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Dämmerung für Diktatoren
Fokus Afrika bei den Französischen Filmtagen

Dämmerung für Diktatoren

Die Französischen Filmtage porträtieren vom 2. bis zum 9. November  einen Kontinent zwischen Sehnsucht nach Demokratie und politischem Elend.

27.10.2016
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Der Arabische Frühling ist einem klirrend kalten Winter gewichen. Die demokratischen Aufbrüche in den südlicheren Gefilden Afrikas kommen kaum vom Fleck. Vielerorts auf dem Kontinent haben sich Islamisten breitgemacht. Wie sich das filmisch niederschlägt, zeigt der „Fokus Afrika“ bei den Französischen Filmtagen. Vier Beispiele.

Mali: Der Aufstand der Tuareg und der Terrorkrieg der Islamisten finanziert sich zu einem Gutteil durch den Drogenhandel. Eine der wichtigsten Transportrouten zwischen Südamerika und Europa führt durch die Sahara. Auch Politiker und Militärs füllen mit dem Erlös ihre Taschen. Vor diesem Hintergrund erzählt der Thriller „Wùlu“ von einem Minibusfahrer, der beschließt, als Kurier in das lukrative Geschäft einzusteigen – mit Konsequenzen, die er anfangs nicht bedacht hat.

Tunesien: Der Maghreb-Staat ist das einzige Land, in dem der Arabische Frühling halbwegs gute Früchte trägt. Dennoch ist die Gesellschaft weiterhin zerrissen zwischen konservativem Islam und der Orientierung nach dem Westen. Normalerweise kommen dabei Frauen unter die Räder. In „Inhebbek Hedi“ (Hedis Hochzeit) ist es jedoch ein junger Mann, der von patriarchalen Strukturen eingeschnürt wird – und sich entscheiden muss, wohin die Reise geht. Auf der Berlinale hat der außergewöhnliche Liebesfilm den Silbernen Bären gewonnen.

Tschad: Hissène Habré ist einer wenigen afrikanischen Diktatoren, die für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen worden sind. Im Mai dieses Jahres verurteilte ihn ein Sondertribunal der Afrikanischen Union wegen Vergewaltigung, sexueller Sklaverei und der von ihm angeordneten illegalen Tötungen zu lebenslanger Haft. In seinem Dokumentarfilm „Hissein Habré, une tragédie tchadienne“ lässt Regisseur Mahamat-Saleh Haroun („Ein Mann, der schreit“) die Überlebenden seiner Schreckensherrschaft zwischen 1982 und 1990 zu Wort kommen – auch als Mahnung an die nachfolgende Generation, Diktatoren frühzeitig das Handwerk zu legen.

Senegal: In Burkina Faso hat die Bevölkerung im Vorjahr ihren ewigen Diktator verjagt. Bereits vier Jahre davor hatte sich im Senegal eine vor allem von jungen Leuten getragene Protestbewegung gegen den Präsidenten Abdoulaye Wade formiert, der sich mit Tricks und Manipulationen eine illegale dritte Amtszeit sichern wollte. Der Dokumentarfilm „The revolution won’t be televised“ lässt die letztlich erfolgreiche Revolte Revue passieren und liefert nebenbei auch mitreißenden Bericht über die Jugend des westafrikanischen Landes.

INFO: Festival-Gäste aus Afrika stehen bei einer Podiumsdiskussion am Montag, 7. November, um 20 Uhr im Kino Atelier Rede und Antwort.

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27.10.2016, 16:35 Uhr

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