mehrstündiger Debatte mehrheitlich beschlossen, die Bohlstraße zwischen Schwanen und Bürgerhaus auf einem Teilstück vom Autoverkehr zu befreien und einen Platz daraus zu machen. Schnell regte sich damals Widerstand in Teilen der Bevölkerung. Gegner sammelten über 500 Unterschriften und sorgten so dafür, dass die Frage „Platz oder nicht?“ in einem Bürgerentscheid noch einmal gestellt werden sollte. Im Vorfeld der Entscheidung gab es dann engagierte Werbe-Kampagnen beider Seiten, in denen mit Flugblättern, Vor-Ort-Aktionen und viel Presse-Arbeit getrommelt wurde. Gemeinderatssitzungen und Info-Abende wurden gleichermaßen in die Nehrener Turn- und Festhalle verlegt, um dem großen Interesse im Dorf Rechnung zu tragen. Hier und auch im Internet wurde die Debatte oft in schärfstem Ton geführt.

„Das Ergebnis ist deutlich und eine super Sache“, freute sich FWV-Rat Gerd Klett, der gegen die Platz-Idee gestimmt hatte. Die hohe Wahlbeteiligung wunderte ihn nicht: „Das ist ein Verkehrsthema, da sind die Leute immer voll bei der Sache“, so Klett. Der Stil der Debatte bei manchen Platz-Gegnern habe auch ihn gestört („Das ging ins Persönliche und Verschwörungstheoretische“), die große Mehrheit aber sei auf dem Weg der Argumentation zusammengekommen.

SPD-Rätin Tanja Schmidt zeigte sich enttäuscht vom Ergebnis und von der Debattenkultur der vergangenen Wochen: „Die Diskussion über einen Platz ist jetzt zwar erstmal zuende, aber eine Narbe bleibt.“ Schmidt bezweifelt wie andere, dass das Platz-Thema allein die Diskussion so eskalieren ließ.

CDU-Rat Karl Heinz Nill begrüßte das Votum in seiner Deutlichkeit und sagte „Das Wichtigste ist nun, dass wieder Ruhe einkehrt im Ort.“ Es gebe in Nehren Menschen, die „verletzt und gehetzt haben“, kritisierte Nill. Das Ergebnis nun könne er gut annehmen, obwohl er im Gremium für den Platz gestimmt hatte.

Auch Egon Betz, einer der Platz-Befürworter, zeigte sich froh über das deutliche Ergebnis, kritisierte aber die Form der Auseinandersetzung, die auch durchschaubare Verleumdungen gegen den Gemeinderat als Ganzes beinhaltet hatte. „Die Damen und Herren vom Gemeinderat“, so Betz sichtlich bewegt, „haben es verdient, dass Sie Ihnen Vertrauen schenken.“

Montagvormittag noch wird die Bohlstraße geöffnet

Die Gemeindeverwaltung setzt das Abstimmungsergebnis gleich am Montagfrüh in die Tat um: Die Bohlstraße wird (zunächst) wieder zu der Tempo-30-Straße, die sie zuvor schon war. Möglichst bald, wohl noch im April, wird der Gemeinderat dann darüber entscheiden, wie der Straßenabschnitt künftig gestaltet wird. Ein Verkehrsplaner sprach sich jüngst für eine „verkehrsberuhigte Zone“ (auch „Wohnstraße“) aus. Auch unter Platz-Gegnern gibt es Befürworter dieser Lösung.

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Erstellt:
15.04.2018, 20:13 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 36sec
zuletzt aktualisiert: 15.04.2018, 20:13 Uhr

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