Horb · Jahrhundertprojekt

Baustellenstopp beim Pfeilerbau

Warum sechs Bolzen beim Betonieren eines Querträgers bei der Horber Hochbrücke sich aus der Schalung lösten, ist weiterhin nicht bekannt.

22.02.2024

Von Dagmar Stepper

An einer Seite der Schalung des Querträgers haben sich am Rosenmontag sechs Bolzen gelöst. Bild: Karl-Heinz Kuball

An einer Seite der Schalung des Querträgers haben sich am Rosenmontag sechs Bolzen gelöst. Bild: Karl-Heinz Kuball

Ein seltsames Geräusch“ hören Arbeiter beim Betonieren eines Querträgers bei einem Pfeiler der Horber Hochbrücke am Rosenmontag gegen 11 Uhr. So formuliert es Michael Lumpp, Leiter des Baureferats beim Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe. Das Geräusch rührte von einem abgebrochenen Bolzen der Schalung. Dieser Teil der Baustelle auf 25 Metern Höhe wurde sofort evakuiert, sieben Mitarbeiter waren dort tätig. „Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert, darüber sind wir dankbar und froh“, sagt RP-Projektleiter Jörg Pfeifle. Es gab keine Toten und Verletzten, alle hätten professionell gehandelt. Die Bahnlinie und der Neckartalradweg wurden eine Stunde später nach dem Vorfall gesperrt.

Traggerüst senkte sich

In der Nacht von Rosenmontag auf Dienstag fielen weitere fünf Bolzen von der Schalung ab, damit war sie auf einer Seite nicht mehr fixiert, das Traggerüst senkte sich um zehn Zentimeter. „Die Ursachen kennen wir nicht“, bekannte Lumpp beim Pressegespräch zehn Tage danach. Die ausführende Firma Porr arbeite aber mit Hochdruck an der Ursachenforschung und am Sicherheitskonzept. Wann Ergebnisse vorliegen werden, kann Lumpp nicht sagen.

Dieser Teil der Baustelle der Horber Hochbrücke ist noch immer gesperrt, die Statik wird untersucht, es ist der erste Querträger beim Bau der Hochbrücke. Etliche werden noch folgen. Die Querträger werden an die Brückenpfeiler festbetoniert, dafür wird flüssiger Beton in die Schalung gepumpt; die Bolzen stützen die Schalung. Sie sind aus Stahl mit einem Durchmesser von 40 Zentimeter und ragen rund 40 Zentimeter in den Beton ein. Dass Materialmangel Schuld daran ist, dass die Bolzen abgefallen sind, schließt Lumpp aus: „Das ist kein China-Billig-Zeugs“, betont der Referatsleiter.

Die Baufirma Porr untersuche die Statik, sie werden vom RP ebenfalls geprüft. „Da schauen mehr als vier Augen darauf“, sagt Lumpp. 150 Tonnen Beton hat ein Querträger. Das Sicherheitskonzept untersuche, wie gut der Träger belastbar sei. Eigentlich ist geplant, dass in zwei Wochen der nächste Querträger ab einem anderen Betonpfeiler betoniert wird. Das ist jetzt aber erst mal auf Eis gelegt. Wie lange die Bauverzögerung andauere und über mögliche Ursachen will Lumpp nicht spekulieren. „Darüber will ich keine Prognosen abgeben“, sagt er am Donnerstag beim Pressegespräch. Die metallologischen Untersuchungen laufen. Ob das Bauunternehmen Porr ein Alternativkonzept in Erwägung ziehe, könne man erst sagen, wenn klar sei, warum die Bolzen abgebrochen sind.

Mit den abgebrochenen Bolzen wurden auch die Bahnlinie und der Rad- und Fußgängerweg aus Sicherheitsgründen gesperrt. Betroffen sind die Linien zwischen Pforzheim-Horb-Tübingen und Horb-Tübingen-Stuttgart, wobei auf der Gäubahn derzeit ohnehin Schienenersatzverkehr herrscht. Wie Lumpp mitteilt, könne aus Sicht des Regierungspräsidiums die Bahnstrecke kommende Woche freigegeben werden. Eventuell auch der Fuß- und Radweg. Dieser wird laut Lumpp gerade 24 Stunden von einem Wachdienst abgesperrt, damit niemand den Weg betritt oder befährt.

Ob der Teilbaustopp der Baustelle zu ernsthaften Verzögerungen bei der Fertigstellung der Hochbrücke führt – sie ist für Ende 2026 geplant – auch dazu kann der Referatsleiter nichts sagen. „Wenn wir das Warum wissen, dann können wir über die Bauzeit sprechen“, sagt Lumpp. Udo Pauly, der Pressesprecher der Baufirma Porr äußerte sich vergangene Woche folgendermaßen: „Ich bin nicht total beunruhigt.“

Andere Arbeiten gehen weiter

Der Porr-Pressesprecher weist auch darauf hin, dass derweil die anderen Arbeiten weitergehen: Beim Pressegespräch am Donnerstag informiert RP-Projektleiter Pfeifle über die aktuellen Baufortschritte. An der Nordstetter Seite werden Querträger aus Stahl für die spätere Straße eingebaut. Sie werden als Fertigteile geliefert. Danach werden sie mit den Längsträgern verbunden. Abschnittsweise rückt der Bautrupp so in Richtung Rauschbart heran.

Auf der Rauschbart-Seite werden derzeit am Haugenloch neue Wasser- und Abwasserkanäle verlegt. Die vorhandenen Kanäle sind beim Bau der Serpentinenstraße im Weg. Wie gegenüber auf der Nordstetter Seite werden Baustraßen über sechs Plattformen gebaut. Nächste Woche ist für diesen Teil die Angebotseröffnung, das RP schätzt, dass Mitte März für diesen Bauabschnitt der Bauherr feststeht. Damit geht dann die mehrmonatige Sperrung der Bundesstraße einher. Laut Lumpp soll sie Anfang April beginnen und sich bis Ende September ziehen. Damit ist sie während der zwei großen Feste der Stadt „Horber Frühling“ im April und „Unsere Stadt feiert“ im September gesperrt.

Die Umleitungen bei der mehrmonatigen Vollsperrung orientieren sich an der zweiwöchigen Testphase im Januar. Da war die B32 zwei Wochen dicht. So wird beispielsweise der Verkehr von Richtung Eutingen kommend auf dem Hohenberg über Rexingen in die Kernstadt geleitet. Die Einbahn-Regelung und das Parkverbot in der Altheimer Straße wird dann auch wieder gelten. Lediglich an der Beschilderung soll nachjustiert werden, informiert RP-Sachgebietsleiter Alexander Merz. So sollen mehr Schilder auch an anderen Standorten aufgestellt werden. „Grundsätzlich gab es aber ein sehr positives Resümee während des Testlaufs“, sagt Merz.

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Erstellt:
22.02.2024, 13:45 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 25sec
zuletzt aktualisiert: 22.02.2024, 13:45 Uhr

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