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Terroraufklärung

Attentäter wohnte unauffällig in der Moosstraße

Der mutmaßliche Attentäter von Dortmund, Sergej W., kommt aus Freudenstadt. Seine Wohnung im Gebäudekomplex Moosstraße 13 war gestern Schauplatz von Ermittlerteams des BKA und eines breiten Medieninteresses.

22.04.2017
  • Siegfried Schmidt

Die Ereignisse überschlugen sich gestern förmlich. Nachdem der dringend verdächtige Täter des Bomben-Anschlags auf den Mannschaftsbus des Bundesligateams Borussia Dortmund gestern Morgen in der Nähe von Tübingen festgenommen werden konnte, konzentrierten sich zeitgleich die weiteren Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen auf seine Wohnung in der Freudenstädter Innenstadt.

Laut Angaben der Bundesanwaltschaft hat Sergej W. hier seine gemeldete Wohnadresse und verbrachte in dem Gebäude offenbar ein unverdächtiges, eher unauffälliges Leben. In der Heinrich-Schickhardt-Schule hat der heute 28-Jährige seine Ausbildung als Elektroniker gemacht und zum Abschluss der Schullaufbahn im Sommer vor zwei Jahren sogar einen Schulpreis für den Ausbildungsgang Elektroniker Betriebstechnik errungen. Zuletzt hat W., dessen Familie aus dem Ural stammt, in einem Tübinger Heizwerk gearbeitet.

Vor seiner Wohnadresse in dem langgestreckten Wohn- und Geschäftshaus in der Moosstraße, schräg vis-à-vis vom Stadtbahnhof waren gestern eine ganze Wagen-Armada des Bundeskrimimalamts sowie Mannschaftswagen der Polizei vorgefahren. Fast ein Dutzend Fahrzeuge mit Wiesbadener und anderen Kennzeichen parkte auf dem städtischen Parkplatz davor. Die Kriminalbeamten bewachten den Zutritt zu dem Reihenhaus-Abschnitt und stellten offenkundig hinter zugezogenen Gardinen in der Wohnung des Beschuldigten umfangreiches Beweismaterial sicher. Nur Bewohner hatten überhaupt, nach entsprechender Ausweisung, Zugang ins Hausinnere. Sicherheitsbeamte passierten immer wieder den Hauseingang, die Spurenfahnder waren stundenlang beschäftigt.

Dass der Attentäter aus Freudenstadt stammt, machte in der Medienszene rasch die Runde. Kamerateams von RTL/NTV und von ARD/SWR trafen schon kurz nach Mittag vor dem Haus in der Moosstraße ein und harrten mit Kameras im Anschlag auf den Lauf der Dinge. Nur wenige Bewohner aus der Nachbarschaft von Sergej W. tauchten auf der Bildfläche auf. „Hallo, was ist denn passiert?“, fragte eine Frau mit ihrer Tochter an der Hand verwundert die TV-Reporterin.

Der Hausmeister des Wohnblocks kam schließlich den Bitten der auf Interviews erpichten Medienvertreter nach und schilderte einige seiner Wahrnehmungen beim Umgang mit dem mutmaßlichen Bombenleger. Er zeichnete dabei das Bild eines „ganz ruhigen Typs“, bei dem er sich nicht vorstellen könne, dass dieser in eine solche Verbrechenstat verstrickt sein könne. Sergej W. sei äußerlich anständig aufgetreten, habe nicht viel geredet. Dass der junge Mann etwas Schlechtes im Schilde führt, darauf hätte man nicht kommen können.

Der Anschlag gegen den Mannschaftsbus in Dortmund am 11. April spricht dagegen eine völlig andere Sprache. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Freudenstädter versuchten Mord durch Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gefährliche Körperverletzung vor. Die Sprengkraft der Bomben sei verheerend angelegt gewesen. Nur durch die etwas verfehlte Platzierung der mittleren der drei Detonationskörper sei das BVB-Team einer Katastrophe entgangen.

Nach allem, was man mittlerweile über die Perfidie des Anschlagsszenarios in Dortmund weiß, wo ausgeklügeltes Mordkalkül und Habgier walteten, herrschte gestern in Freudenstadt in vielen Kreisen ungläubiges Kopfschütteln und auch tiefsitzendes Schockiertsein.

Der Freudenstädter OB Julian Osswald lehnte gestern eine Kommentierung der Ereignisse um die Festnahme des mutmaßlichen Attentäters ab. Für alle Infos sei in diesem Fall die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe zuständig, so der OB in seiner kurzen Replik.

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22.04.2017, 01:00 Uhr

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