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Theater

Burggeschichte zum Nacherleben

Tanz, Schauspiel, Handpuppen, Video und Kanonier: Bei „Wehrstein lebt“ erhielten rund 120 Zuschauer auf der Fischinger Ruine Einblicke ins Leben früher.

21.07.2018
  • Cristina Priotto

Die Atmosphäre und das Wetter passten bestens, als der Förderverein Burgruine Wehrstein am Donnerstagabend zu „Wehrstein lebt“ auf das Fischinger Wahrzeichen eingeladen hatte. Etwa 120 Geschichtsinteressierte nahmen den steilen und steinigen Fußweg zu dem Gemäuer auf sich.

Oben angelangt, wurde das Publikum nicht nur mit einem schönen Ausblick übers Neckartal belohnt, sondern auch mit einem ebenso abwechslungsreichen wie kurzweiligen Kulturprogramm.

Nachdem der Mühlheimer Emil Löffler einen Schuss aus seiner Modellkanone abgegeben hatte, schritt die „Tanzgruppe Domenico“ würdevoll auf den Vorplatz. Die prachtvollen Gewandungen, die historischen Vorbildern der Frührenaissance nachempfunden sind, waren zwar für die Zuschauer sehr ansprechend anzusehen. Die siebenköpfige Formation aus Sindelfingen dürfte darunter angesichts der hohen Temperaturen allerdings ganz schön geschwitzt haben. Die Männer und Frauen trugen rote und weiße Rosen und drehten sich zu Renaissance-Musik vom Band. Die Zuschauer spendeten dieser besonderen Vorführung nicht nur mehrmals Zwischenapplaus, sondern klatschten auch am Ende ausgiebig.

Gesinde klagt über viel Arbeit

Ganz anderer Art war die zweite Station, zu der das Publikum ein paar Meter laufen musste: Vor der Bastion hatten sich elf Schüler der Grund- und Werkrealschule Sulz-Empfingen-Vöhringen in einer Reihe in Kostümen aufgestellt. Die Jugendlichen stellten die früheren Burgbewohner dar und hatten im Kunstunterricht Wappen der jeweiligen Zunft angefertigt. So berichtete ein als Graf Christoph von Nellenburg verkleideter Junge mit Kissen unterm Hemd als Bauch vom lustigen Leben eines Adligen auf der Burg, aber auch in Radolfzell. Die Texte, die das Gesinde verlas, zeugten indes von harter und schlecht entlohnter Arbeit: Dienerin, Magd und Zofe klagten über wenig Freizeit und karge Bezahlung. Gruselig anzusehen war der Henker mit seinem Beil, der wegen des unehrbaren Berufs geächtet war, außerhalb der Stadt leben und sich erkennbar als Scharfrichter kleiden musste. Damit das Burgvolk nicht Hunger litt, sorgten Wirt und Bäcker für Essen. Die Schüler stellten auch andere Handwerksberufe wie Seiler, Schuster, Drechsler, Schmied oder Köhler dar.

Auf die Idee, die einstigen Bewohner der Burg Wehrstein wiederaufleben zu lassen, war Lehrer Jérôme Brunelle bei einer Wanderung wegen einer Frage seines Sohnes gekommen – und ließ die Klassen 5 und 6 recherchieren.

Nach diesem lebendigen szenischen Intermezzo konnten sich die Zuschauer bei einem geschichtlichen Sprung zurück in die Gegenwart anhand eines sehr gelungenen Videoclips auf einem Bildschirm kurzweilig über die Geschichte des Fischinger Wahrzeichens informieren. Die Schüler Dominik Letzgus und Gina Hirt kommentierten historische Rekonstruktionen über das vermutliche Aussehen der Ruine Wehrstein und deren bewegte Geschichte, die mit aktuellen Drohnenaufnahmen einen spannenden Kontrast bildeten.

Unterhaltsam war das Handpuppentheater, bei dem einige Mädchen und Jungen mit Figuren hinter einem samtenen Vorhang einen Geburtstag der Königin mit Handpuppen nachspielten.

Das zirka einstündige Programm wurde nach dem ersten Durchgang nochmals wiederholt. So hatten alle Besucher, die teils stehen oder im Gras sitzen mussten, die Gelegenheit, die vielfältigen Darbietungen zu erleben.

Werbung für jüngere Mitglieder

Den Anstoß zu der Kooperation zwischen dem Förderverein Burgruine Wehrstein hatte Hubert Breisinger gegeben: Der Vorsitzende sagte im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE: „Wir möchten künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus verschiedene Veranstaltungen auf der Ruine etablieren“. Dies könnten Theateraufführungen ebenso wie Vorträge sein. Der Verein erhofft sich dadurch als langfristiges Ziel auch, durch Werbung für Jüngere neue Mitglieder zu gewinnen. „Besonders bei den Arbeitseinsätzen könnten wir starke junge Männer gebrauchen“, berichtete Werner Giering, der eifrig Beitrittsformulare verteilte. An einem Infostand hatten die Mitglieder Fotos von den bisherigen Arbeiten aufgehängt.

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21.07.2018, 01:00 Uhr

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