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Bewerbungsfotos nur optional
Das gewohnte Bild: Der tabellarische Lebenslauf mit Bewerbungsfoto oben rechts. Doch ist das überhaupt noch nötig? Bild: Kuball
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Bewerbungsfotos nur optional

In manchen Ländern sind Bilder im Anschreiben sogar verboten. Die SÜDWEST PRESSE hat sich umgehört, wie hiesige Firmen damit umgehen.

05.10.2016
  • Fabian Schäfer

Für viele ist es bis heute eine Selbstverständlichkeit: Neben dem Lebenslauf, dem Abschlusszeugnis und einem – möglichst motiviert klingendem – Anschreiben gehört ein ordentliches Porträtbild mit in die Bewerbung. Doch das ist mittlerweile gar nicht mehr die gängige Praxis. Große Firmen wie beispielsweise Siemens sind bereits dabei, Fotos komplett aus ihrem Bewerbungsprozess zu verbannen. Der Grund: Verantwortliche Mitarbeiter lassen sich durch die Bilder bei der Bewerber-Auswahl beeinflussen. „Es ist wissenschaftlich ganz eindeutig bewiesen, dass ein Foto einen Rückschluss auf eine Qualifizierung beinhaltet, wenngleich das natürlich nicht unbedingt richtig ist“, erklärt Siemens-Personalchefin Janina Kugel. In einigen Staaten, wie beispielsweise Kanada, geht man sogar schon so weit, Bewerbungsfotos komplett zu verbieten. Doch wie ist hierzulande die Meinung zu diesem Thema?

Bei der Stadt Horb nimmt man eher Abstand von Bewerbungsfotos, erklärt Stadtsprecher Christian Volk auf Anfrage: „Wir verlangen lediglich eine aussagekräftige Bewerbung. Wir fordern nicht explizit ein Foto in den Bewerbungsunterlagen, wie manch andere Verwaltungen dies tun.“ Daher werden Bewerbungen ohne Fotos auch nicht aussortiert. Die Horber Stadtverwaltung lasse sich von Fotos nicht beeinflussen, sagt Volk weiter: „Wir suchen neue Mitarbeiter immer anhand eines bestehenden Anforderungsprofils und nicht anhand von Bewerbungsfotos aus. Daher ist das Foto nie ausschlaggebend für die Auswahl zum Vorstellungsgespräch.“ Daher würde man in Horb auch keine falschen Entscheidungen aufgrund von Sympathien oder Antipathien aufgrund der Bilder treffen.

Bei Bosch Rexroth in Horb verlangt man ebenfalls nicht explizit ein Foto. „Das ist freiwillig, Bewerbungen ohne Bild werden gleichbehandelt wie Bewerbungen ohne“, erklärt Pressesprecherin Judith Mühlich. Man habe nicht vor, daran in nächster Zeit etwas zu ändern. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. „Es würde beim Entscheidungsprozess keinen Unterschied machen“, sagt Mühlich.

Eine ähnliche Einstellung hat auch die AHG Horb. „Grundsätzlich wird jede bei uns eingehende Bewerbung angenommen und im Rahmen des Einstellungsprozesses geprüft. Ob die Bewerbung ein Foto beinhaltet oder nicht, ist dabei kein K. O.-Kriterium“, erklärt Abteilungsleiter Markus Bodenmiller. Entscheidend sei immer die fachliche Qualifikation und dass die Bewerbungsunterlagen „in sich stimmig sind“.

Auch Fischer in Waldachtall fordert kein Foto, dennoch sagt Pressesprecher Wolfgang Pott: „Ein professionelles Bewerbungsfoto rundet die Bewerbung des Interessenten ab.“ Aussortiert würden aber keine Bewerbungen ohne Bild.

Doch was macht ein gutes Bewerbungsbild aus? Der Horber Porträt-Fotograf Richard Menzel erklärt: „Als Fotograf sucht man sich die positiven Seiten der Menschen und arbeitet dann daraufhin, diese zu beleuchten. Man hat da nach einer gewissen Zeit den Blick dafür.“ Dass Fotos Auswirkungen auf die Personal-Wahl bei Firmen haben, ist für Menzel klar: „Natürlich ist da die Gefahr da. Aber ich finde das nicht falsch. Schönheit hat viele Seiten, es ist dann die Aufgabe des Fotografen, diese herauszuholen.“ Es gebe Leute, bei denen es beinahe eine Stunde dauere, bis das Bild gut sei, andere benötigen laut Menzel nur zwei Minuten. Der Fotograf selbst hält nichts vom Weglassen von Bewerbungsfotos. „Das ist eine Katastrophe. Da wird es dann ja sehr spannend beim Bewerbungsgespräch“, sagt Menzel, der in Horb unter anderem die Bewerbungsbilder für Eden Volohonsky, Leiter des Hermann-Hesse-Kollegs, und seine Schüler macht.

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05.10.2016, 01:00 Uhr

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