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Abschied mit schwierigen Höhen
90 Mitwirkende und kein freier Sitzplatz: Selten war die Entringer Michaelskirche so voll wie beim Adventskonzert am Sonntag. Zum fünften und letzten Mal hatte Reinhold Bauer mit dem Ammerbucher Kammerorchester, dem Entringer Kirchenchor und etlichen Solisten dafür das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach einstudiert. Bild: Faden
Adventskonzert

Abschied mit schwierigen Höhen

Bachs Weihnachtsoratorium in der Entringer Michaelskirche war zugleich der letzte große Auftritt von Reinhold Bauer als Dirigent.

06.12.2016
  • Simone Werner

Kommen Sie mit, ich mach‘ Ihnen hinten im Chorraum Platz“, forderte ein Mann die Leute auf, die beim Adventskonzert am Sonntag im hinteren Teil der Entringer Michaelskirche dicht nebeneinander standen. Schon Minuten bevor das erste Stück von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium ertönen sollte, waren auch auf der Empore alle Sitzplätze besetzt.

Einige wenige Konzertgäste, die den Ansturm auf das Advents-Event des Ammerbucher Kammerorchesters und des Entringer Kirchenchors offensichtlich unterschätzt hatten, drehten direkt wieder um. Andere machten es sich auf ihren Jacken auf dem Kirchenboden und der Treppe, die zur Empore hoch führt, bequem. Das Programmblatt ließ schließlich erahnen, dass das Konzert eine gute Weile dauern würde.

„Jauchzet, frohlocket!“, eröffneten die Musiker unter der Leitung von Reinhold Bauer wenig später feierlich das bekannte Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. 1734 schrieb Bach das sechsteilige Werk für die Leipziger Weihnachtsgottesdienste. In Entringen konnten Konzertbesucher am zweiten Advent den Teilen I bis III und dem Schluss von Teil VI lauschen. An drei Stellen im Programm durften sie sogar selbst mit anstimmen.

In Bachs Oratorium wird in den Rezitativen die neutestamentliche Weihnachtsgeschichte erzählt, beginnend mit der bekannten Volkszählung. Darüber hinaus besteht das Werk aus festlichen Eröffnungs- und Schlusschören, weihnachtlichen Chorälen und von Gesangssolisten dargebotenen Arien.

Chor- und Orchesterleiter Bauer hat Bachs Weihnachtswerk zum ersten Mal 1984 mit Musikern einstudiert. Dann nochmals 1985, 2000, 2008 und für den vergangenen Sonntag. Noch nie sei die Gruppe so groß gewesen wie in diesem Jahr, berichtet der Entringer. 90 Mitwirkende hat der 65-Jährige, der seit 1973 dort Chorleiter ist, dieses Mal angeleitet. Seit Mitte September wurde geprobt.

Schwierigkeiten, die das Weihnachtsoratorium mit sich bringe, sind laut Bauer „die Höhen im Sopran und Tenor“. Darüber hinaus müsse man aufpassen, dass die Tempi nicht zu schnell genommen werden.

Damit das Konzert nicht zu langwierig wird, habe er beim letzten Teil einiger dreiteilig aufgebauter Arien bewusst gekürzt. „Hat man gar nicht gemerkt, oder?“, scherzte er im Gespräch mit dem TAGBLATT. „Das war nötig, denn sonst würden wir jetzt immer noch jauchzen.“

Fast eineinhalb Stunden dauerte die Darbietung. Nach dem letzten Stück herrschte einen Moment lang Stille. Die Musiker inklusive Dirigent verharrten kurz. Kommt da noch was? Nein. Das war’s. Großer Beifall brach daraufhin aus. Er hielt so lange an, bis alle Dankes-Rosen an die Musikerinnen und Musiker verteilt waren. Viele Zuhörer erhoben sich, machten mit ihren Handys Fotos. „Es war sehr schön“, „Danke“, „Gut gespielt“, wurde am Ausgang gelobt.

Das Konzert war Bauers letztes größeres Projekt. Eine Nachfolgerin (Christina Grünler) ist schon gefunden. „Stabübergabe ist zum Beginn des neuen Jahres“, so der 65-Jährige. Ganz aufhören wird der Musikliebhaber jedoch nicht: „Ich werde weiterhin im Chor singen – wenn ich nicht zu viel reinschwätze“.

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06.12.2016, 01:00 Uhr

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