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19.02.2016

Von JANNIK JASCHINSKI

Tübingen. Ausgesprochen entspannt erscheint Alina Cyranek zum TAGBLATT-Interview. Seit letzter Woche ist die Finanzierung ihres Filmprojekts „Ein Haufen Liebe“ gesichert. Das Crowdfunding im Internet läuft zwar noch bis Sonntag, doch der Zielbetrag an Spenden ist erreicht. Somit könnten Grafiker und Musiker bezahlt werden. Aber auch für Gelder, die jetzt noch eingehen, hat Cyranek eine gute Verwendung: „Die Einreichgebühren für Festivals sind sehr teuer.“

Eine junge, in Leipzig wohnende Filmemacherin dreht bereits ihren zweiten Dokumentarfilm über eine Tübinger Theatergruppe, bestehend aus älteren Frauen. Das hört sich abstrus an, die Zusammenarbeit entstand aber aus beidseitigem Interesse. Zum einen kann Cyranek im Gespräch mit den Purpurfrauen und bei der Begleitung der Proben ihrer Passion nachgehen: „Ich mag so gern alten Leuten zuhören“, sagt die in Sigmaringen Aufgewachsene. Das ersetze ein wenig die „Geschichten von früher“ ihrer Großeltern, welche sie nie richtig kennengelernt habe.

Zum anderen sei es für die teils schon etwas betagten Frauen (die älteste zählt immerhin 90 Jahre) eine ganz neue Möglichkeit, sich zu entfalten. „Es ist auch ein soziales Projekt“, sagt Cyranek. Es ist ihr erster abendfüllender Film, und in 80 bis 90 Minuten „kommt man inhaltlich in ganz andere Tiefen“ als bei Kurzfilmen.

Seit Mai 2014 begleitet die 36-Jährige die Schauspielerinnen bei ihren Proben für das gleichnamige Theaterstück, mittlerweile seien über 90 Prozent der Aufnahmen im Kasten. Gerade durch die lange Zeitspanne sind für „Ein Haufen Liebe“ bewegende Geständnisse und Worte der Selbsterkennung zusammen gekommen. „Die Liebe in ihrem Leben zu erkunden“, machen sich die Frauen auf – so fasst der bereits veröffentlichte Trailer die Handlung des Films zusammen, der von der Liebe der Schauspielerinnen früher und heute, den Männern und neuen Herausforderungen im Alter handelt.

Um den Film beim Internationalen Dokumentarfilm-Festival in Amsterdam einreichen zu können, muss bis spätestens 1. August alles fertig sein. „Das reicht auch“, ist sich Cyranek sicher. Bei anderen Festivals soll der Film ebenfalls an den Start gehen. Der Traum der Produzentin ist aber ein anderer: „Wenn der Film ins Kinoprogramm kommen würde, wäre das natürlich der Wahnsinn.“ Andernfalls wird sie ihn wohl einzelnen Kinos quer durch Deutschland für einen Filmabend mit Diskussion anbieten, oder auch in Altersheimen zeigen.

Bei der Vermarktung des Filmes zeigt sich Alina Cyranek genauso nämlich ideenreich wie bei der Suche nach neuen Projekten. Um im wenig ertragreichen Filmgeschäft über die Runden zu kommen, müsse man sich in verschiedene Richtungen umschauen. Sie gibt Filmworkshops und erledige auch gerne Auftragsarbeiten für Firmen: „Ich bin mir nicht zu schade, was über eine Baustelle zu machen.“ Neben dem Projekt „Ein Haufen Liebe“ versucht sie sich gerade an einem klassischen Zeichentrickfilm. JANNIK JASCHINSKI

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Erstellt:
19. Februar 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Februar 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2016, 01:00 Uhr

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