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Bis zur Weißglut
Er habe die Sch... am Fuß, jammerte der verhinderte Torjäger Thomas Müller (rechts) nach seinem Pfostenschuss. Die Hoffenheimer hingegen feierten das 1:1 in der Allianz-Arena wie einen Sieg. Foto: dpa
Bundesliga-Hit

Bis zur Weißglut

Unter Julian Nagelsmann ist 1899 Hoffenheim weiter gereift. Das bekamen Thomas Müller und seine FC-Bayern-Kollegen beim 1:1 zu spüren.

07.11.2016
  • GEROLD KNEHR

Lust auf eine kurze Reise in der Zeitmaschine, acht Jahre zurück? Am 5. Dezember 2008 war 1899 Hoffenheim erstmals in seiner Vereinsgeschichte in der Allianz-Arena aufgekreuzt – als Tabellenführer. Unter Trainer Ralf Rangnick zeigte der Bundesliga-Neuling Powerfußball ohne Ende, lieferte den Münchnern einen offenen Schlagabtausch auf hohem Niveau. 1:1 stand es nach 90 Minuten, als Luca Toni in der Nachspielzeit gegen die entkräfteten Gäste doch noch zum glücklichen 2:1-Sieg traf. „Ich habe noch nie eine Mannschaft in München gesehen, die immer versucht, so schnell wie möglich zum Abschluss zu kommen“, staunte der damalige Tribünengast, Bundestrainer Joachim Löw über die Badener, die eine Woche nach der Niederlage in München gleichwohl Herbstmeister wurden.

Seither standen sich die beiden Teams 17 Mal in der Bundesliga gegenüber, und noch nie haben die Hoffenheimer gegen den deutschen Fußball-Rekordmeister gewonnen. Am Samstag hätte es beinahe die Premiere gegeben. Wie vor acht Jahren hieß es nach 90 Minuten 1:1, die Gäste hatten bei Pfostenschüssen von Mats Hummels und Thomas Müller Glück. Und doch hätte Sandro Wagner, wäre sein Bein nur einen Tick länger gewesen, in der Nachspielzeit beinahe das 2:1 erzielt. Es wäre ein glücklicher Erfolg gewesen. Aber immerhin: so nahe waren die Hoffenheimer seit acht Jahren nicht mehr an den Bayern dran.

Im Vergleich zu Rangnicks Sturm-und-Drang-Zeiten und nach etlichen Krisen, welche 1899 in der vergangenen Saison beinahe den Bundesliga-Abstieg eingebrockt hätte, ist Hoffenheim unter dem jungen Coach Julian Nagelsmann (29) mittlerweile erstaunlich gereift. Die Defensive mit der Dreier-Abwehrreihe, die sich bei Münchner Angriffen zur Fünfer-Kette auffüllte, stand so gut gestaffelt und geordnet, dass sich die Münchner im Spielaufbau ungemein schwer taten. So konnte der gehandicapte Jerome Boateng, der seine Teilnahme am EM-Qualifikationsspiel in San Marino (Freitag) und am Testspiel am Dienstag in Mailand gegen Italien wegen Knie- und Adduktorenproblemen absagte, keinen einzigen seiner weiten Pässe schlagen – er hatte schlicht keine Anspielmöglichkeiten. „Die Hoffenheimer haben es defensiv sehr gut gemacht. Es war nicht leicht, den freien Raum zu finden. Alles war blockiert“, sagte Bayern-Angreifer Robert Lewandowski.

Und noch etwas deckten die Badener auf: Gegen Kontrahenten der Hoffenheimer und Leipziger Kragenweite kann Carlo Ancelotti nicht nach Belieben rotieren. So hatte der Bayern-Coach mit Philipp Lahm und David Alaba beide etatmäßige Außenverteidiger außen vor gelassen. Von ihren Vertretern Rafinha und Juan Bernat kamen in der Offensive zu wenig Impulse. Weshalb beispielsweise der aus der Nationalelf zurückgetretene Lahm geschont werden musste, ist nicht schlüssig zu erklären. Sein nächstes Pflichtspiel steht erst am 19. November bei Borussia Dortmund an.

Der Frust bei den Bayern, die nach der schön herausgespielten Hoffenheimer 1:0-Führung durch Kerem Demirbay (16.) ein Eigentor des Schweizers Steven Zuber (34.) zum Ausgleich benötigten, war groß. Arjen Robben würdigte nach seiner erneuten Auswechslung seinen Trainer keines Blickes. Und der in dieser Bundesliga-Saison nach wie vor torlose Thomas Müller schimpfte sich selbst: „Ich hab soo eine Krawatte.“ Damit meinte er seinen dicken Hals. Hoffenheim hatte (nicht nur) ihn zur Weißglut gebracht. Die Hoffenheimer hingegen beteuerten: „Wir haben gar nicht alles gezeigt, was wir eigentlich können“, so Torschütze Demirbay.

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07.11.2016, 06:00 Uhr

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