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Dann hat es bumm gemacht

Curvy-Supermodel-Finalistin studiert in Tübingen

Die Tübinger Lehramtsstudentin Fabienne Klamandt steht im Finale der Castingshow Curvy Supermodel

27.10.2016
  • Kathrin Löffler

Jetzt klingt halt „Jeans für Füllige “ nicht so richtig funky. Das Übergrößenlabel Sheego nennt sein neues Modell deshalb lieber Powerstrechslimfitdingsbumsdenim. Für dieses Powerstrechdings braucht Sheego Mannequins. Also lässt Sheego hübsche junge Frauen, die etwas mehr auf die Waage bringen als das Reißzweckenkopfgewicht gemeiner Catwalkdarstellerinnen, in besagtes Powerteil schlüpfen. Sollen die mal ein paar verrückte Sachen da drin machen. Cethrin, 24, hat es sehr drauf. Sie turnt eine, Zitat, „Yoga-Pose“, in der nur deppenhafte Sportbanausen schlicht einen ausgestreckten Fuß erkennen würden, stellt sich auf ein Skateboard, hockt sich auf eine Sessellehne, schüttelt die Haare und analysiert korrekt: „Ich habe riskante Sachen gemacht, ich habe fast mein Leben gegeben.“ Auch Fabienne, 21, versucht sich in der Jeans. Urteil des Modelagenten: „Sie stehen da wie so ein Taschenmesser.“

Fabienne Klamandt kommt aus Remchingen, studiert Englisch und Biologie auf Lehramt in Tübingen und „war immer richtig dünn“. Jetzt trägt sie Konfektion 42 bei einer Körpergröße von 1,78 Meter. Grund: „In der Pubertät hat‘s auf einmal bumm gemacht.“ Seither verunsichern sie die vergleichenden Blicke anderer ein wenig – bei Fabiennes Schwestern bummste es nämlich nicht. Ansonsten ist ihre Position in Kilofragen: „Man muss nicht runtergehungert sein, um schön auszusehen.“ Word! Deshalb bewarb sich Fabienne bei „Curvy Supermodel“.

Das Modelcastingformat läuft seit einigen Wochen bei RTL2. Das Prozedere entspricht dem gängigen Modelcastingformatsregelwerk. Ein Haufen attraktiver Mittzwanzigerinnen darf in eine Villa übersiedeln, jetsetten, Posierwettbewerbe bestreiten und Laufstegläufe in Bademoden absolvieren, am Ende kürt eine paradiesvögelige Jury die Allerattraktivste zur Kampagnenhauptfigur. Es gibt viel Geheule, extrem bewegende biografische Rahmenerzählungen und melodramatische Einspielermusik. Nur, dass RTL2 statt Streichholzmädchen „Models mit gesunden Rundungen sucht“. Die sagen dann Sätze wie diesen: „Ich würde lieber einen Burger heiraten als einen Mann.“ Am Mittwochabend lief die jüngste Folge.

Das Powerstrechdenimcasting war da nur der Anfang. Nächste Szenerie: ein Möbelhaus. Ein sogenanntes Male Model sitzt ebendort in einem Bett, lange Haare, Nasenring, Typ Mittelaltermarktfan. Die Kandidatinnen sollen mit und neben ihm schauspielern üben. Fabienne schauspielert eine Eins-a-Zickenszene.

Dann, hurra, Balearenglamour. Werbedreh auf Ibiza. Cethrin packt Hotpants und Bauchfreibluse ein und lässt die Tübinger Studentin an ihrer Lebensweisheit teilhaben: „Fabienne, du musst mal ein bisschen was aus dir rausholen.“ Ibizia also. Weiße Villa, blaues Meer, türkiser Pool, eh klar. Aufgabe der Mädels: schön und mit wenig an da liegen, aufstehen, einem weiteren Male Model dessen Schleckeis abluchsen. Das weitere Male Model hat etwa fünfmal so viele Fitnessstudioeinheiten und Sonnenstudiobesuche hinter sich wie der Möbelhausmann und heißt José. José!

Cethrin, die auch ihre Lippen schon einmal auf ein für sie angemesseneres Volumen aufblähen ließ, geht die Sache in gewohnt nicht unnötig eingesetzter Zurückhaltung an, wickelt sich aus ihrem Oberteil und liefert hernach eine sachliche Einschätzung: “Vom Style her sah ich aus wie Paris Hilton.“ Fabienne ist erst schüchtern und glänzt dann mit defensivem Charme. Jury-Befund: „Sehr, sehr gut.“

Wie ist das nun: Im Bikini durch die Wohnzimmer der RTL2-Öffentlichkeit zu marschieren? Fabienne hat es anfangs Überwindung gekostet. Sich zu sträuben, hätte ihre Botschaft aber irgendwie ad absurdum geführt. „Ich möchte ja gerade beweisen, dass man sich für seinen Körper nicht schämen muss.“ In seiner moralischen Legitimierung scheint rundliches Entblättern dünnem Entblättern also irgendwie überlegen zu sein. Aber weiter. Der Textildiscounter Kik sucht ein Werbegesicht. Fabienne ist präsenter als ihre Mitstreiterinnen, Fabienne sieht beim Shooting gut an einer Säule aus, Fabienne überzeugt den Fotografen, „Super, genau so, ganz toll, ganz hübsch!“, Fabienne kriegt den Auftrag, Fabienne ist auf dem nächsten Kik-Prospekt vorne drauf, hallöchen!

Gelegentlich taucht zwischen all den Challenges und Competitions und Coachings etwas Ovalförmiges im Bild auf. Es ist von geleeartig-wachsglatter Oberfläche und fast reglos. Nur im unteren Drittel zuckt etwas. Es ist das Gesicht von Harald Glööckler. Vermutlich stecken 78 Prozent der Botoxvorkommen dieser Welt darin, aber hey, über Geschmack und so...

Glööckler jedenfalls trägt den Beinamen „Modezar“ und designt offensiv gegen die Stilrichtung „schlicht und unauffällig“ an. Er kommentiert das Tun der Akteurinnen und ist Teil der Curvy-Supermodel-Jury. Zum Wertgericht gehören auch Ex-Profitänzerin Motsie Mabuse, ein bereits gestandenes Kurvenmodel und noch so ein Typ. Am Sendungsende sortieren sie die Finalistinnen aus. Die müssen zur Qualifizierung in drei unterschiedlichen Outfits drei unterschiedliche Gefühlslagen mimen. Freude, Wut, Trauer. Polina zum Beispiel zeigt aber nur „sexy, sexy, sexy“, klagt die Jury. Glööckler: „Du hast versagt!“ Schluck. Fabienne dagegen: schultert lässig die Pumps, guckt zornig, rauft die Haare. Glööckler erkannte in ihr zu Staffelbeginn ein „verschrecktes Reh“. Jetzt sieht er „eine Audrey Hepburn“. Finalticket gelöst. Von wegen Taschenmesser!

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27.10.2016, 20:47 Uhr

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