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Skispringen

David Siegel will endlich fliegen

Der 20-Jährige aus Baiersbronn könnte der neue Shootingstar im deutschen Team werden. Sein Ziel in diesem Winter: Die 200-Meter-Marke knacken.

24.11.2016
  • MANUELA HARANT

Ulm. Fast jeder Mensch hat einen Traum. Der Traum von David Siegel aus Baiersbronn heißt: Fliegen. Allerdings nicht mit Propeller oder Fallschirm, sondern mit zwei Brettern unter den Füßen. Denn David Siegel ist süchtig nach dem Rausch, dem perfekten Sprung, der nur an wenigen Schanzen weltweit zu einem echten Flug werden kann. „Ich möchte zum ersten Mal über 200 Meter fliegen“, sagt der 20 Jahre alte Skispringer mit leuchtenden Augen. Gelegenheit dazu hat er in Oberstdorf vom 3. bis 5. Februar, wo der einzige Skiflug-Weltcup der Saison stattfindet.

Dabei sollte David Siegel ursprünglich in der Nordischen Kombination Karriere machen, so wie es viele seiner Teamkollegen vom SV Baiersbronn getan haben. Aber schnell wurde klar, dass der Jungspund eher nach dem Adrenalinschub vor dem Absprung trachtete. Das Langlaufen war dem nervenstarken Jungen damals zu langweilig. Und die Entscheidung war goldrichtig: Sechs Jahre später hat sich der Schwarzwälder neben Severin Freund, Andreas Wellinger und Co. einen Stammplatz im deutschen Weltcup-Team der Skispringer gesichert. Was noch vor einem Jahr undenkbar war, ist jetzt Realität.

Angefangen hat alles mit der Berufung in die nationale Gruppe bei der Vierschanzentournee 2015/2016. Während der Großteil der Nachwuchstalente dort traditionell unter ferner liefen landet, nutzte Siegel bei der zweiten Station in Garmisch-Partenkirchen seine Chance und sprang an hochdekorierten Konkurrenten wie Kamil Stoch und Gregor Schlierenzauer vorbei auf Rang 16. Damals schmerzte es Bundestrainer Werner Schuster noch sehr, dass er das vielversprechende Talent aufgrund der begrenzten Startplätze anschließend wieder streichen musste.

Doppelgold bei Junioren-WM

Diesen Winter jedoch kam der deutsche Chefcoach nicht mehr an dem jungen Mann aus der Neckar-Region vorbei. Mit dem Gewinn der Goldmedaille bei der Junioren-WM im Einzel und mit der Mannschaft, in der übrigens auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder Jonathan sprang, sowie dem Deutschen Meistertitel Ende Oktober in Oberhof lieferte der angehende Bundespolizist genügend Argumente, die einen Weltcup-Einsatz am kommenden Wochenende im finnischen Kuusamo rechtfertigen. „David Siegel macht sehr viel Spaß. Das ist ein junger Bursche, der noch lange nicht ausgereift ist“, sieht Schuster trotz der jüngsten Erfolge noch viel Potenzial in dem 20-Jährigen.

Neben dem Fliegen auf der Oberstdorfer 225-Meter-Schanze hat sich Siegel für diese Saison fest vorgenommen, die Vierschanzentournee komplett durchzuspringen. „Die Atmosphäre in Deutschland und in Österreich genießen zu können, ist etwas ganz Besonderes“, meint David Siegel, der im Gegensatz zu manch anderem Überflieger, der unter Druck schnell auf dem Boden der Tatsachen landet, gefestigt wirkt – gerade, wenn er oben auf dem Balken sitzt: „Ich kann das Drumherum immer ganz gut ausblenden, auch wenn da ein paar Zuschauer mehr um die Schanze stehen als im Training.“

Sobald er jedoch gelandet ist, saugt der neue Shootingstar der Skisprung-Szene alles in sich auf. „Da komme ich aus dem Konzentrationstunnel raus und kann die Begeisterung der Massen komplett genießen“, beschreibt Siegel sein Erlebnis als Sportler vor einer Kulisse von 25 000 Zuschauern wie in Garmisch-Partenkirchen.

Von den Routiniers lernen

Dabei profitiert der 20-Jährige von den Fehlern anderer Überflieger der Vergangenheit. Der Deutsche Ski-Verband (DSV) legt immer wieder die schützende Hand über seine jungen Athleten, um einen für die Psyche eher ungesunden Hype wie damals bei Sven Hannawald und Martin Schmitt zu vermeiden. Dabei kann Siegel vor allem von den erfahreneren Teamkollegen wie Severin Freund oder Richard Freitag lernen.

„Sie zeigen mir vor allem, wie ich zwischen den Sprüngen abschalten kann, um nicht zu verkrampfen. Da kann ich mir noch einiges abschauen“, sagt das große Talent, dessen Trainer vor allem seine hervorragende Sprungtechnik loben. Und wenn Siegel weiterhin so locker bleibt wie zuletzt, kann er seinen Traum im Februar in Oberstdorf tatsächlich verwirklichen.

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24.11.2016, 06:00 Uhr

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