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Das Regierungspräsidium will den Tübinger Luftreinhalteplan verschärfen
Am Lustnauer Tor ist die Luft in Tübingen besonders dreckig: Verantwortlich dafür ist auch der Dieselruß aus den Auspuffen der Stadtbusse. Bild: Metz
Die Luft muss sauberer werden

Das Regierungspräsidium will den Tübinger Luftreinhalteplan verschärfen

Trotz Luftreinhalteplan und Großer Umweltzone: Weil die Werte des Umweltgifts Stickstoffdioxid in Tübingen nicht sinken, denkt man nun im Regierungspräsidium über Verschärfungen nach – und will sich dabei auch die Dieselbusse anschauen.

08.04.2016
  • Volker Rekittke

Tübingen. „Dieselfahrzeuge müssen raus aus den Städten“, das ist die erklärte Linie des Umweltbundesamts (UBA), erklärt dessen Sprecher Martin Ittershagen auf TAGBLATT-Nachfrage. Das UBA empfiehlt, Kommunen das Recht einzuräumen, alte Diesel-Pkw aus hochbelasteten Innenstädten auszuschließen. Dieser Schritt sei dringend nötig, um die weiter deutlich zu hohen Werte für Stickstoffdioxid (NO2/NOx) zu senken. Städte und Kommunen müssten die Möglichkeit erhalten, eine strengere Umweltplakette in ihren Umweltzonen vorzuschreiben, sagte am Dienstag UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Diese neue Umweltplakette sollten nur besonders saubere Diesel-Pkw erhalten – also solche, die die zukünftigen Euro-6-NOx-Grenzwerte nicht nur auf dem Papier einhalten, sondern nachgewiesenermaßen auch im realen Fahrbetrieb.“

Dicke Luft herrscht auch in Tübingen. Mitte März maß Greenpeace an sieben Stellen im Stadtgebiet die Konzentration von Stickstoffdioxid: Überall lag sie deutlich über den erlaubten Grenzwerten von über dem EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm (µg) pro Kubikmeter Luft. Am Lustnauer Tor, wo viele Busse vorbeifahren, waren es in der Spitze mehr als 400 Mikrogramm (wir berichteten).

Polizei: Keine eigenen Plaketten-Kontrollen

„Alle gängigen Maßnahmen sind ausgereizt“, sagt Simon Kistner, Sprecher des Tübinger Regierungspräsidiums (RP). Am 1. Januar 2015 wurde ganz Tübingen inklusive Bundesstraßen zur Umweltzone erklärt, zuvor war bereits Tempo30/Tempo40 auf dem Innenstadtring eingeführt worden.

Allerdings dürften wohl die meisten Autofahrer, die keine grüne Plakette haben, ohne Bußgeld von 80 Euro davonkommen: „Wir machen keine speziellen Kontrollen zur Umweltplakette“, sagt Polizeisprecher Josef Hönes. Lediglich bei Allgemeinen Verkehrskontrollen oder seltener bei einer Unfallaufnahme werde das beanstandet – 2015 in Tübingen ganze 61 Mal.

Das RP will nun nachjustieren: „Man muss das Ganze jetzt neu aufrollen“, sagt Kistner. Und so arbeitet das RP bereits an der 3. Fortschreibung des Tübinger Luftreinhalteplans. Der soll bereits Ende des Jahres, spätestens Anfang 2017, fertig sein. Was ist mit Fahrverboten für dreckige Dieselfahrzeuge, wie vom Umweltbundesamt gefordert? Da brauche es zunächst eine gesetzliche Grundlage durch den Bund, so Kistner. Genauer anschauen dürfte man sich jedenfalls die Stickstoffdioxid ausstoßende Tübinger Dieselbusflotte: TüBus, RAB, Fernbusse,…

Alle 66 TüBusse seien mit Harnstoff-Katalysatoren zur Nox-Reduzierung ausgerüstet, sagt Hans Zeutschel, Bereichsleiter Öffentlicher Personennahverkehr der Stadtwerke Tübingen. Die Hälfte der Dieselbusse erfülle die Euro-5-Abgasnorm, ein Drittel gar die neue Euro-6-Norm. Mit einem Durchschnittsalter von 5,5 Jahren habe der TüBus „eine moderne Flotte“, so Zeutschel.

Dennoch macht man sich bei den Stadtwerken schon länger Gedanken über alternative Antriebsarten. Da ein Großteil der SWT-Firmenfahrzeuge mittlerweile mit Erdgas (CNG) fährt und die Stadtwerke die einzige Tübinger Erdgastankstelle (bei Aral an der Reutlinger Straße) betreiben, war es naheliegend, dass bereits 1997 und dann wieder 2005 Probefahrten mit Erdgasbussen in Tübingen unternommen wurden. Vergangenes Jahr reiste man in dieser Sache nach Saarbrücken, wo zwei Drittel der Flotte mit Erdgas fahren. Denn erdgasbetriebene Busse emittieren deutlich weniger NOx zumindest als Diesel-Busse bis zur Euro-5-Norm, sind teils sogar besser als Euro-6.

Doch die Erdgasantriebe überzeugten TüBus-Geschäftsführer Johannes Schwarzer nicht. Bei den SWT setzt man stattdessen auf Elektrobusse. Nach bisherigem Plan sollten drei kleinere TüBusse umgebaut und mit Elektromotor ausgestattet werden. Sie hätten auf den Altstadtlinien eingesetzt werden sollen. Man war sich schon fast einig, da sagte die Umrüst-Firma unlängst ab. Nun muss das Thema erneut in den Verkehrsbeirat – dort steht es am 21. April auf der Tagesordnung.

gsiehe „Übrigens“ und Bericht im überregionalen Teil

Was tut die Stadt Tübingen?

Während die Polizei den fließenden Verkehr kontrolliert, ist die Stadt für parkende Autos („ruhender Verkehr“) zuständig. Wenn ein städtischer Mitarbeiter bei seinen regulären Falschparker-Kontrollgängen in der Umweltzone auf ein Auto ohne grüne Plakette trifft, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet, so die städtische Pressesprecherin Claudia Salden. 2015 seien in Tübingen 523 Verstöße gegen die Plakettenpflicht im ruhenden und fließenden Verkehr festgestellt worden.

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08.04.2016, 01:00 Uhr

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