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Der Spaß am Ego-Shooter-Spielen
Erhält einen Preis der Körberstiftung: der Kulturwissenschaftler Christoph Bareither. Bild: Körberstiftung
Wissenschaftspreis für Christoph Bareither

Der Spaß am Ego-Shooter-Spielen

Der Kulturwissenschaftler Christoph Bareither erforscht Gewalt im Computerspiel. Dafür zeichnet ihn die Körberstiftung aus.

08.11.2016
  • Angelika Bachmann

Was fasziniert Menschen an Gewalt in Computerspielen? Was erleben und empfinden sie dabei? Warum machen Spiele, in denen Gewalt angewandt wird, Spaß? Und: Was genau macht daran Spaß? Darüber forschte der Tübinger Kulturwissenschaftler Christoph Bareither, 33. Seine Dissertation („Gewalt im Computerspiel“) wird heute von der Körberstiftung mit einem Preis ausgezeichnet.

„Es gibt eine große Forschungslücke“, sagte Bareither gegenüber dem TAGBLATT. Zwar gebe es eine Vielzahl von Studien, die sich damit beschäftigten, wie sich Gewalt in Computerspielen auf die Spieler auswirke: Machen Ego-Shooter-Spiele aggressiv und gewalttätig? Kaum jemand sei bislang aber der Frage nachgegangen, welche Erfahrungen die Spieler selbst machen. „Wir müssen einfach mehr darüber wissen.“ Für seine Dissertation wurde Bareither, der ansonsten eher selten am Computer spielt, zeitweise zum Gamer: 1200 Stunden verbrachte er in Online-Multiplayer-Computer-Spielen. Mit mehreren hundert Spielern nahm er Kontakt auf und lernte diese kennen. Er spielte Counter-Strike, Battlefield und Grand Theft Auto. Er beobachtete Spielgruppen bei Lan-Partys und führte Interviews. Mit der Methode der „teilnehmenden Beobachtung“ begab er sich in die Lebenswelt und den Spieleralltag.

Ein Fazit von Bareither: „Wir brauchen eine kritische, aber eben auch eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt in Computerspielen. Es reicht nicht aus zu sagen: Das ist etwas Rohes, Plumpes und Einfaches“. Man könne die emotionalen Erfahrungen in diesen Spielen „nicht über einen Kamm scheren“. In seiner Dissertation beschreibt Bareither ausführlich diese verschiedenen Erfahrungen, abseits moralischer Wertungen. Da gibt es einerseits Staunen und Freude, die damit verbunden sind, Macht auszuüben oder Strategien erfolgreich anzuwenden. Es gibt Trauer, Wut und Stress, wenn die eigene Spielfigur (Avatar) oder die eines Freundes angegriffen wird oder stirbt. Es reizt der Wettkampf und der Leistungsgedanke – für manche Spiele gibt es eine bundesweite Online-Bundesliga. Für einige Spieler sei es in erster Linie reizvoll, zusammen mit anderen Spielern im Team etwas zu erreichen. Wieder andere lassen sich gerne von einer dramatischen Geschichte mitreißen, oder sie haben Freude an der Überschreitung von Tabus, die sie als lustig empfinden.

Wolle man sich ernsthaft mit Gewalt in Computerspielen auseinandersetzen, müsse man diese Komplexität berücksichtigen. Computerspiele(r) pauschal als Killer(spiele) zu verurteilen, werde der Sache nicht gerecht – und grenzt zudem einen erheblichen Teil der Jugendlichen aus. Statistiken zeigen, dass 59 Prozent der Jungen und 19 Prozent der Mädchen zwischen 12 und 19 Jahren brutale und gewalthaltige Computer- und Online-Spiele nutzen. Unter jungen Erwachsenen, so Bareither, dürften die Zahlen ähnlich hoch ausfallen. Bei der Auseinandersetzung mit den Spielen sei es wichtig zu fragen, was genau man daran kritisiere.

Christoph Bareither ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Tübinger Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft. Hier entstand auch die nun ausgezeichnete Dissertation. Anfang der 2000er Jahre sammelte er zudem Erfahrungen als Regie- und Produktionsassistent bei Film und Fernsehen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Digitalisierung im Alltag, Ethnografische Emotionsforschung, Populärkultur sowie Film- und Videoanalysen.

Der Preis der Körberstiftung wird heute in Berlin übergeben – zusammen mit zahlreichen anderen Dissertationspreisen. Er ist mit 5000 Euro dotiert.

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08.11.2016, 01:00 Uhr

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