Hau&Holzwiese

Das Ahldorfer Gewerbegebiet wird weiter untersucht

Der Gemeinderat hat sich gestern Abend mit 17 Jastimmen und 11 Gegenstimmen für weitere Gutachten ausgesprochen.

19.12.2018

Von Dagmar Stepper

Die Diskussion und Abstimmung im Gemeinderat wurde von rund 100 Zuhörern– meist Anhänger der Ahldorfer BI – verfolgt. Bilder: Mathias Huckert

Die Diskussion und Abstimmung im Gemeinderat wurde von rund 100 Zuhörern– meist Anhänger der Ahldorfer BI – verfolgt. Bilder: Mathias Huckert

Leicht hat es sich der Gemeinderat mit der Entscheidung nicht gemacht: Knapp zwei Stunden diskutierte er gestern Abend, ob bei dem geplanten 25 Hektar großen Gewerbegebiet in Ahldorf weitere Gutachten in Auftrag gegeben werden sollen oder ob noch ganz zu Beginn der Planungsphase ein Schlussstrich gezogen wird. Teils sachlich, teils auch emotional gaben einzelne Stadträte persönliche Statements ab und begründeten, warum sie für oder gegen eine Weiterentwicklung des Projekts sind. Die Diskussion wurde von rund 100 Zuhörern – meist Anhänger der Ahldorfer Bürgerinitiative Hau&Holzwiese – verfolgt.

Zuvor hatte Stadtplaner Peter Klein erklärt, warum bei der Standortsuche für weitere Gewerbeflächen Ahldorf in Erwägung gezogen wurde. Die topografische Lage von Horb sowie Natur- und Wasserschutzgebiete lassen nur wenige Flächen zu. Nimmt man noch die Infrastruktur hinzu, bleibe neben Ahldorf nur noch das Industriegebiet Heiligenfeld übrig, das zwar Erweiterungspotenzial bietet, aber nicht im größeren Umfang. Der Gemeinderat hatte also zu entscheiden, ob der Standort Ahldorf tatsächlich als Standort geeignet ist und nicht nur theoretisch möglich, wie der derzeitige Wissensstand ist.

Entscheidend für das Abstimmungsergebnis waren die Positionen der CDU- und der FD/FW-Frakionen. Die beiden vereinen 21 Stimmen im Stadtrat, der mit dem stimmberechtigten Oberbürgermeister 33 Mitglieder hat. CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Keßler lehnt das Gewerbegebiet auf Ahldorfer Gemarkung aus „tiefster Überzeugung“ ab. Er nannte die Gründe dafür: Das Gebiet ist das einzige Naherholungsgebiet für die Ahldorfer, der Ortschaftsrat sprach sich einstimmig dagegen aus, 80 Prozent der Grundstückseigentümer sind nicht verkaufsbereit und vor allem der ganze Flecken wehrt sich gegen das Projekt. „Mein Appell: Nehmen wir den Bürgerwillen ernst und lehnen es ab“, waren seine Schlussworte.

Doch seine Fraktionskollegen teilten diese Meinung nicht. Fridolin Weckerle, der für die Mehrheit der CDU-Fraktion sprach, sagte auch, warum. Horb könne leider nicht aus vielen Flächen in Autobahnnähe auswählen. „Für eine sachgerechte Entscheidung müssen wir alle Fakten kennen.“ Sollte die Untersuchung jetzt beendet werden, hätte das Auswirkungen auf alle zukünftigen Entscheidungen des Gemeinderats.

Die FD/FW-Fraktion sah das ähnlich. Etwas langatmig begründete Fraktionsvorsitzende Dr. Alfred Seifriz, warum seine Fraktion mehrheitlich für weitere Untersuchungen plädiert. „Wir brauchen Gewerbeentwicklung, damit zukünftige Generationen hier auch Arbeitsplätze vorfinden.“ Entwicklung voranzutreiben gehöre zu den Aufgaben eines Gemeinderats.

Für Dr. Dieter Rominger-Seyrich (SPD) war diese Sicht zu einseitig: „Die wirtschaftliche Prosperität ist nicht die einzige Aufgabe, sondern auch der Erhalt der Natur.“ Er kritisierte den immensen Flächenfraß in Deutschland. Für SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Mattes ist Gewerbeentwicklung wichtig, aber nicht an dieser Stelle. „Die Eigentümer lehnen es ab, dass es kommt, ist nicht realistisch.“ Auch einen alten Wald abzuholzen, lehnt Mattes ab. „Es dauert Jahre, bis an anderer Stelle wieder etwas nachwächst.“

Parteikollegin Viviana Weschenmoser ist eigentlich eine Freundin von Zahlen und Fakten. Daher habe sie sich zuerst weitere Untersuchungen gewünscht. Doch jetzt hat sie ihre Meinung geändert, Grund dafür ist der Vertrauensverlust in der Bevölkerung, wenn der Bürgerwille so ignoriert wird: „Der Trialog ist komplett in den Sand gesetzt.“

Dass die OGL und die ULH-Fraktionen jetzt die Reißleine ziehen wollten, war klar. Von beiden lag ein Antrag vor, sich vom Gewerbestandort Ahldorf zu verabschieden. „Wir können mit wertvollen Flächen nicht so verschwenderisch umgehen. Zukünftige Generationen werden uns das danken“, betonte OGL-Fraktionsvorsitzender Markus Pagel. „Im Industriegebiet Heiligenfeld stehen Garagen“, sagte ULH-Fraktionsvorsitzender Hermann Walz und meinte damit, dass Horb wohl genügend Gewerbefläche hat, wenn man sich Garagenbau dort leisten kann.

Jürgen Poppitz (FD/FW) brachte zum Schluss der Debatte noch den Bürgerwillen ins Spiel: „Ich plädiere für die Fortsetzung der Untersuchungen. Wenn die Ergebnisse dann vorliegen, können wir einen Bürgerentscheid abhalten, ob in Ahldorf ein Gewerbegebiet kommen soll und wie viel Gewerbeentwicklung sich die Bürger überhaupt wünschen.“

Bei der öffentlichen Abstimmung votierten 17 Stadträte für weitere Untersuchungen, elf stimmten dagegen. Enthaltungen gab es keine, drei Stadträte hatten sich an diesem Abend entschuldigt. Die Anträge der OGL- und UHL-Fraktionen, von dem Projekt sich jetzt zu verabschieden, wurden mit dem gleichen Stimmenverhältnis abgelehnt.

Oberbürgermeister Peter Rosenberger dürfte mit dem Ergebnis zufrieden sein. Der Gemeinderat ist dem Vorschlag der Stadtverwaltung gefolgt. Anfangs der Sitzung hatte er dafür geworben, mehr Fakten zusammenzutragen, um danach erst eine endgültige Entscheidung zu treffen. Die BI sieht das anders, aber sie verließen friedlich und ruhig die Gemeinderatssitzung.

Viviana Weschenmoser

Viviana Weschenmoser

Markus Pagel

Markus Pagel

Alfred Seifriz

Alfred Seifriz

Michael Keßler

Michael Keßler

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Erstellt:
19.12.2018, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 13sec
zuletzt aktualisiert: 19.12.2018, 01:00 Uhr

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