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Horber Eröffnungsball

„Des Dreckskaff hier gibt mir den Rest“

Die Horber Narrenzunft und das Publikum in der Hohenberghalle lachten beim Eröffnungsball über sich selbst, übereinander und über den Rest der Welt.

11.02.2019

Von Manuel Fuchs

Dany und Markus Wagner eröffneten als Esel den Abend.

Die Heimat des Publikums heftig zu schmähen, ohne von der Bühne gepfiffen zu werden – das gelang der Band „Dana’s Bitches“ beim Eröffnungsball der Horber Narrenzunft am Samstagabend: Die Dorfcombo, die von Großem träumt und oft schon im Kleinen scheitert, war einer der vielen Höhepunkte des Abends. In tosendem Applaus belegte das Horber Publikum sein gesundes Selbstverständnis: kein Kuhdorf mehr, und noch lang keine Metropole. Darüber darf man Witze machen, dazu hatte die Horber Narrenzunft unter dem Motto „Provinz statt Metropole – Horber Landleben XXL“ ein dreistündiges Programm zusammengestellt.

Zum Auftakt zogen Grafenpaar, Hofmarschall, Narrenrat und Narrengruppen in die Halle ein. Zunftmeister Eckhard Bukenberger eröffnete in launigen Reimen den Abend: „denn uff em Land, do steppt dr Bär – koi Metropole bietet mehr!“ Danach sollte das Grafenpaar das Wort haben, doch Graf Rudolf von Hohenberg fehlte. Er ließ sich erst nach Gräfin Ita von Toggenburgs dringenden Rufen einigermaßen missmutig auf einem Holder in die Halle chauffieren. Die Verschiedenheit ihrer Charaktere hielten die beiden in ihrer Eröffnungsrede aufrecht: Hier die distinguierte Gräfin, dort der fast bärbeißige Graf. Dennoch endeten beide gemeinsam mit den Zeilen „Jetzt startet unsre große Show! Narri, Narro und Horrido“, so dass der Abend Fahrt aufnehmen konnte.

Hofmarschall Dany Wagner stellte die historische Bedeutung des Grafenpaars und seinen Eingang in Horbs eigentlich schwäbisch-alemannisch geprägte Fasnet dar: „Auch wenn die zwei, historisch geseha / die Echtheitsprüfung nicht ganz besteha / stehn sie doch in unserer Zunft / für Warmherzigkeit und auch Vernunft.“ Kritiker sehen darin eine Traditionsverfälschung in Richtung des rheinischen Karnevals und seiner Prinzenpaare – na und?

Disco-Schlager mit Tanzrunde überbrückten eine Bühnenpause bis zum ersten Auftritt von Manu „Mega“ Müller-Ferl, Horbs Allzweckwaffe am Mikrofon, die durch den Abend führen würde. Im Gockelkostüm und in Begleitung von zehn Hennen nahm sie den Faden auf, sagte einen Filmclip an (siehe Kasten rechts) und leitete danach über zum ersten echten Programmpunkt.

Dany und Markus Wanger betraten im Eselskostüm die Bühne, erzählten in Dialogen und umgetexteten Liedern mit durchaus anspruchsvollen Melodien ihre Geschichte, wie sie sich in dieser Aufmachung von Hof zu Hof durchschnorrten. Die Pointen folgten Schlag auf Schlag und variierten von jugendfrei (Dany mit Blick ins Publikum: „So viele Rindviecher in oim Stall!“) über fäkal („Moscht aus Äpfel und von Birna, des frisch drongga, pfitzt glei henna naus“) bis zu deftigen Zoten, deren Wiedergabe sich an dieser Stelle leider verbietet.

Deutlich hintersinniger war Markus „Magic“ Maiers Auftritt als Eierfrau angelegt. Diese nahm auf ihrem Rundflug durch die Horber Aufregerthemen kein Blatt vor den Mund, mischte gekonnt augenscheinlich neu erfundene Witze („Des Schiff macht zu ... die ganze CDUler hockt auf der Stroaß ... koine Ideen mehr unter 1Promill ...“) mit anderen („Mein Frau ist so dumm, die hat ...“). Genau darin lag Eier-Maiers großes Verdienst: Bewährtes neu so zu beleben, dass eine naheliegende Punchline irgendetwas zwischen schallendem Gelächter und kreischender Hysterie hervorruft – das muss man erst einmal schaffen, und Maier schaffte es.

Den Tanzvortrag des Abends gestalteten Gäste aus Gaildorf: Mariechen der dortigen Schlossgarde, namentlich Jana (11 Jahre), Jule (12), Jessica (15) Magdalena (19) und Kimberley (fast 19), zeigten in einer Mischung aus Akrobatik, Ballett, Cancan und Sportgymnastik mitreißende Einzelchoreografien zu partytauglichem Dancefloor-Pop. Die Brücke nach Gaildorf hatte Vorjahresgräfin Sabine Peter geschlagen; sie und die jetzige Mariechen-Trainerin Katrin Singer kennen sich aus Kindertagen vom Ballettuntericht.

Der vierte Programmpunkt widmete sich dem Tod – mit mehr Zwinkern als Tränen in den Augen: Nach dem Ableben eines reichen Landwirts treffen dessen Witwe (Lisa Dörr), Affären beiderlei Geschlechts (Ute Karb, Elke Straub, Simon Köninger) und sein leiblicher Bruder (Franzi Schneiderhan) am Grab aufeinander. In Form einer Revue entfaltet sich der Schlagabtausch um Geld, Liebe und Gerechtigkeit. In einer überraschenden Wendung geben sich die Damen als Schwarze Witwen zu erkennen. Alle fünf beschließen, gemeinsame Sache, sprich: Kasse zu machen, und Freunde zu werden.

Kalauer, Politik und Zoten

Tierarzt Dr. Paule Dresser („und Ihrem Tier geht’s wieder besser“) alias Alexander „Locke“ Guth übernahm danach die Bühne für seine Anekdoten, die sich weniger um Tiermedizin als um menschliche Probleme drehten. Deshalb habe er seinen Slogan auch geändert: „Dr. Dresser, Paule, wir behandeln Tier und Fraule.“ Zwischen Kalauern („Mein Goldfisch hat Schuppen“), virtuos verpackter Kritik an der großen Politik, Spekulationen über das Liebesleben der CDU-Vorsitzenden und einem derben Seitenhieb über den Atlantik, ließ „Locke“ niemanden ungeschoren. Die feste Größe in der Horber Fasnet wurde allen Erwartungen gerecht.

Die letzte Nummer des Abends lieferten „Dana’s Bitches“. Facettenreich beschrieben Macherin Dana Zimmermann, Diva Theresa Löffel, Gitarrist Luca Niedernhöfer, Kiffer Moritz Lehmann und ihr größter Fan Luis Schneiderhan die Hürden, mit denen sich eine mehr (Dana) oder weniger (Moritz) ambitionierte Band vom Land herumschlagen muss: Auftritte „bei Kleintierzüchtern und dem Schachclub“, um eine Chance auf den Durchbruch zu haben. Coverversionen von „Baby one more time“ (Britney Spears), „Ich war noch niemals in New York“ (Udo Jürgens) und „Teenage Dirtbag (Whetus) brachten Tempo in die Darbietung, die ins große Finale mündete.

Mit einem gemeinsamen Abschluss-Lied auf der Bühne verabschiedeten sich die Akteure. Das Publikum applaudierte zwar, was die Handflächen hergaben. Dennoch wurde der Applaus weder dem auf der Bühne gezeigten Programm noch dessen aufwendiger Vorbereitung gerecht. Ein großartiger Abend klang auf der Tanzfläche und an den Bars in der Hohenberghalle aus – doch darüber schweigt der Chronist diskret.

Dana’s Bitches waren ein gut platzierter Running Gag im Programm des Eröffnungsballs. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Alexander „Locke“ Guth als Tierarzt Dr. Paule Dresser.

Umbaupausen-Clips

Der Filmproduktion zum Eröffnungsball eilt ein großer Ruf voraus und hinterher. Auch in diesem Jahr hatte sich das Team für die Umbaupausen eine hübsche Story erdacht, geskriptet und in sechs Clips umgesetzt: Eine Familie hofft auf Reichtümer aus dem Verkauf ihrer Äcker, wo ein Gewerbegebiet entstehen soll. Das Familienoberhaupt (erschreckend authentisch gespielt von City-Manager Thomas Kreider) jedoch stellt sich quer. Gemahlin, Sohn und Tochter beschließen: „Der Vadder muss weg.“ Natürlich schlagen alle Pläne auf absurde Weise fehl, nicht einmal ein angeheuerter Killer (unter der Strumpfmaske: OB Peter Rosenberger) wendet das Blatt. Die mit Esprit, Intelligenz und Mut zum Slapstick grandios umgesetzte Produktion bot ein würdiges Gegengewicht zum Live-Programm auf der Bühne.

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Erstellt:
11. Februar 2019, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Februar 2019, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2019, 12:00 Uhr

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